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Martin Frech: Uferzonen (Ausstellung) 14. Mai 2013

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Fotoausstellung, schaelpic photokunstbar.
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Am vergangenen Sonntag haben wir im Rahmen des 10. Kölner Kultur­sonntags meine Ausstellung Transition II — Uferzonen mit einer Matinée in der schaelpic photokunstbar in Köln eröffnet.

Eroeffnung der Ausstellung "Uferzonen" von Martin Frech in der schaelpic photokunstbar Koeln, 12.05.2013
Impression von der Matinee (Foto: Theo Hilgers/AfM)

Da traditionell ich der schaelpic-Eröffnungsredner bin, gab es zu meiner eigenen Ausstellung leider keine Einführung. Als kurze Info möge daher mein folgender Pressetext dienen.

Orte jenseits des offiziellen Stadtraums sind wichtig für die kleinen Fluchten aus dem geregelten Alltag. Es sind begrenzte Freiräume, die man in jeder Stadt und auch auf den Dörfern findet. Kinder, Jugendliche und Erwachsenen nutzen sie gleichermaßen, jedoch zu unterschiedlichen Tageszeiten: zum Hundeausführen, um alleine zu sein, um die ersten Zigaretten zu rauchen, Feuerchen zu machen usw.

Martin Frech hat solche Orte am Teltowkanal in Berlin über zwei Jahre regel­mäßig aufgesucht und für seine Fotoserie präzise dokumentiert. Diese etwas versteckten Uferzonen sind angeeignete Räume — offiziell ist der Zutritt verboten, praktisch wird er jedoch toleriert.

aus Martin Frech: Uferzonen (2011/2012)
aus der Serie: Uferzonen (Marin Frech, 2011/2012)

Trampelpfade am Ufer des Kanals bilden das Motivrepertoire dieser Arbeit. Formal gleichen sich die Bilder: aus Augenhöhe leicht weitwinklig aufge­nommen, zeigen sie mittig Abschnitte eines Pfades, dazu den angeschnittenen Kanal und die bewachsene Uferböschung. Häufig ist der Pfad unterbrochen, entweder durch überwuchernde Vegetation oder durch konkrete Sperren. Gelegentlich aufscheinende Architekturfragmente verorten die Szenerie in einem urbanen Kontext. Personen sind nicht zu sehen, allgegenwärtig sind jedoch Spuren regelmäßigen Gebrauchs; Details deuten auf unterschiedliche Nutzergruppen hin.

Martin Frechs Bilder zeigen Ansichten einer Kulturlandschaft: Während die auf den ersten Blick unspektakulären Uferzonen Rückzugsorte einer urbanen Parallelwelt sind, dient der vor hundert Jahren angelegte Kanal weiterhin als Bundeswasserstraße.

Martin Frech lebt und arbeitet als freier Fotograf in Tübingen. Die Motive für seine Arbeiten findet er überwiegend in Berlin. (–> Portfolio Martin Frech)

Eroeffnung der Ausstellung "Uferzonen" von Martin Frech in der schaelpic photokunstbar Koeln, 12.05.2013
Impression von der Matinee (Foto: Theo Hilgers/AfM)

Transition I
Martin Frech: Uferzonen
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
13. Mai 2013 bis 26. Juli 2013
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)

Frank Doering: Der Weg am schwarzen Fluss 18. März 2013

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Am vergangenen Freitag haben wir mit einer Vernissage die Ausstellung Transition I. Der Weg am schwarzen Fluss mit Bildern von Frank Doering eröffnet. Noch bis zum 15. Mai 2013 sind die Fotografien in der schaelpic photokunstbar in Köln zu sehen.

Impression von der Vernissage; Foto: Andrea Otto/AfM
Impression von der Vernissage; Foto: Andrea Otto/AfM

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache gehalten, die ich hier dokumentiere.

Hinweise zu Frank Doerings Arbeit
Der Weg am schwarzen Fluss

© 2013 Martin Frech, randgebiete.de (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Wir bespielen diesen Projektraum im achten Jahr — zwölf Ausstellungen haben wir bislang gezeigt.

Dieses Jahr ist für uns das “Jahr des Weges”; unser diesjähriges Programm hat als Überschrift “Transition I bis III”; wir zeigen Landschaftsfotografie.

“Transition” steht für “Übergang” oder “Überleitung”, das englische “transition” bedeutet auch “Durchquerung”.

Für uns ist die Ambivalenz des Begriffs “Transition” interessant: zum einen kann man darunter den konkreten Weg von einem Ort zum anderen verstehen, zum anderen aber auch eine Zustandsänderung.

In den drei Ausstellungen werden wir drei fotografische Positionen präsentieren, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema “Weg” befassen.

Wir starten heute mit “Transition I” und zeigen Frank Doerings Fotos einer alten Handelsroute aus dem Himalaya.
Im Mai sehen Sie hier meine Bilder eines Uferwegs aus Berlin
und voraussichtlich im Oktober zeigen wir Tobias D. Kerns Annäherung an Martin Heideggers Feldweg.

Bilder und Texte zu unserem Projektraum und zu allen unseren Ausstellungen finden Sie auf unserer Website schaelpic.de.

Der Titel zu Frank Doerings Ausstellung, die wir heute eröffnen, lautet “Der Weg am Schwarzen Fluss”. Frank zeigt uns Landschaftsfotografien, die 2011 während einer Trekkingtour durch das ehemalige Königreich Mustang in Nepal entstanden sind.

Nepal liegt in Südasien, salopp gesagt eingeklemmt zwischen der VR China im Norden (konkret: dem Autonomen Gebiet Tibet) und Indien im Süden.
Das Land ist nicht halb so groß wie Deutschland und hat ungefähr 27 Mio. Einwohner. Nepal wird seit fünf Jahren formal demokratisch regiert, die Hauptstadt ist Kathmandu.

Im Norden und Osten Nepals liegt ein großer Teil des Himalaya-Gebirges, unter anderem der Mount Everest und sieben weitere der zehn höchsten Berge der Erde. Da wundert es mich nicht, dass Nepal das durchschnittlich höchstgelegene Land der Welt ist: Über 40 % des Landes liegen höher als 3000 m.

Der titelgebende Schwarze Fluss ist der Kali Gandaki, einer der großen Flüsse Nepals. (Schwarz erscheint der Fluss allerdings nur aufgrund von dunklen Ablagerungen, das Wasser ist wie üblich).

Das Quellgebiet des Kali Gandaki liegt in Nepal, im “Oberen Mustang”; das Wasser fließt über den Ganges in den Indischen Ozean.

Mustang ist ein Distrikt Nepals und liegt im Norden des Landes an Grenze zur VR China.
Die nördlichen Zweidrittel dieses Mustang sind das “Obere Mustang”. Dort war Frank unterwegs.

Franks Interesse am Buddhismus war ihm — neben seiner Faszination für diese Landschaft — ein wichtiger Antrieb für die Reise.
(Der Arbeitstitel für die Fotoserie lautete “Eine Annäherung an den Ursprung des tibetischen Buddhismus”.)

Der Buddhismus kommt aus Indien, Tibet liegt im heutigen China.
Nepal war bis 2006 das einzige Land der Welt, in dem der Hinduismus Staatsreligion war; 80 % der Nepalesen sind Hindus, nur 9 % gelten als Buddhisten.
Da habe ich mich in meiner Unkenntnis gefragt, warum man gerade nach Nepal geht, um dem Buddhismus nachzuspühren.

Nun, das liegt eben daran, dass Staatsgrenzen nur selten Kulturräume begrenzen; vor allem, wenn sich Kolonialmächte bei den Grenzziehungen eingemischt haben.

Das Gebiet war früher das unabhängige buddhistische Königreich (man liest auch: Fürstentum) Mustang.
Dieses Königreich wurde nach knapp 400 Jahren Unabhängigkeit im 18. Jh. vom angrenzenden Nepal annektiert. Nepal hieß damals noch Gorkha.
Mustang war auch zu Zeiten der Selbständigkeit sprachlich und kulturell immer an seinen großen Nachbarn Tibet gebunden.

Dieses Erbe wirkt nach. So wird das Gebiet “Lo” (= Süden) genannt, obwohl es im Norden Nepals liegt. Die Sprache der Lopa (das sind die Einwohner Mustangs) ist ein tibetischer Dialekt — noch immer ist die Kultur dort stark vom historischen Tibet geprägt. Auch der von den Lopa praktizierte Buddhismus entspricht im wesentlichen dem der Tibeter.

Das heutige Mustag wird denn auch dem südtibetischen Kulturraum zugeordnet, der an seinen südöstlichen Rändern über das festlandchinesische Staatsgebiet hinausreicht. Bhutan oder die indische Region Ladakh gehören beispielsweise auch dazu.

Doch zurück zu Franks Reise.

Mustang ist ein Schutzgebiet und kaum besiedelt, jedoch ein beliebtes Reiseziel für Trekkingtouristen und Bergsteiger aus aller Welt.
Das Gebiet war lange Zeit gesperrt, weil sich buddhistische Kämpfer im Tibet-Konflikt mit China dorthin zurückgezogen hatten.
Erst seit etwa 20 Jahren ist Mustang für Touristen zugänglich: Seit 1992 wird etwa 2000 Besuchern pro Jahr eine Einreisegenehmigung erteilt, die sich die Behörden teuer bezahlen lassen. (Nepal war 2010 übrigens auf Rang 146 von 178 des Korruptions-Index von Transparency Int.)

Frank hat an einer Trekkingtour in einer Gruppe von 14 Personen (plus Sherpas) teilgenommen; die Reise dauerte drei Wochen im November 2011. Das ist für diese Gegend die beste Reisezeit, es herrschen dann — zumindest tagsüber — angenehme Temperaturen und die Bergsicht ist klar.

Die Wanderung war ein Rundweg. Er begann in Jomsom auf etwa 2700 m Höhe, später wurden dann auf Pässen Höhen bis über 4000 m erreicht. Über Kagbeni ging es bis nach Lo Manthang — immer entlang am Westufer des des Kali Gandaki.

Lo Manthang wurde im 14. Jahrhundert gegründet. Es ist die ehemalige Hauptstadt des früheren Königreichs Mustang; alte buddhistische Klosteranlagen sind dort zu sehen. Heute leben dort etwa 1000 Menschen.

Lo Manthang war der Wendepunkt der Tour. Von dort ging es an der Ostseite des Flusses wieder zurück.

Das Tal des Kali Gandaki gilt als die tiefste Schlucht der Erde. Der Fluss fließt auf einer Höhe von 1.300 m–2.600 m — also etwa 6000 m tiefer als die höchsten Berge der Umgebung: Der Dhaulagiri und die Annapurna sind beides Achttausender.

In diesem Tal verlief über Jahrhunderte eine wichtige Handelsroute zwischen Tibet und Indien; vor allem Salz und Reis wurden hier transportiert.

Damit sind wir wieder bei unserem Jahresthema.

Franks Fotos stehen für eine konkrete Bedeutung des Begriffs “Weg”: Eine Verbindung zweier Orte, die genutzt wird, von einem Ort zum anderen zu gelangen.
Genauso wurde dieser Weg lange Zeit genutzt.

Für die Touristen hat dieser Weg jedoch nicht mehr diese Bedeutung. Der alte Weg existiert zwar weiterhin, die neuen Nutzer gehen auch noch die gleiche Strecke, jedoch nicht mehr den ganzen Weg — und aus vollkommen anderen Gründen.

Diesen Aspekt von “Weg” werde ich mit meinen Fotos eines Uferwegs genauer untersuchen, die Sie dann im Mai hier sehen können.

In Tobias’ Arbeit wird der Begriff des Weges weiter abstrahiert. In seinem Projekt dient der prinzipiell austauschbare konkrete Weg nur noch als Metapher.

Frank hat auf seiner Wanderung mit einer handlichen Mittelformatkamera schwarzweiß auf Film fotografiert — Sie sehen hier selengetonte Barytabzüge.
Die Prints existieren in begrenzter Auflage — Frank würde sich über Käufer freuen.

Mit Tobias hat Frank einen Unterstützer gefunden, der ihm die Negative nach allen Regeln seines Handwerks perfekt aufs Papier gebracht hat: schwarzweiße Landschaftsfotografie in der großen Tradition dieses Genres — genießen Sie diese wirklich schöne Ausstellung!

aus Frank Doerings Serie "Der Weg am schwarzen Fluss"
Foto: Frank Doering, Köln

Transition I
Frank Doering: Der Weg am schwarzen Fluss
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
18. März 2013 bis 15. Mai 2013
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)

Kris Heide: Lost in Reflection — Shanghai 21. November 2012

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Am vergangenen Freitag haben wir mit einer Vernissage die Ausstellung Lost in Reflection — Shanghai mit Bildern von Kris Heide eröffnet. Noch bis zum 18. Januar 2013 sind die Fotografien in der schaeplic photokunstbar in Köln zu sehen.
Die Ausstellung ist unser zweiter Beitrag zum Kölner Chinajahr 2012.

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache gehalten, die ich hier dokumentiere.


Martin Frech, Tobias Kern, Kris Heide (v. li.; Foto: Theo Hilgers/AfM)

Anmerkungen zu Kristina Heides Serien Lost in Reflection, Streetstructures und Mopology
© 2012 Martin Frech, randgebiete.de (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Wir bespielen diesen Projektraum im siebten Jahr — heute eröffnen wir unsere 12. Ausstellung. Zum Ausklang des Kölner Chinajahres ist dies unsere dritte Ausstellung mit einem direkten China-Bezug; 2009 hatten wir Guisi Fanellas Arbeit “Living in China” und diesen Sommer Tobias Vollmers Fotos zu urbanen Räumen in China.
Bilder und Texte zu unserem Projektraum und zu allen unseren Ausstellungen finden Sie auf unserer Website schaelpic.de.

Heute präsentieren wir Kristina Heides Foto-Arbeiten “Lost in Reflection”, “Streetstructures” und “Mopology”.

Kristina Heide hat in Bonn Kunstgeschichte studiert und dort 1993 einschlägig zu “Stilleben in der Malerei der Neuen Sachlichkeit” promoviert.
Seit einigen Jahren malt, zeichnet und fotografiert sie künstlerisch. Daneben arbeitet sie kulturvermittelnd: Unter dem Motto “Kunst ist Leben” zeigt sie seit 2009 regelmäßig Ausstellungen in ihrem Kunstraum M2O in Tübingen.

Kristina Heide hat sich vor zwei Jahren sechs Monate lang in Shanghai aufgehalten.
Shanghai ist neben Peking und Guangzhou die derzeit dritte Megastadt Chinas, sie hat mehr als 10 Mio. Einwohner. Der Großraum Shanghai gilt sogar als werdende Hyperstadt, also als ein Gebilde mit über 20 Mio. Einwohnern, das noch deutlich größer und komplexer ist als die Megastadt.

Kristina Heide hat sich dieser Stadt ausgesetzt, sie hat sich auf die Stadt eingelassen. Bemerkenswert dabei ist, dass die Künstlerin weder chinesisch spricht noch die Schrift lesen kann.
Diese Setzung war wie ein künstlerisches Selbst-Experiment. Die Ergebnisse haben die durchaus auslandserfahrene Kristina Heide selbst überrascht.

Ihre Sprachlosigkeit und die sehr eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten hat sie deutlich als Verlust empfunden.
Umso überraschender war für sie die Beobachtung, wie sich dadurch ihre Sinne schärften.

Die Künstlerin nutzte außersprachliche Ressourcen, um die ihr in vielerlei Hinsicht fremde Kultur wahrzunehmen. Heides künstlerischer Produktivität war es von Nutzen: ihre stark gesteigerte visuelle Wahrnehmungsfähigkeit wurde zur Basis für ihre Arbeit vor Ort.

Neben den bei uns ausgestellten Fotografien entstanden Zeichnungen, die demnächst unter dem Titel “Shanghai Faces” in Reutlingen zu sehen sein werden.

Eine wichtige Entdeckung war für Kristina Heide ein historisches Gebäude im Bezirk Hongkou: der ehemalige Schlachthof von Shanghai.
Heute heißt das Gebäude “Shanghai 1933″. Es wurde zu einem künstlerischen Kristallisationspunkt.

Ich muss dieses Gebäude hier kurz beschreiben — um zu verdeutlichen, warum gerade dieses Bauwerk so gut zu Kristina Heides damaliger Gefühlslage passte.

Der Schlachthof wurde vor etwa hundert Jahren von britischen Architekten geplant und komplett mit britischem Beton errichtet. 1933 wurde er als einer der größten Schlachthöfe dieser Zeit in Betrieb genommen. Er wurde etwa 30 Jahre lang genutzt; später diente das Gebäude verschiedenen anderen Zwecken. Ab 2006 wurde es im Rahmen der Stadtentwicklung renoviert. Es soll sich zu einem Luxus-Kaufhaus entwickeln; einige wenige Läden, Cafés und Restaurants, aber auch der Club der Ferrari-Besitzer sind schon eingezogen.

Das Gebäude ist angelegt als Zentralbau, das heißt, die Hauptachsen des Grundrisses sind ungefähr gleich lang. Häufig sind die Grundrisse von Zentralbauten rund oder kreuzförmig, hier ist er quadratisch. Schon die Anlage des Schlachthofs als Zentralbau ist bemerkenswert, da man dieses Prinzip sonst hauptsächlich bei Sakralbauten findet (z.B. Felsendom/Jerusalem, Pantheon/Rom, Pfalzkapelle/Aachen, Frauenkirche/Dresden oder St. Gereon hier in Köln). Aber auch Gefängnisse und der Plenarsaal in Düsseldorf sind Beispiele für Zentralbauten.

“Shanghai 1933″ ist fünf Stockwerke hoch und wird von über 300 freistehenden Säulen getragen. (Über die Geschoßhöhen und die Ausmaße des Gebäudes konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen.)
Der eigentliche Schlachtbereich ist 24-eckig, gebaut als ein dreistöckiges zentrales Atrium. Darum gruppieren sich vier äußere Bereiche.
Spannend ist, wie der innere Schlachtbereich erschlossen ist: Als Zugänge gibt es eine Vielzahl von ineinandergreifenden Wendeltreppen, Rampen und Brücken — jeweils verschieden breit und in unterschiedlichen Winkeln geneigt.

Das ist keine architektonische Spinnerei, sondern folgt ganz logisch den Arbeitsabläufen im Schlachthaus. Es ging u.a. darum, die Ströme der Tiermassen zu regeln, die Tiere zu separieren und für die Arbeiter Fluchtwege im Falle einer Tierpanik zu haben.

Funktionslos geworden und weitgehend leer, erscheint das Gebäude heute dagegen labyrinthisch, wie ein Irrgarten mit Art-deco-Fassade.
Die Kunsthistorikerin Heide erinnerte das Gebäude an die Kerker-Visionen von Giambattista Piranesi aus dem 18. Jahrhundert oder auch an die jüngeren Werke von Maurits Cornelis Escher. Sie empfand es als steingewordene Wirklichkeit einer jener Architekturphantasien — eine Situation irgendwo zwischen Traum und Realität. Für sie wurde “Shanghai 1933″ zum Symbol für ihre Desorientierung, ihre Einsamkeit und ihre Sprachlosigkeit.

In dieser Situation entstand die Arbeit “Lost in Reflection”.
“Reflection” bezieht sich hier sowohl auf die Spiegelungen, aber auch auf das Nachdenken über die Situation. Der mehrdeutige Titel verweist nicht zufällig auf Sofia Coppolas Film “Lost in Translation”, der ein vergleichbares Thema verhandelt.

Heides Werk besteht aus zwei Teilen: Einem Tableau aus sechs großen Einzelfotos und aus einer Diaprojektion.
Auf den Fotos sind Menschen als Silhouetten und Reflexionen in großen Fenstern zu sehen.
Die Dias dagegen zeigen Architekturdetails aus dem Schlachthof-Gebäude. Im Fluß der Projektion visualisiert die Arbeit vordergründig das Verlorensein und die Orientierungslosigkeit in dem Gebäude. Symbolhaft steht die Arbeit damit für die Annäherung an das Fremde und die entsprechenden Schwierigkeiten.

Neben der Sprache ist das Thema der zwischenmenschlichen Distanz unter Fremden beim Erleben anderer Kulturen wichtig. Für Kristina Heide war der Umgang mit körperlicher Nähe in der Öffentlichkeit ungewohnt und teilweise verstörend. Dazu kam die Erfahrung, dass dort einfach viel mehr Menschen auf den Straßen unterwegs sind, als bei uns. Mit ihrer kleinen Serie “Streetstructures” nimmt Kristina Heide Bezug auf ihre entsprechenden Erfahrungen.

Ganz anders die Serie “Mopology”. Sie ist in ihrem dokumentarischen Stil ein Gegenpol zu den anderen, eher abstrakten Arbeiten. Der Titel deutet es an: Kristina Heide zeigt uns Stilleben mit chinesischen Wischmopps. Die Serie ist eine Zusammenstellung schnell fotografierter humorvoller Alltagsbeobachtungen, entstanden während Spaziergängen in verschiedenen chinesischen Städten.

Im öffentlichen Raum Chinas ist der Feudel offenbar allgegenwärtig. Ob im Hinterhof, an eleganten Straßen oder beim Tempel — der Mopp wird gezeigt. Es sind ja auch individuelle Stücke, oft in Heimarbeit hergestellt. Jedenfalls sehr verschieden von unserer industriellen Mikrofaser-Massenware.

Oder abschließend mit den Worten der Künstlerin: “Er kommt als ausgeprägtes Individuum mit eigener Geschichte daher oder es formieren sich sogar kleine Gruppen, wie im Gespräch. Er ist kein Gerät, sondern vielmehr eine Art Persönlichkeit mit Eigenleben, die seinen Besitzer spiegelt.”


Impression von der Vernissage (Foto: Theo Hilgers/AfM)


Impression von der Vernissage (Foto: Theo Hilgers/AfM)

Kris Heide: Lost in Reflection — Shanghai
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
19. November 2012 bis 18. Januar 2013
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)

Tobias D. Kern: Stigmata 24. September 2012

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Am vergangenen Freitag haben wir mit einer Vernissage die Ausstellung Stigmata mit Bildern von Tobias D. Kern eröffnet. Noch bis zum 31. Oktober 2012 ist die hintergründig betitelte Serie handvergrößerter Schwarzweiß-Bilder in der schaeplic photokunstbar in Köln zu sehen.
Die Ausstellung ist unser Beitrag zur 21. Internationalen Photoszene Köln.

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache gehalten, die ich hier dokumentiere.

Anmerkungen zu Tobias D. Kerns Serie Stigmata
© 2012 Martin Frech, randgebiete.de (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Der durchschnittliche deutsche Großstadtbewohner geht etwa zweimal im Jahr im Wald spazieren. Das ergab eine Umfrage von 1990. Ob sich das Waldverhalten des Großstädters in den letzten 20 Jahren gewandelt hat, weiß ich leider nicht.

Tobias D. Kern war jedoch ganz sicher öfters im Wald — und hat bei seinen Spaziergängen die Motive für seine hier gezeigte Fotoserie gefunden.

Er hat Baumzeichen gesammelt: Jene aufgesprühten Markierungen, die Förster als Hinweise für die Waldarbeiter an den Bäumen anbringen. Wir Freizeit-Waldnutzer wissen nicht genau, was diese Zeichen bedeuten. Aber klar ist: Die signalfarbig grell markierten Bäume sind nicht nur einfach gekennzeichnet — sie sind stigmatisiert.

Bäume sind Lebewesen; aber auch Rohstoff im systematisch optimierten Nutzwald. Sind Bäume unsere Sklaven? Können wir die Baumzeichen vergleichen mit den Stigmata der altrömischen Sklaven, also den Verletzungen, mit denen diese als Strafe für schwere Verbrechen gebrandmarkt wurden?

Jedenfalls sind die stigmatisierten Bäume selektiert. Die Zeichen bestimmen, welche Bäume gefällt werden und welche stehen bleiben; sie markieren aber auch Wege für die schweren Fahrzeuge der Waldarbeiter oder sie informieren über Schädlingsbefall.

Tobias D. Kerns Bilder gehen jedoch deutlich über das Dokumentarische hinaus.
Das Erleben der Baumzeichen in der Einsamkeit seiner Waldbesuche hat bei ihm eine romantische Saite zum Schwingen gebracht. Fast scheint es, als hätten die vordergründig zu rein praktischen Zwecken angebrachten Markierungen bei ihm Erinnerungen aus unserem kollektiven Unterbewusstsein hervorgerufen. Erinnerungen an unsere traditionellen Mythen und Sagen.

Kerns Bilder sprechen etwas an, was häufig als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben wird. Die Deutschen sind ja das Waldvolk par excellence — das behaupten jedenfalls Volkskundler, die mit diesem Thema befasst sind.
Interessanterweise hat das jedoch nichts damit zu tun, dass wir etwa besonders häufig im Wald wären, oder den Wald besonders intensiv nutzen würden.
Auch sind die allgemeinen Kenntnisse über den Wald wohl eher gering — das legen jedenfalls entsprechende Umfragen nahe. Meine kritische Selbstdiagnose bestätigt diesen Befund.

Unsere diagnostizierte Waldbegeisterung ist also vielmehr eine Kopfsache — eine kulturelle Prägung, die dem Wald die Rolle einer Kulisse zuweist. Der einzelne Baum oder andere Wald-Details sind uns dabei nicht so wichtig.

Erfunden wurde dieser Wald-Mythos vor gerade einmal 200 Jahren; in der Zeit der Romantik.
Damals verloren die Intellektuellen das Interesse an den klassischen Vorbildern aus der Antike. Sie interessierten sich verstärkt für ihre eigene Kultur: Märchen, Volkslieder und mittelalterliche Sagen kamen wieder in Mode.

Die Romantik war eine Gegenbewegung zur Aufklärung und zum Klassizismus.
Gegen Vernunft und Rationalismus wurden Gefühl, Individualität und die Bedeutung von Empfindungen in Stellung gebracht.
Die symbolischen Orte dieser Zeit finden sich vor allem im Wald. Sie kennen das beispielsweise aus den Bildern von Caspar David Friedrich: Felsen und Wälder im Nebel, Klosterruinen usw.

Im Grimm, dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm (beide waren übrigens ausgewiesene Romantiker), ist das so zusammengefasst:
“Besonders waren die Romantiker für die Reize und die Poesie des Waldes empfänglich und haben allen Stimmungen, die der Wald im deutschen Gemüt hervorruft, Ausdruck gegeben; von den Pflanzennamen abgesehen, tritt die große Masse der Zusammensetzungen mit Wald- und Waldes- erst in der romantischen Dichtung auf.”

Die romantische Wald-Begeisterung war ein urban-elitäres Phänomen: die solchermaßen ergriffenen Intellektuellen — die Schriftsteller, Maler und Komponisten jener Zeit — lebten durchweg in den Städten. Einige wenige Beispiele: Caspar David Friedrich: Greifswald und Dresden; Ludwig Richter: Dresden; Johannes Brahms: Hamburg, Detmold, Wien; Richard Wagner: Leipzig, Dresden, Zürich, Bayreuth; Franz Schubert: Wien; E. T. A. Hoffmann: Königsberg, Berlin; die Brüder Grimm: Kassel, Göttingen, Berlin; Wilhelm Hauff: Stuttgart; Ludwig Tieck: Berlin.

Die “Waldeinsamkeit” (ein Schlagwort der Zeit), von der die Romantiker schwärmten, war für die meisten Bauern vor 200 Jahren nichts erholsames oder gar heimeliges. Der Wald war für sie eher ein unwirtlicher Ort, wo wilde Tiere und böse Geister zu Hause waren, wo sich der Mensch aber nicht gerne aufhielt.
Für die waldnah lebenden Dorfbewohner war der Wald ein Nutzungsraum: ein Ort zur Holzbeschaffung, zur Imkerei, zum Beerensammeln usw.

Und hier sind wir wieder bei Kerns Bildern, die uns ja vordergründig genau über die Waldnutzung informieren.

Tobias D. Kern hat bei der Ausarbeitung seiner traditionell auf Film aufgenommenen Bilder in der Dunkelkammer zwar Akzente gesetzt hinsichtlich der Hell-Dunkel-Kontraste. Dennoch sind seine Bilder offen gestaltet und verweigern eine eindeutige Aussage.

Lassen wir uns ein auf ein intensives Betrachten, werden wir daher belohnt mit einem beinahe meditativen Erlebnis; vielleicht sogar mit dem Antrieb, mal wieder selbst den Wald zu besuchen.


Impression von der Vernissage (Foto: Andrea Otto/AfM)

Tobias D. Kern: Stigmata
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
22. September bis 31. Oktober 2012
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)

China-Ausstellung in der schaelpic photokunstbar eröffnet (Juni 2012) 27. Juni 2012

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Kürzlich haben wir mit einer Vernissage die Ausstellung Vertrautes im Fremden entdecken — urbane Räume in China mit Bildern von Tobias Vollmer eröffnet. Noch bis zum 31. August zeigen wir in der schaeplic photokunstbar in Köln großformatige Ansichten von fünf der über 40 Millionenstädte Chinas. Die Ausstellung ist unser Beitrag zum Kölner Chinajahr.

Impression von der Vernissage (Foto: Andrea Otto/AfM)
Impression von der Vernissage (Foto: Andrea Otto/AfM)

China ist ein Riesenthema, dem auch wir uns nicht entziehen wollen. Vor drei Jahren hatten wir hier Giusi Fanellas Ausstellung “Living in China” mit großformatigen schwarzweißen Straßenfotos aus Hangzhou. Heute zeigen wir die dazu formal sehr verschiedenen Bilder von Tobias Vollmer und zum Ausklang des Kölner Chinajahres stehen bei uns im November nocheinmal Photos aus diesem Land auf dem Programm, dann mit eher abstrakten Motiven aus Shanghai.

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache vorbereitet, die ich hier dokumentiere.

Anmerkungen zu Tobias Vollmers Serie “China Construction”
© 2012 Martin Frech, randgebiete.de (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Tobias Vollmer zeigt uns mit seiner Serie “China Construction” gebaute Architektur, meist Übersichtsaufnahmen von Stadtlandschaften.

Der Serientitel verortet Vollmers Bilder in China. Das ist hilfreich, da seine Motive kaum ortsspezifische Hinweise liefern. So sieht zeitgenössischer Massen-Siedlungsbau eben aus in einer globalisierten Welt.
Die genauere Betrachtung belohnt mich jedoch mit asiatisch anmutenden Baudetails und Werbetafeln mit fremden Schriftzeichen. Kenner werden zudem einzelne Landschaften wiedererkennen, beispielsweise die tropisch-grünen Hügel in Hong-Kong.

In der VR China leben mehr als 1,3 Mrd. Menschen und damit ungefähr 18% der Weltbevölkerung.

China besitzt mit Shanghai, Peking und Guangzhou drei Megastädte mit mehr als 10 Mio. Einwohnern. Dazu kommen etwa vierzig werdende Megastädte mit 2 bis 10 Mio. Einwohnern.
Zum Vergleich: In Europa finden wir gerade einmal 32 Millionenstädte, neun davon haben mehr als 2 Mio. Einwohner und nur Moskau gilt gerade so als Megastadt.

1970 lebten etwa 18% der Chinesen in Städten, heute sind etwa die Hälfte der Bevölkerung Stadtbewohner.
In einem Zeitraum von 40 Jahren mussten also Wohnungen für 500 Mio. Menschen gebaut werden – eine enorme Baumasse.

Zunehmend entstehen in China sog. Hyperstädte mit über 20 Mio. Einwohnern, etwa um Shanghai oder Chongqing. Das sind Gebilde, die Megastädte hinsichtlich Größe und Komplexität noch deutlich übertreffen. Eine Entsprechung bei uns ist die Metropolregion Rhein-Ruhr, freilich nur mit knapp 12 Millionen Einwohnern.

Ich war noch nicht in China. Dennoch ruft das Betrachten von Tobias Vollmers Fotos bei mir ein Deja-vu-Gefühl auf. Ich weiß, dass ich Bilder aus einem Land sehe, das ich nicht kenne – aber ich entdecke etwas Vertrautes im eigentlich fremden. Denn im Prinzip kenne ich solche Bilder. Ich habe sie gesehen in den USA, in Südamerika und auch in Europa. Die fragil wirkenden Gerüste der Baustellen erinnern mich an Ecuador, das gemauerte Flussufer samt Promenade weckt Assoziationen ans Frankfurter Mainufer und sechsspurige Straßen sind auch kein originär chinesisches Thema.
Das ist eine Stärke dieser Serie: Tobias Vollmer relativiert gängige China-Klischees. Vielmehr visualisiert er mit seinen Fotos einen Aspekt der Globalisierung.

Sein panoramatischer Blick sucht die Übersicht. Er zeigt mir eine Seite des Landes, die meinem Klischee widerspricht: großzügig angelegte urbane Räume, immer wieder blitzt Natur auf.
Keine Spur von Großstadt-Hektik. Wenn Menschen zu sehen sind, wirken diese eher wie Flaneure oder wir sehen sie entspannt am Wasser sitzen. Ebenso weisen uns die Sportplätze, Schwimmbäder und Dachgärten darauf hin, dass das Leben in Megacities nicht zwangsläufig mit einem Verzicht auf Lebensqualität einhergehen muss.

Tobias Vollmer (li., Foto: Andrea Otto/AfM)
Tobias Vollmer (li., Foto: Andrea Otto/AfM)

Vertrautes im Fremden entdecken — urbane Räume in China
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
18. Juni bis 31. August 2012
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)

Cosplay-Ausstellung in der schaelpic photokunstbar eröffnet (Feb. 2012) 4. Februar 2012

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Gestern haben wir mit einer Vernissage die Ausstellung Cosplay — Das Spiel mit dem Wunsch-Charakter eröffnet. Noch bis zum 13. April zeigen wir in der schaeplic photokunstbar in Köln Porträts von Cosplayern, die Jürgen H. Krause in den Jahren 2008 bis 2010 bei jährlichen Szene-Treffs in Bonn aufgenommen hat.

Impression von der Vernissage (Foto: Andrea Otto/AfM)
Impression von der Vernissage (Foto: Andrea Otto/AfM)

Cosplayer stellen Comic- oder Film-Figuren möglichst überzeugend dar. Die Kostüme und das Zubehör — z.B. Modelle von Waffen oder Fahrzeugen — werden mit großem Aufwand selbst angefertigt. Cosplayer entwerfen ihre Kreationen nicht für das private Vergnügen, sondern suchen die Szene-Öffentlichkeit auf entsprechenden Großveranstaltungen.

Als das ursprünglich japanische Hobby in den 1990er-Jahren aufkam, belebten die Cosplayer Figuren aus Mangas und Manga-Animationsfilmen (Anime). Inzwischen wird das wohl nicht mehr so eng gesehen — man sieht auch Charaktere aus Computerspielen und Nicht-Manga-Filmen.

Ich rede über Mangas (Foto: Andrea Otto/AfM)
Ich rede über Mangas (Foto: Andrea Otto/AfM)

Die Basis des Cosplay sind jedoch Mangas. Daher habe ich zur Einführung einen reich bebilderten Abriss gegeben über die Geschichte der Mangas, über die verschiedenen Stile und Ausprägungen der Mangas sowie über den Einfluss der Mangas auf westliche Comics und die Populär-Kultur überhaupt.

Impression von der Vernissage (Foto: Andrea Otto/AfM)
Impression von der Vernissage (Foto: Andrea Otto/AfM)

Unsere Veranstaltung war erfreulich gut besucht und Jürgen H. Krauses Bilder fanden eine positive Resonanz. Insgesamt ein schöner Abend rechtsrheinisch und mal wieder eine Bestätigung, dass wir mit unserer schaelpic photokunstbar auf der richtigen Seite sind.

Die Macher: Tobias D. Kern, Frank Günther, Jürgen H. Krause, Frank Doering, Martin Frech (v. li., Foto: Andrea Otto/AfM)
Die Macher: Tobias D. Kern, Frank Günther, Jürgen H. Krause, Frank Doering, Martin Frech (v. li., Foto: Andrea Otto/AfM)

Cosplay — Das Spiel mit dem Wunsch-Charakter
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
6. Februar bis 13. April 2012
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)

Cosplay — Das Spiel mit dem Wunsch-Charakter 3. Januar 2012

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Die schaelpic photokunstbar in Köln-Mülheim zeigt Arbeiten des Kölner Fotografen Jürgen H. Krause. Seine Serie “Cosplayer” entstand 2008 bis 2010 am Rheinufer in Bonn während der dort jährlich stattfindenden Cosplay-Wettbewerbe.

Die Vernissage ist am 3. Februar 2012 ab 18:30 Uhr. In der Ausstellung wird die Fotoserie erstmals öffentlich gezeigt und ist bis zum 13. April 2012 in der schaelpic photokunstbar zu sehen.

Jürgen H. Krause: aus der Serie "Cosplayer"
© Jürgen H. Krause: aus der Serie “Cosplayer”

Mit dem Boom der japanischen Comics (Mangas) und Animationsfilme (Anime) wurde das ursprünglich japanische Hobby Cosplay (kurz für Costume Play) in den 1990er-Jahren auch hierzulande populär.
Ein Cosplayer stellt eine Comic- oder Film-Figur möglichst überzeugend dar. Die Kostüme und das Zubehör – z.B. Modelle von Waffen oder Fahrzeugen – werden mit großem Aufwand selbst angefertigt.
Cosplayer entwerfen ihre Kreationen nicht für das private Vergnügen, sondern suchen die Szene-Öffentlichkeit auf entsprechenden Großveranstaltungen.

Der Fotograf Jürgen H. Krause ist selbst kein Cosplayer. Mit seinen großformatig aufgenommenen Porträts will er den Menschen hinter den Masken näher kommen. Er zeigt sich fasziniert von der Intensität, mit der die Cosplayer “ihre” Figur verkörpern und die Gemeinschaft anderer Cosplayer suchen.

Jürgen H. Krause: aus der Serie "Cosplayer"
© Jürgen H. Krause: aus der Serie “Cosplayer”

Jürgen H. Krause, Jahrgang 1964, lebt und arbeitet als freier Fotograf in Köln.
Die schaelpic photokunstbar ist ein gemeinsames Projekt des Atelier für Mediengestaltung in Köln und randgebiete.de. Seit 2006 werden dort regelmäßig fotografische Positionen zum Leit-Thema Aspekte des Urbanen präsentiert.

Bei der Ausstellungseröffnung am Freitag, den 3. Februar 2012 wird Jürgen H. Krause anwesend sein.

Cosplay — Das Spiel mit dem Wunsch-Charakter
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
6. Februar bis 13. April 2012
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)
Eröffnung der Ausstellung am Freitag, 3. Februar 2012 ab 18.30 Uhr

schaelpic photokunstbar wird Eins 15. September 2011

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Die schaelpic photokunstbar in Köln (www.schaelpic.de) wird dieser Tage ein Jahr alt.

Ein Geburtstagsstrauss für die schaelpic photokunstbar

Im September 2010 eröffneten wir mit der Ausstellung Eine Allegorie des Urbanen im Rahmen der 20. Internationalen Photoszene Köln. Die aktuelle Ausstellung Lecken am Glas ist noch bis zum 30. September zu sehen.

Blick in die Ausstellung "Lecken am Glas" (Foto: Tobias D. Kern)
Blick in die Ausstellung "Lecken am Glas" (Foto: Tobias D. Kern)

Die schaelpic photokunstbar ist ein gemeinsames Projekt von randgebiete.de und dem Atelier für Mediengestaltung. Treibende Kräfte sind die Photographen Tobias D. Kern (Köln) und Martin Frech (Berlin/Tübingen). Sie präsentieren regelmäßig photographische Positionen zu ihrem Leit-Thema Aspekte des Urbanen. Die Kataloge erscheinen in der Edition randgebiete.de.
Diese Initiative ist die Fortsetzung der seit 2006 laufenden Ausstellungsaktivitäten am selben Ort. Das Archiv und Hinweise auf laufende Projekte finden Sie unter www.schaelpic.de.

Michael Westmoreland, Jook Leung u.a.: 360 Grad 26. September 2006

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360 Grad
Anmerkungen zur Ausstellung in Köln
© Martin Frech, randgebiete.de, 2006 (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Guten Abend!

Die Ausstellung, die wir heute abend eröffnen, ist etwas besonderes.
Sie zeigt Panoramabilder, also Arbeiten aus einem Randgebiet der Photographie.

Nun ist die Panoramaphotographie kein eigenes Genre, sondern eine Aufnahmetechnik, unabhängig vom Motiv.
Dennoch … die breiten Bilder haben eine besondere Anmutung, schon auf Grund ihres ungewohnten Formats.

Technisch kann man vier prinzipiell verschiedene Methoden unterscheiden, Panoramen aufzunehmen.
Nicht jede davon eignet sich gleichermaßen für jedes Motiv. Umgekehrt kann man die vom Bildautor jeweils verwendete Technik den Photographien meist ansehen. Sie werden das an den hier gezeigten Arbeiten erkennen können.

Die vier Typen von Panoramakameras sind Weitwinkelkameras, Schwinglinsenkameras, Rotationskameras und irgendwelche Kameras in Kombination mit Computerprogrammen, die Einzelbilder zu langen Bildern zusammensetzen.

Prinzipiell können Sie jedes Bild in ein Panoramabild verwandeln, indem Sie es an der langen Seite entsprechend zuschneiden.
Nach diesem Prinzip funktionieren die kompakten “Panorama”-Kameras oder der P-Modus bei den APS-Kameras.

Nach dem selben Prinzip funktionieren auch die sog. echten Panoramakameras, die beispielsweise ein 17 cm langes Stück Rollfilm belichten. Das ist auch nichts anderes als einen 5×7 Inches großen Planfilm zu beschneiden. Der einzige Unterschied ist tatsächlich der sinnvolle Vergößerungsfaktor, und möglicherweise die Qualität der Objektive.

Das Kennzeichen dieses Kameratyps ist, dass während der Belichtung weder die Kamera noch das Objektiv bewegt werden. Der Aufnahmewinkel ist auf etwa 100° begrenzt.

Der zweite Panoramakameratyp ist die Schwinglinsenkamera.
Wie der Name es beschreibt, bewegt sich hier das Objektiv während der Aufnahme — und zwar kreisförmig. Hinter dem Objektiv befindet sich ein Schlitz, durch den der Film belichtet wird. Dabei liegt der Film in der Kamera nicht plan, sondern gebogen.
Das führt zu Verzerrungen: gerade Linien im Motiv werden gebogen abgebildet.
Der Aufnahmewinkel beträgt bei Schwinglinsenkameras bis zu 150°.

Schwinglinsenkameras gibt es, seit photographiert wird. Das erste entsprechende Patent wurde schon 1843 vergeben.

Viele der hier gezeigten Arbeiten aus dem Fundus der Agentur Panoramic Images sind nach dem Prinzip “beschnittene Weitwinkelaufnahme” oder mit Schwinglinsenkameras entstanden. Als Panoramen definiert die Agentur Bilder ab einem Seitenverhältnis von 2:1.

Die Agentur Panoramic Images mit Sitz in Evanston/Illinois wurde 1987 gegründet und vertritt etwa 150 Photographen weltweit. 75% der Agenturkunden kommen aus der Werbebranche, die Motivauswahl ist auf diese Zielgruppe zugeschnitten.

Rotationskameras sind der dritte Panoramakamera-Typ.
Bei diesen Kameras bewegen sich während der Aufnahme sowohl das Kameragehäuse als auch der Film in der Kamera.
Belichtet wird, wie bei den Rotationskameras, durch einen schmalen Spalt.
Dieses Konstruktionsprinzip ermöglicht prinzipiell beliebige Bildwinkel, auch größer als 360° — begrenzt nur durch die Filmlänge.

Auch dieser Kameratyp hat in der Geschichte der Photographie eine lange Tradition.
Während Schwinglinsenkameras schon mit gebogenen Daguerreotypie-Platten funktionierten — das Aufnahmematerial musste ja nicht bewegt werden –, ist für das Prinzip der Rotationskameras flexibler Rollfilm eine Voraussetzung.
Den gab es ab etwa 1870 und bald darauf auch diese Art von Panoramakameras.

Den englischen Künstler Michael Westmoreland interessieren in seiner Arbeit die Horizonte und Skylines.
Rückblickend betrachtet Motive, für die sich die Panoramaphotographie als Technik geradezu aufdrängt.
Michael Westmoreland nutzte ab etwa 1970 historische Cirkut-Rotationskameras, die im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von der Firma Kodak gebaut wurden.
In den USA sind die großformatigen Cirkut-Kameras von Panoramaphotographen vergleichsweise häufig genutzte Werkzeuge — diese arbeiten jedoch überwiegend mit Schwarzweiß-Material.
In Europa dagegen sind Cirkut-Kameras eher unbekannt, noch — unserer Ausstellung wird das sicher ändern.

Michael Westmoreland wollte farbige Aufnahmen machen und wurde so zum Pionier, als er in England daran arbeitete, mit Cirkut-Kameras auf Farbfilm zu photographieren.
Das hat — jedenfalls in Europa — niemand zuvor gemacht.
Details zu seiner Technik können sie nachlesen im hier ausliegenden Faltblatt.

Sich diese Technik anzueignen, war für Michael Westmoreland ein steiniger, jedoch erfolgreicher Weg.
Michael Westmoreland ist ein anerkannter Meister der Panoramaphotographie und ich freue mich ganz besonders darüber, dass er heute unser Gast ist und wir seine Arbeiten erstmals in Deutschland zeigen dürfen.

Die letzte und jüngste Technik, Panoramen herzustellen, besteht darin, einzelne Aufnahmen mithilfe geeigneter Computerprogramme zu einem langen Bild zusammenzufügen; das sog. Stitchen.
Populär wurde diese Methode, als die Firma Apple 1992 das erste entsprechende Stitching-Programm auf den Markt brachte.
Gleichzeitig wurde die Photographie mit QuickTime-VR um ein neues Präsentationsmedium ergänzt: interaktive Panoramen.

Wirklich aufregend wurde das, als einige Jahre später sphärische Panoramen möglich wurden, also Bilder, die den kompletten Raum abbilden.

Jook Leung, der viele Jahre als Photograph in einem New Yorker Studio gearbeitet hat, beschäftigt sich seit etwa zehn Jahren sehr erfolgreich mit gestitchten und interaktiven Panoramen.
Seine Erfahrungen mit klassischem Photo-Composing — aus der Zeit vor Photoshop — kommen ihm dabei sicher zugute.
Er ist — ohne Zweifel — ein Meister dieses Genres, zahlreiche Auszeichnungen bestätigen das.

Jook Leungs selbst gestellte Herausforderung sind DIE 240° Bildwinkel, die die meisten Photographen ausblenden.
(Auch Michael Westmoreland hat selten ein Motiv gefunden, das ihm eine komplette Drehung Wert war.)

Innovative Bildideen, photojournalistische Arbeiten jenseits traditioneller Sichtweisen, Geschichten in 360°, live-Szenen in einem unbewegten Bild.
Jook Leung ist ein Impulsgeber und setzt mit seinen Bildern Meilensteine in dieser noch jungen Kunstform des 21. Jahrhunderts.

Wir sehen hier eine wunderbare Ausstellung, die einen großen Bogen spannt, indem sie exemplarisch die Bandbreite der Panoramaphotographie verdeutlicht.

Vielen Dank an Michael Westmoreland und Jook Leung für ihr Engagement und ihre Unterstützung unserer Ausstellung.

Vielen Dank auch an das Team vom Atelier für Mediengestaltung: Frank, Frank und vor allem Tobias haben eine Menge Energie in dieses Projekt investiert.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!