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Michael Marten ‚Sea Change‘ 18. September 2016

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Foto-Projekt, Fotoausstellung, Fotograf, schaelpic photokunstbar.
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Am 15. September 2016 haben wir in Köln die Ausstellung mit Arbeiten aus der Serie ‚Sea Change‘ von Michael Marten eröffnet (vgl. Michael Marten: ‚Sea Change‘ (schaelpic photokunstbar, Köln).

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache gehalten, die ich hier dokumentiere.

Hinweise zu Michael Martens Serie ‚Sea Change‘
© 2016 Martin Frech, Notizen zur Fotographie (NzF) (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

In unserer laufenden Reihe präsentieren wir noch bis Ende des Jahres Fotoarbeiten unter dem Oberbegriff ‚Zeit und Fotografie‘.
Den Anfang machte vor einem Jahr Jürgen Hermann Krause, der seine Ost-Blicke aus der Noch-DDR von 1990 zeigte. Es folgten in diesem Jahr Knut Wolfgang Marons Bilder von seiner Mutter und ihrem Nachlass. Romano Riedo hat uns dann im Mai sein Langzeitprojekt über Bergbauern in der Schweiz vorgestellt. Die drei Autoren haben mit ihren Arbeiten jeweils unterschiedliche Zeit-Aspekte betont.

Nun zeigen wir Michael Martens ‚Sea Change‘. Das ist die vierte Ausstellung in dieser Reihe und insgesamt unsere 23. seit 2006.

Schon ein kurzer Blick auf Martens Bilder macht deutlich, warum diese Schau hervorragend zu unserem Konzept passt: Der Fotograf zeigt auf Bildpaaren jeweils das selbe Motiv zu zwei verschiedenen Zeitpunkten — Landschaftsaufnahmen der britischen Küste, einmal bei Wasser-Hochstand und einmal bei Niedrigwasser. Wir sehen, wie Ebbe und Flut — aber auch ein veränderter Sonnenstand — das Aussehen einer Szene dramatisch verändern.

Der Fotograf hat für jedes Bildpaar seine große Kamera zweimal identisch aufgebaut und die selbe Szene im Abstand von einigen Stunden beim niedrigsten und höchsten Wasserstand aufgenommen, idealerweise in der Zeit von Voll- oder Neumond, wenn der Tidenhub besonders groß war.

‚Sea Change‘ ist eine konzeptuelle Arbeit im klassischen Genre der Landschaftsfotografie — stringent und äußerst sorgfältig durchgearbeitet.

Michael Marten hat für sein Projekt Großbritannien umrundet und selbst den hohen Norden nicht ausgespart; sogar die Shetlandinseln hat er bereist.
Ab 2003 ist er dafür neun Jahre lang regelmäßig kreuz und quer über die Insel gereist und hat knapp 400 Bildpaare aufgenommen. In den ersten Jahren auf 4×5″-Farbnegativfilm, später mit einer digitalen Mittelformatkamera.

Für die Präsentation im Buch hat er vier Küstenabschnitte definiert und die Bilder systematisch ‚im Uhrzeigersinn‘ sequenziert: Südwest, Nordwest, Nordost und Südost und zeigt damit Bilder vom Atlantik, der Nordsee und des Ärmelkanals. Im Buch sind von jedem Abschnitt zwischen 11 und 15 Bildpaare abgebildet; das jeweils linke Bild ist das zuerst aufgenommene. In der Ausstellung zeigen wir eine Auswahl.

Wer auch nur ein paar Stunden an einem Meeresstrand verbracht hat, kennt natürlich die Gezeiten: das Wasser kommt und geht. Und irgendwie hat der Mond damit zu tun.

Der Musiker Marteria besingt das Phänomen im Lied „Welt der Wunder“ (auf ‚Zum Glück in die Zukunft II‘, 5/2014). In seiner Hook singt er:

‚Denn wir leben auf einem blauen Planet
der sich um einen Feuerball dreht.
Mit ’nem Mond der die Meere bewegt —
und Du glaubst nicht an Wunder?‘

Damit bringt der Rapper meine Verständnisschwierigkeiten kosmischer Einflüsse ganz gut auf den Punkt und deutet nebenbei die poetische Kraft an, die den Naturphänomenen innewohnt. Gleichzeitig kennen wir das zerstörerische Potential von Hochwasser, Sturmfluten und Riesenwellen.

Dieser Aspekt ist für mich beim Betrachten von Martens Bildpaaren untergründig präsent. Ich weiß, dass die gezeigten Überschwemmungen aus einem natürlichen Rhythmus resultieren — bekomme jedoch eine Ahnung davon, was ein steigender Meeresspiegel für Folgen haben wird.

Nach der gängigen Erklärung der klassischen Mechanik sind die Gezeiten eine Folge der Anziehungskräfte von Mond und Sonne.

Deren Gravitationskräfte wirken auf die Erde. Die Erdkruste ist davon kaum beeinflusst, das Wasser der Ozeane jedoch deutlich. Es wird vom Mond (und der Sonne) angezogen und bildet Flutberge, den sog. Tidenhub. Dazwischen herrscht Ebbe.

Dass daraus Gezeiten werden, liegt an der Erddrehung. Ohne sie würden Ebbe und Flut nicht über die Erdoberfläche wandern, sondern wären an einen Ort fixiert.
Aber die Erde dreht sich quasi unter den Wassermassen der Ozeane. Das Wasser ist zu träge und hat eine zu geringe Reibung, als dass es sich mitbewegen könnte. An den Stellen, wo Land aus dem Wasser ragt, staut sich das über die Erde strömende Wasser und der Tidenhub vervielfacht sich.

Die Situation ist natürlich komplizierter, da die Wasserwellen am Ufer reflektiert werden und zurücklaufen — dadurch entstehen Resonanzen die auch wieder Auswirkungen auf die Wasserhöhe haben. Dazu kommen noch der Einfluss von Winden, Jahreszeiten und weiteren geografischen Einflüssen sowie von Zentrifugalkräften — eine ziemlich komplizierte Materie.
Rund um die britische Küste variieren die Hochwasserstände örtlich zwischen einem und 15 Metern.

Kurz gefasst kann man Ebbe und Flut als geografische Reaktionen auf astronomische Ursachen sehen.

Eine spezielle Situation ergibt sich etwa zweimal im Monat, wenn Erde, Mond und Sonne in einer Linie stehen, also bei Voll- und bei Neumond. Dann addieren sich die Gravitationskräfte von Mond und Sonne und das Wasser der Ozeane steigt besonders hoch — Springfluten entstehen.
Das waren die von Michael Marten bevorzugten Fototermine.

Bei Halbmond wirkt die Sonne dagegen entschärfend und verringert die Kraft des Mondes — Ebbe und Flut sind schwächer ausgeprägt (Nipptiden).

Es gibt Fotografen, die die unberührte Natur suchen und mit viel Pathos die Erhabenheit der Schöpfung feiern oder romantisch-sehnsüchtig auf die Landschaft schauen.
Im Kontext der Seestücke wären dies beispielsweise Gustave Le Gray (1820–1884), Franz Schensky (1871–1957) oder der Zeitgenosse Elger Esser (*1967).

Andere interessieren sich für die vom Menschen gestaltete Landschaft, wie das die New-Topographics-Bewegung seit den 1960er-Jahren tut. Bekannte Vertreter dieses dokumentarischen Blicks sind Robert Adams (*1937), Lewis Baltz (1945–2014), Heinrich Riebesehl (1938–2010) und Joachim Brohm (*1955).

Michael Marten schafft es ganz unaufgeregt, beides zu verbinden; die romantische Sicht und den dokumentarischen Blick. Neben klassischen Seestücken sehen wir Aufnahmen, die ganz selbstverständlich Industrie- und Hafenanlagen ins Bild rücken; wenn es sich ergibt, sind seine Bilder auch bevölkert.

Er bringt es sogar fertig, beide Sichtweisen in einem Bildpaar zu vereinen. Dann ist beispielsweise die Szene bei Niedrigwasser quirlig bevölkert, und ein paar Stunden später sehen wir die gleiche Ansicht als eine komplett andere Landschaft, überflutet, menschenleer, dramatisch beleuchtet.

Michael Marten hat sich intensiv mit den Gezeiten beschäftigt und seine konzeptuelle Setzung deutlich an den Gezeitentafeln orientiert. Er kann dadurch jedoch nicht auf ein bestimmtes Licht warten, verzichtet also weitgehend auf ein elementares Gestaltungsmittel der Landschaftsfotografie.

Obwohl ihm Gezeitentabellen und nicht der optimale Sonnenstand den Zeitpunkt der Aufnahmen diktierten, gelangen ihm großartige Bilder der britischen Küstenlandschaft. Er wählte seine Ausschnitte so, dass die Bilder dennoch hervorragend funktionieren — die Wirkung des überflutenden Wassers und des überfluteten Landes ist stark genug — viel Wasser verändert alles.

Michael Marten: Sea Change
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Ausstellungsdauer:
16. September bis 18. Oktober 2016
Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr,
(zusätzlich Sonderöffnungszeiten während des Fotoszene-Festivals)

Das Buch zum Projekt:
Michael Marten: Sea Change: A Tidal Journey Around Britain, 126 Seiten, 107 Farbfotografien, mit einer Einführung von Robert Macfarlane. Heidelberg: Kehrer, 2012.
Das Buch ist vergriffen — Exemplare einer limitierten Sonderedition mit zwei beigefügten Prints sind noch erhältlich (125 Euro).

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Michael Marten: Sea Change | 16.09. bis 28.10.2016 in der schaelpic photokunstbar, Köln 30. August 2016

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Foto-Projekt, Fotoausstellung, gute Idee, schaelpic photokunstbar.
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Michael Marten zeigt in seiner Serie „Sea Change“, wie die Gezeiten das Aussehen der Küste Großbritanniens täglich verändern. Wir sehen Strände und Gezeitentümpel, Schlick und natürliche Häfen nur vorübergehend — bei Ebbe; wenn das Meer zurückkommt, ist alles wieder verschwunden. (zu sehen vom 16.09. bis 28.10.2016 in der schaelpic photokunstbar, Köln)

aus: Michael Marten: Sea Change

Marten begann 2003 mit diesem Fotoprojekt. Als er die Küste bei Berwickshire erkundete, fotografierte er einen kleinen Hafen. Er war fasziniert von einer Reihe zahnartiger Felsen, in der Gegend bekannt als „Ufer-Ziegen“, die bei Flut verschwanden. Bei der Durchsicht seiner Filme fiel ihm auf, dass er die selbe Ansicht bei Ebbe und Flut aufgenommen hatte. Ihn begeisterte, wie die ansteigende Flut radikal die Perspektive auf und das Gefühl für die Landschaft verändert.

Neun Jahre lang hat Marten an dieser Serie gearbeitet. Sie besteht aus Bildpaaren, von denen jedes zwei Zeitpunkte festhält, indem zwei durch die Gezeiten bedingte Zustände der Landschaft zu sehen sind. Marten hat die Dyptichen im zeitlichen Abstand von sechs oder 18 Stunden jeweils vom selben Standpunkt aus aufgenommen. Die überraschenden Bildpaare veranschaulichen den dynamischen Zustand dieser Landschaft.

aus: Michael Marten: Sea Change

Ein Aspekt der Faszination dieser Arbeit ist das Nebeneinander der jeweils gleichen Ansichten bei Ebbe und Flut. Dies ermöglicht es herauszufinden, was sich durch die Gezeiten ändert und was nicht.

Für „Sea Change“ hat Marten die knapp 18000 km lange britische Küste in die vier Bereiche Südwest, Nordwest, Nordost und Südost eingeteilt. Er hat ein umfangreiches Werk geschaffen, das die Vielfalt der britischen Küste dokumentiert: von Strandpflanzen über Felsformationen und unberührte Sandufer zu Industriegebieten. Sein fotografisches Doppel-Portrait der maritimen Landschaft verdeutlicht effektvoll die Gezeiten.

Biographie

Michael Marten hat beruflich und privat mit Fotografie zu tun seit er als Jugendlicher zu fotografieren begann. Seine erste Anstellung hatte er als Autor von Bildunterschriften für die Agentur „Camera Press syndication“. 1979 gründete er die „Science Photo Library“, eine Bildagentur für Wissenschaft und Medizin. Marten hat als Mitautor und Bildredakteur an verschiedenen Büchern gearbeitet, u.a. „An Index of Possibilities“ (1974), „Worlds Within Worlds“ (1978), „The New Astronomy“ (1983) und „The Particle Odyssey“ (2002).

„Sea Change“ wurde in folgenden Institutionen gezeigt: Blue Sky Gallery (Portland, USA); Grazia Neri Gallery (Mailand); Libreria del Mare (Palermo) sowie Ringe Bibliotek, Denmark, als Teil des Fototriennale.dk Photography Festival; Oxo Gallery in London.

2011 gewann Sea Change den „LensCulture International Photography Award“ für das beste Portfolio und war im selben Jahr unter den Top-50 bei Critical Mass. „Sea Change“ wurde im Ag-Magazin, Mare, Focus Italy und in The Guardian’s Weekend Magazine veröffentlicht.

Sea Change: A Tidal Journey Around Britain by Michael Marten, 126 Seiten, 107 Farbfotografien, mit einer Einführung von Robert Macfarlane. Heidelberg: Kehrer, 2012 (vergriffen). Exemplare einer limitierten Sonderedition mit einem beigefügten Originalprint sind noch erhältlich.

(Übersetzung: Martin Frech, NzF)

Steve McCurry, der Märchenerzähler 31. Mai 2016

Posted by Martin Frech in Ärgernisse, Fotograf, Gedanken.
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„(…) and so I would say that today I am a visual storyteller, (…)“ (Steve McCurry im Gespräch mit Time) (1)

storyteller (engl.); „der Geschichtenerzähler | die Geschichtenerzählerin“ bzw. „der Märchenerzähler“ (2)

„Im anglo-amerikanischen und europäischen Sprachraum nutzt man den Begriff Geschichtenerzähler (bzw. storyteller) meist als Oberbegriff für Märchen- und Sagenerzähler, (…)“ (3)

(1) Olivier Laurent: Steve McCurry: I’m a Visual Storyteller Not a Photojournalist: http://time.com/4351725/steve-mccurry-not-photojournalist/ [2016-05-31]
(2) Leo: http://dict.leo.org/ende/index_de.html#/search=storyteller&searchLoc=0&resultOrder=basic&multiwordShowSingle=on [2016-05-31]
(3) Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtenerz%C3%A4hler [2016-05-31]

(Ich frag‘ mich nur, wozu der die letzten Rollen Kodachrome gebraucht hat.)

zum Weiterlesen:

 
 


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OT: Extension für InDesign CC installieren (OS-X) 19. Mai 2016

Posted by Martin Frech in Technik.
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Mit CC 2015 hat Adobe den Extension Manager CC aufgegeben. Will man Erweiterungen von Drittanbietern installieren, steht man daher erstmal im Regen. Zwar gibt es die OpenSource-Alternative ZXPInstaller(1) — unter OS X 10.11.2 hat dieses Programm bei mir auch funktioniert, unter 10.10.2 allerdings nicht.

Netterweise schreibt der Entwickler auf der erwähnten github-Seite(1), dass sein Programm letztlich auch nur ein Adobe-Kommandozeilen-Programm nutzt (es handelt sich wohl um ExManCmd(2)). Also kann man die Installation der Erweiterung auch händisch erledigen (auf eigene Gefahr):

  1. Download https://www.adobeexchange.com/ExManCmd_mac.zip und auspacken
  2. Die Erweiterung der Einfachheit halber in ebendiesen Ordner kopieren.
  3. InDesign beenden
  4. Auf der Kommandozeile in diesen Ordner wechseln und sudo ./MacOS/ExManCmd --install Erweiterung.zxp ausführen.

Bei mir hat das jedenfalls funktioniert.
(Deinstallieren habe ich nicht probiert, das sollte aber wie oben beschrieben mit --remove 'Name der Erweiterung' klappen.)

(1) https://github.com/CreativeDo/ZXPInstaller [2016-05-19]
(2) https://helpx.adobe.com/extension-manager/using/command-line.html [2016-05-19]

 
 


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Romano Riedo: Hinterland 14. Mai 2016

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Fotoausstellung, Fotograf, schaelpic photokunstbar.
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Am 12. Mai 2016 haben wir in Köln die Ausstellung mit Arbeiten aus der Serie ‚Hinterland‘ von Romano Riedo eröffnet.

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache vorbereitet, die ich hier dokumentiere.

Hinweise zu Romano Riedos Serie ‚Hinterland‘
© 2016 Martin Frech, randgebiete.de

Das übergreifende Thema unserer schaelpic-Ausstellungen 2015/2016 ist das Motiv der ‚Zeit‘ in der Fotografie. Wie in den vergangenen beiden Ausstellungen angedeutet, finden wir dazu sehr unterschiedliche Positionen.

Klar ist: prinzipiell zeigt jede Fotografie etwas Vergangenes, „bezeugen alle Fotografien das unerbittliche Verfließen der Zeit“, wie es Susan Sontag bereits 1977 so passend formulierte. In diesem Sinne hat uns im vergangenen Herbst Jürgen Hermann Krauses Ostblick-Ausstellung — wie durch eine Zeitmaschine — Einblicke in den DDR-Alltag der Wendezeit von 1990 verschafft.

Knut Wolfgang Maron dagegen hat den Zeit-Aspekt schon konzeptuell berücksichtigt. Zu Anfang des Jahres sahen wir seine berührenden Bilder vom Ende des Lebens seiner Mutter und ihrer Hinterlassenschaft.
Roland Barthes Vermutung von 1977, jedes Anschauen eines Fotos sei ein Kontakt mit dem Tod, bekam hier eine direkte Bestätigung.

Heute zeigen wir Ihnen Bilder aus einem Langzeit-Projekt von Romano Riedo. Damit haben wir eine Position, die unserem Thema weitere Aspekte abgewinnt.

Romano Riedo arbeitet als freier Fotograf und Fotojournalist in der Schweiz. Neben seinen Auftragsarbeiten nimmt er sich regelmäßig Zeit für freie Reportagen, die häufig auf längere Zeiträume angelegt sind.

Seine Welt sind die Berge — Romano Riedo beschäftigt sich seit langem intensiv mit den Bergbauern in der Schweiz. Seit mehr als 20 Jahren fotografiert er deren Alltag. Die Ergebnisse seiner fotografischen Feldforschungen haben sich in Büchern und Ausstellungen manifestiert mit Titeln wie ‚Alpland‘, ‚Alpzeit‘, ‚La Gruyère‘ und eben ‚Hinterland’.

Aus dem gewaltigen Bilderberg von Riedos Hinterland-Projekt mussten wir für diese Ausstellung eine kleine Auswahl treffen — eine repräsentative, wie wir hoffen.

Riedos ‚Hinterland‘ sind die Alpen. Neben Jura und Mittelland sind die Alpen eine der drei Schweizer Großregionen. Und obwohl die Alpen etwa 60% der Schweizer Landesfläche beanspruchen, sind sie nur dünn besiedelt. Der Großteil der rund 8,5 Mio. Schweizer lebt im Mittelland, das jedoch nur etwa ein Drittel der Landesfläche ausmacht, bei einer Breite von maximal 70 km.

Letzteres ist einer der Aspekte, die Riedo fasziniert: man hat aus allen größeren Städten der Schweiz nur kurze Wege in die Berge, kann dort jedoch in eine komplett andere Welt eintauchen; in seinem Fall ist das die Arbeits- und Lebenswelt der Bergbauern. Laut Riedo ist das auch in der Schweiz eine Minderheit, die kaum jemand wirklich kennt.

Er selbst kennt diese Welt, da er einmal für eine Saison dort gearbeitet hat und seither immer wieder dorthin gereist ist. Er hat sich durch die beharrliche Auseinandersetzung mit dem Thema einen privilegierten Zugang zu den Bergbauern erarbeitet, der ihm ein Fotografieren quasi als teilnehmendem Beobachter ermöglicht.

Doch was ist eigentlich ein Bergbauer?
Ein Bergbauer ist ein Bauer im Gebirge.
Das hört sich einfach an, bringt für den Bergbauern im Vergleich zu seinen Kollegen im Flachland jedoch so seine Schwierigkeiten mit sich: moderne landwirtschaftliche Geräte sind kaum einsetzbar, die klimatischen Bedingungen sind extrem und die Höfe, Weiden und Ackerflächen sind schwerer zugänglich. Attraktiv wurde das Bergbauerntum daher auch erst vor etwa 800 Jahren — wegen der damaligen Bevölkerungsentwicklung und dem Mangel an einfach zu bewirtschaftenden Flächen.

Heutzutage wirkt das Bergbauerntum wie aus der Zeit gefallen und ist zumindest in Europa wirtschaftlich schon lange nicht mehr konkurrenzfähig. Aus unterschiedlichen Gründen werden Bergbauern jedoch staatlich unterstützt. Stichworte sind Landschaftspflege, Tourismusförderung und naturnahe Lebensmittelproduktion (slow food).

Diese entschleunigte bergbäuerliche Lebensmittelherstellung interessiert Romano Riedo besonders. Ihn fasziniert es, die Älpler bei Ihrer Arbeit zu beobachten und er schätzt die Identifikation der Menschen mit ihrer Arbeit und den dabei entstandenen Produkten. Ich kann das seinen Bildern entnehmen.
Obwohl ich mir vorstellen kann, dass auch in dieser Bergbauern-Welt das eine oder andere Artefakt unserer modernen Welt auftaucht, ist auf Riedos Bildern davon kaum etwas zu sehen. Mal die Andeutung einer Melkmaschine, mal ein Funkgerät oder etwas versteckt ein Kassettenrekorder. Auch das Etikett an einer Kinderhose deutet einen zeitgenössischen Kontext an. Aber man muss schon arg nach Details suchen, die diese Bilder im Jetzt verorten.

In der Tradition der Reportage-Fotografie besteht Riedos Arbeit aus Landschafts-Aufnahmen, Portraits und der Dokumentation von Arbeitsabläufen; Schnappschüsse hat sich der Fotograf ausdrücklich erlaubt.

Technisch hat Romano Riedo im Einklang mit seinen Motiven zumindest während den Aufnahmen ganz klassisch gearbeitet. Alle Bilder sind mit einer handlichen Mittelformatkamera (einer Mamiya 6) auf Schwarzweißfilm fotografiert — ausschließlich mit dem vorhandenen Licht und nur aus der Hand.
Später hat Riedo die Negative jedoch gescannt und Tintenstrahl-Drucke erstellt; es handelt sich bei den hier gezeigten Bildern also nicht um traditionelle Schwarzweiß-Vergrößerungen.

Riedo hat in der ganzen Schweiz fotografiert — unter anderem in Appenzell, Graubünden, Tessin, Oberwallis, Berner Oberland und Greyerz.

Ich denke mir, dass der Globalisierungsdruck weiter zunehmen wird und derartige selbst gewählte Arbeits- und Lebensformen in den Bergen vollends verschwinden werden. Es ist wichtig, dass es Fotografen wie Romano Riedo gibt, die diese Parallelwelten mit solcher Ausdauer für uns dokumentieren. Ich wünsche ihm, dass er seinen Plan realisieren kann, diese Serie auf ganz Europa auszudehnen.

Romano Riedo: Ein Schwein in Freiheit vor einem Holzkreuz auf Alp Turtmann im Wallis.
Romano Riedo: Ein Schwein in Freiheit vor einem Holzkreuz auf Alp Turtmann im Wallis.

Romano Riedo: Arbeiten aus der Serie Hinterland
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Ausstellungsdauer:
13. Mai bis 11. August 2016
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr)

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

pygame.CaotinaCam.Portrait.Martin() 7. Februar 2016

Posted by Martin Frech in Foto-Projekt, gute Idee.
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import pygame.camera
...
cameras = pygame.camera.list_cameras()
self.CAM = pygame.camera.Camera(cameras[0], self.SIZE)
self.CAM.start()
...
img = self.CAM.get_image()
...
pygame.image.save(self.SURF, path + name)

pygame.CaotinaCam.Portrait.Martin
pygame.CaotinaCam.Portrait.Martin()

 


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Pinhole Selfies 26. Mai 2015

Posted by Martin Frech in Events, gute Idee, Photo: Frech.
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Martin Frech: Tableau aus vier Selfies (2015-04-26)
Martin Frech: Tableau aus vier Selfies (2015-04-26)

(anlässlich des Worldwide Pinhole Photography Day (wppd)
Technik: Merlin PaintCanCam aus der Hand, Belichtungszeit nach Gefühl, Ilford-FP4-Plus-Planfilme, entwickelt in Diafine, Kontaktabzüge auf Fomaspeed Variant 311 FB, selengetont)

Meine bisherigen Beiträge zu Worldwide Pinhole Photography Days:
2009, 2008, 2007, 2006, 2005.

 

wppd [Illustration (c) Jonathan Frech]
Illustration: (c) Jonathan Frech 
 
 


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Frohe Pfingsten 25. Mai 2015

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Frohe Pfingsten! [Illustration (c) Jonathan Frech]
 
Illustration: (c) Jonathan Frech

 
 


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26. April 2015: Worldwide Pinhole Photography Day 9. April 2015

Posted by Martin Frech in Events, gute Idee, Technik.
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Worldwide Pinhole Photography Day
Illustration: Ximena Astudillo Delgado (via pinholeday.org)

 
 


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Frohe Ostern! 5. April 2015

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Frohe Ostern! [Illustration (c) Jonathan Frech]
 
Illustration: (c) Jonathan Frech

 
 


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