Rollei Digibase CN200 Pro 27. Februar 2008
Posted by Martin Frech in Randgebiete-Projekt, Technik.Tags: Digibase CN200, Farbnegativfilm, Filmtest, Fuji, Luftbildfilm, Maco, Rollei, scannen, Superia 100
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Rollei Digibase CN200 Pro — ein Filmtest
Text und Bilder © Martin Frech, Februar 2008 (Kontakt)
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- Schwarzweiß-Vergrößerungen mit dem Rollei Digibase CN 200 Pro

Brückenlager
Photo © Martin Frech, Berlin
Die Maske beim typischen Farbnegativfilm
Ein Farbnegativfilm ohne die inzwischen typische orangefarbene Maskierung war mit dem Agfacolor CN zuletzt in den 1960er-Jahren auf dem Markt. Farbrichtige Vergrößerungen von diesen Negativen waren die Ausnahme. Der Grund ist, dass die farbempfindlichen Schichten im Film das Licht nicht schmalbandig genug absorbieren. So entstehen bei der Belichtung Nebendichten in anderen Farbbereichen; beim Umkopieren auf das Positivmaterial setzt sich der Fehler fort, da auch dieses Material prinzipiell mit dem selben Fehler behaftet ist. Es entstehen entsättigte Bilder mit fehlerhaften und verschwärzlichten Farben.
Dieses Problem wurde bei allen späteren Farbnegativfilmen weitgehend gelöst durch entsprechende rote und gelbe Filterschichten im Film, die sich nach der Entwicklung als orangefarbener Schleier zeigen. Das ist bis heute so.
Rollei Digibase CN200 Pro
Nun gibt es wieder einen maskenlosen Farbnegativfilm. Maco vertreibt diesen unter dem Namen Rollei Digibase CN200 Pro als Rollfilm (135/120). Angeblich ist das ein umkonfektionierter Luftbildfilm der belgischen Firma Agfa-Gevaert.

Rollei Digibase CN200 Pro 135-36
Photo © Martin Frech, Berlin
Technische Daten:
- unmaskierter Farbnegativfilm für den C-41-Prozess
- Nennempfindlichkeit 24 °DIN
- angeblich transparenter Träger aus Polyester
Belastbare technische Informationen sind nicht veröffentlicht. Von Maco gibt es lediglich einen Werbezettel als pdf-Datei(1) mit rudimentären Informationen zu diesem Film, der allerdings kritisch beurteilt werden muss. Heißt es darin doch schon auf der Titelseite fälschlicherweise, es handele sich beim Rollei CN200 um einen Schwarzweiss-Film für den C-41-Prozess; das ist Unfug.
Maco nennt vor allem zwei Vorteile dieses Films gegenüber den Konkurrenzprodukten:
- Durch die fehlende Maske lassen sich die Negative im sw-Labor einfacher Vergrößern.
- Die Polyesterunterlage ist maßhaltig und archivfest.
Daneben wird der Film als hochempfindlich (bei 200 ASA!) und hochauflösend beworben und sei durch die fehlende Maske gut zum Scannen geeignet. Durch entsprechendes Filtern könne man zudem auch gute Farbvergrößerungen herstellen.
Das klingt für mich doch alles etwas bemüht:
- Unabhängig von gestalterischen Fragen: Da es kein panchromatisches sw-Photopapier mehr gibt, ist die Eignung fürs sw-Labor eine für mich uninteressante Eigenschaft. (Wer aus praktischen Gründen einen chromogenen sw-Film sucht, ist m.E. mit Ilfords XP2 Super bestens bedient.(2))
- Ich habe keine Probleme mit dem Scannen von maskierten Negativfilmen.
- Es gibt einige hervorragende und wirklich hochempfindliche Farbnegativfilme auf dem Markt.
Bleiben die Polyesterunterlage als Argument und eventuell bildwirksame Eigenschaften jenseits der technischen Parameter.
Also habe ich mir einige Rollen gekauft und den Film für mich getestet.
Meine Beobachtungen

Die Munsell-Farbtafel (X-Rite ColorChecker) als Negativ des Rollei Digibase CN200 Pro 135.
Photo © Martin Frech, Berlin
- Der Träger ist mitnichten klar, sondern grau. Ich habe eine Dichte (= log O) von D=0.4 gemessen.

Filmanfänge zweier Rollei Digibase CN200 Pro 135
Photo © Martin Frech, Berlin
- Die Polyesterunterlage wirkt als Lichtleiter. Legt man den Film nicht sehr lichtgeschützt in die Kamera ein, sind die ersten Bilder unbrauchbar. Den unteren der beiden oben abgebildeten Filme habe ich bei Sonnenschein im Körperschatten eingelegt, die ersten sechs Bilder sind vorbelichtet.

Parallel angefertigte Vergleichsaufnahmen auf Fujifilm Superia 100 und Rollei Digibase CN200 Pro 135.
Photo © Martin Frech, Berlin
Ich habe keinen Labortest durchgeführt, sondern den Film auf seine Alltagstauglichkeit für mich untersucht. Unter anderem habe ich zwei identische Kleinbild-Kameras nebeneinander montiert (mein Aufbau für Stereo-Aufnahmen) und unterschiedliche Motive gleichzeitig auf Fujifilms Fujicolor Superia 100 und Macos Rollei Digibase CN200 Pro belichtet (E.I. 100 bzw. 200 ASA; 2 x Nikkor 2.0/35mm). Weitere Aufnahmen habe ich mit dem AF Nikkor 1.8/85mm D sowie dem AF Nikkor 1.4/50mm D angefertigt.
- Den Rollei-Film konnte ich erwartungsgemäß problemlos scannen, ebenso wie den Fuji-Film.
Das ganz oben gezeigte Eingangsbild ist vom Rollei-Film. Unterschiede zum Fuji-Film werden vor allem an den Bildausschnitten deutlich.
Alle Scans für diesen Test habe ich mit dem Nikon Super Coolscan 4000 ED und dem Programm Nikon Scan 4 im Farbnegativ-Modus ohne ICE hergestellt (sofern nicht anders vermerkt). Die Detailbilder sind unbearbeitete 100%-Ausschnitte aus den 4000-dpi-Scans (unkomprimierte .png-Dateien).
alle Photos © Martin Frech, Berlin

Rollei Digibase CN200 Pro

Fujifilm Superia 100

Rollei Digibase CN200 Pro

Fujifilm Superia 100

Rollei Digibase CN200 Pro

Fujifilm Superia 100
Kompatibilität zur Infrarot-Staubentfernung (Digital ICE)

Rollei Digibase CN200 Pro, Scan ohne ICE
Digital ICE (Digital Image Correction and Enhancement) ist ein Korrekturverfahren, das durch einen dem eigentlichen Scan vorhergehenden Infrarot-Scan Staub und Kratzer auf der Filmoberfläche erkennt. Diese Defekte werden dann durch die Scansoftware aus dem eigentlichen Bild herausgerechnet. Dabei gehen jedoch im gesamten Bild Details verloren.
alle Photos © Martin Frech, Berlin

Rollei Digibase CN200 Pro, Scan ohne ICE

Rollei Digibase CN200 Pro, Scan mit ICE

Fujifilm Superia 100, Scan ohne ICE

Fujifilm Superia 100, Scan mit ICE
Fazit
- Der CN200 hat eine deutlich eigene Farbanmutung, die mich etwas an 70er-Jahre-Farbbilder erinnert. Im Gegensatz dazu wirkt der Superia eher neutral.
- Auffallend ist, dass es sich beim Rollei Digibase CN200 Pro um einen deutlich “körnigen” (farbklumpigen) Film handelt. Das passt zwar gut zu dessen Farbigkeit — der Maco-Werbezettel verspricht jedoch einen RMS-Wert von 7; das entspräche der Körnigkeit eines Fujifilm Astia 100F.(3) Das kann ich visuell nicht bestätigen.
- Der CN200 bildet die Farbklumpen sehr scharf ab, das gefaellt mir bei manchen Motiven durchaus.
- Durch das Digital-ICE-Korrekturverfahren gehen bei den Scans vom CN200 insgesamt mehr Details verloren als beim Superia 100 — ein für mich überraschender Befund. Liegt das eventuell an der rückseitigen Beschichtung, die Interferenzfarben entgegenwirken soll?
Wohlgemerkt: Der Rollei Digibase CN200 Pro wird nicht als Film zum Erzielen eines bestimmten “Retro-Looks” beworben, sondern als hochauflösender und feinkörniger Spitzenfilm zum Preis von über 8 Euro pro Rolle KB-Film angeboten. Diese Charakterisierung ist nach meiner Einschätzung übertrieben. Dennoch finde ich es gut, dass Maco diesen Film auf den Markt gebracht hat. Im Schwarzweiß-Segment haben wir ja auch die Bandbreite von sehr grobkörnig bis hin zum fast schon digital-glatt anmutenden Acros.
Für Bilder mit der spezifischen Anmutung des CN200, die wohl kein anderer zur Zeit erhältlicher Film vergleichbar produziert, ist er mir eine willkommene Ergänzung im photographischen Werkzeugkasten.
Sollte es sich beim Rollei Digibase CN200 Pro tatsächlich um einen aktuellen Luftbildfilm handeln, gibt es dazu vom Hersteller handfeste technische Informationen. Diese sollte Maco publizieren (vielleicht wurde aber auch nur ein lange vergessenes Kühlhaus geräumt).
Literatur
(1) Rollei Digibase (R) CN 200 Pro, Stand September 2007. Online verfügbar: http://www.maco-photo.de/files/images/ROLLEI_DigibaseCN200_dt.pdf (2008-02-26)
(2) Informationen zum XP2 sind online verfügbar: http://www.ilfordphoto.com/products/product.asp?n=11&t=Consumer+%26+Professional+Films (2008-02-27)
(3) zum RMS-Wert siehe meine entsprechende Notiz hier im Randgebiete-blog: http://medienfrech.wordpress.com/2006/08/19/nachfolger-fur-provia-400f/
Anhang: Weitere Beispielbilder vom Rollei Digibase CN200 Pro
wie oben jeweils unbearbeitete 100%-Ausschnitte von 4000-dpi-Scans;
alle Photos © Martin Frech, Berlin






Den Test-Vergleich eines 200 ISO Films mit einem 100 ISO Film, halte ich für sehr unseriös!
Bei einem Auto vergleiche ich auch nicht einen 6-Zylinder Motor mit einem 4-Zylinder Motor! Wenn schon, dann hätten Sie z.b. mit einem 200 ISO Superia o.ä. vergleichen müssen.
Der unterschwellige Satz mit dem “Kühlhaus” zeigt mir auch deutlich, aus welcher Richtung der Test stammt, bzw. was damit hintergründig bezweckt wird. Der Film ist ein aktueller AGFA-Gevaert AVIPAN Luftbildfilm, der derzeit von den Tornados der GAF am Hindukusch eingesetzt wird!
Also, ich hatte mit diesem Film im KB + RF noch keinerlei Beanstandungen, bis auf die C41 Entwicklung (Kalkflecken) bei Eurocolor, die jetzt aber auch aufgrund meiner Reklamation gute Ergebnisse liefern.
Wolf Rainer Schmalfuss – April 14, 2008:
“Der unterschwellige Satz mit dem “Kühlhaus” zeigt mir auch deutlich, aus welcher Richtung der Test stammt, bzw. was damit hintergründig bezweckt wird. Der Film ist ein aktueller AGFA-Gevaert AVIPAN Luftbildfilm, der derzeit von den Tornados der GAF am Hindukusch eingesetzt wird!”
Man findet diesen Film bei Agfa nicht (mehr).
http://www.google.de/search?hl=de&q=site%3Aagfa.com+avipan&meta=
http://www.agfa.com/en/sp/solutions/aerialphotography/color/index.jsp
Vielleicht doch Restbestände aus dem Kühlhaus?
[...] Im Februar habe ich für mich den Rollei Digibase CN 200 Pro (135-36) aus dem Hause Maco getestet un…(1) In den letzten Monaten wurde mein Text in den unterschiedlichsten Diskussionsforen zu diesem Thema zitiert und teilweise kontrovers beurteilt. Um einige für mich noch offene Fragen zu klären habe ich nun weitere Tests durchgeführt. Maco hat zwischenzeitlich den Preis für eine KB-Rolle etwa um die Hälfte gesenkt, im 5er-Pack kostet diese jetzt knapp vier Euro. Außerdem wurde das Info-pdf dahingehend überarbeitet, dass darin nicht mehr von einem monochromen sw-Film die Rede ist, sondern dieser korrekt als unmaskierter Farbnegativfilm bezeichnet wird.(2) [...]
Zum RMS-Wert: Um Negativ- und Umkehrfilme vergleichen zu können, muß der Wert der Negativfilme mit dem Faktor 2,5 multipliziert werden, womit der Scanfilm dann (gerundet) mit einem RMS-Wert von 18 auch durchaus einem Kodachrome 200 entspricht. An den Fujicolor F-II 400 oder den Kodacolor VR1000 reicht er freilich doch nicht ganz heran ;-)
Das Korn des Luftbildfilms macht sich schon bei 2700 dpi und einer diffusen Scannerlichtquelle (= Leuchtstoffröhre) deutlich bemerkbar.
[...] Rollei Digibase CN200 Pro (1) [...]
Try processing this as a B&W film rather than color. Meaning, develop it in B&W chemicals rather than c41, then compare it to some similar B&W films…
Why? But sounds interesting anyway.
Can you give me some starting points?
Examples?
[...] Rollei Digibase CN200 Pro (Feb. 2008, etwa 3.000 Aufrufe) [...]