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Ein paar Bilder statt vieler Worte 26. Mai 2006

Posted by Martin Frech in gute Idee.
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Philippe Halsman (1906-1979) — der begnadete Portrait-Photograph — hat in den späten 1940er-Jahren das Photo-Interview erfunden, bei dem der Gefragte nur mit seiner Mimik und Gestik antwortet. Das Interview besteht demnach aus einer Reihe von Text-Fragen und den entsprechenden Portrait-Aufnahmen als Bild-Antworten. 1948 erschien das Buch "The Frenchman" mit einem solchen Photo-Interview, das Halsman mit dem Schauspieler Fernand Joseph Désiré Contandin alias Fernandel führte (Neuauflage letztes Jahr bei Taschen). Ich weiß leider nicht, ob Halsman diese großartige Idee weiter verfolgte; sie wäre es Wert gewesen.

Die "Süddeutsche Zeitung" hat die Idee nun aufgegriffen. Für das "Süddeutsche Zeitung Magazin" vom 26. Mai hat der Photograph Christopher Thomas den Unternehmer und Fernsehkommentator Boris Becker photo-interviewt. Eine schöne Sache — aber warum wurde für diese Premiere gerade Becker ausgewählt, verfügt er augenscheinlich doch nicht über das schauspielerische Talent Fernandels? Gefallen hat mir der Mut für seine deutliche Antwort auf die Frage, was er den deutschen Steuerbehörden ausrichten möchte. Hier offenbart sich eine Stärke des Photo-Interviews: als Text wäre diese Antwort wohl nicht gedruckt worden (und mir hat die Geste kürzlich eine Anzeige wegen Beleidigung eines Polizisten eingebracht).

Das Interview ist auch online verfügbar

Brandt, Ludwig und Polidori 18. Mai 2006

Posted by Martin Frech in Events.
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Das Willy-Brandt-Haus der SPD in Berlin hatte ich bisher nicht im Blick als Ort der Photographie. Ein Fehler, wie ich zufällig herausfand, als mich ein Photoauftrag dieser Tage dorthin führte. Wie ich so durch die Gänge schlendere, entdecke ich plötzlich seltene Original-Abzüge von Jewgeni Chaldej (Nachkriegs-Berlin-Motive), die dort einfach so an den Wänden hängen — leider im nichtöffentlichen Teil des Gebäudes. Darunter ein beeindruckendes, aus drei einzelnen Baryt-Abzügen zusammengesetztes Panorama.
Im Foyer mit Fettings bekannter Brandt-Skulptur sind zur Zeit Photographien aus Tschernobyl zu sehen, u.a. die von Gerd Ludwig in der April-Ausgabe der "National Geographic Deutschland" publizierten Arbeiten (nur noch bis 21. Mai). Diese lieblos gehängte kleine Ausstellung ist eine interessante Ergänzug zur aktuellen Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Dort sind noch bis zum 26. Juni großformatige Werke von Robert Polidori zu sehen, darunter eine Serie aus Tschernobyl. Während Polidori hoch ästhetisierte "schöne" Bilder der Verwüstung zeigt, hat Ludwig eher die Folgen für die betroffenen Menschen im Blick seiner Kamera. Aber auch er konnte den "Kontrollraum Nr. 4" nicht auslassen; bei diesem Motiv geht der Punkt jedoch eindeutig an Polidori.

Teufel auch! 4. Mai 2006

Posted by Martin Frech in Ärgernisse.
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Vergangenen Sonntag habe ich in einem öffentlichen Vortrag darüber gesprochen, wie die Camera Obscura von Roger Bacon bis Johann Arndt durch die Jahrhunderte dazu genutzt wurde, die Existenz des Teufels zu beweisen.
Wie ich heute so über den Potsdamer Platz schlendere, tritt mir eine in der Kluft von Ordensschwestern gekleidete junge Frau in den Weg und zeigt mir ihr Hinterteil. Sie fragt mich scheinbar verwirrt, ob ihre Tracht an dieser Stelle farbverschmiert sei. Ich sehe gründlich nach, kann auf dem makellosen Kostüm jedoch nichts störendes erkennen. Als ich ihr das mitteile, wirft sie mir — die Passanten im Blick — lautstark vor, ich hätte auf ihren Po geschaut. Ich verneine das wahrheitsgemäß: schließlich war meinem lüsternen Blick jede Menge Textil im Weg. Sie gerät in Fahrt, schreit, ich sei vom Satan besessen und fuchtelt mit einem Kreuz herum. Ich gehe meines Weges und überlege, welche Hauptschul-Theater-AG mit dieser abgeschmackten Performance wohl auf der Guerrilla-Marketing-Welle schwimmt. Ein junger Mann begleitet mich — vielleicht hätte ich ja die versteckte Kamera gesehen, es handele sich um den Test für ein neues Fernsehformat des Senders RTL. Wie armselig.

Randgebiete Nr. 4 erschienen 2. Mai 2006

Posted by Martin Frech in Eigenwerbung, Events.
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Am 30. April 2006 ist die vierte Ausgabe des Magazins „Randgebiete“ (R4, 56 Seiten) erschienen. Thema: Photographien von Tobias Kern und Martin Frech, Lochkamera-Arbeiten aus Köln und Berlin.
Anlaß war die Eröffnung der Ausstellung „ClickClack“ mit Lochkamera-Photographien von Tobias Kern und Martin Frech (wir berichteten an dieser Stelle).
Kostenloser Bezug der Pdf-Datei via http://www.randgebiete.de/.

Randgebiete Nr. 4

Die Ausstellung „ClickClack“ ist noch bis zum 30. Juni 2006 zu sehen.
Ort: Atelier für Mediengestaltung, Schanzenstraße 27, 51063 Köln.
Infos: http://www.medienfrech.de/randgebiete/ClickClack/index.html