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— ob ein Minus oder Plus, … 13. November 2006

Posted by Martin Frech in Gedanken, Geschichte.
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Aus der Basar-Kiste unserer Stadtbücherei habe ich heute das Merian-Heft vom Dezember 1954 (Die Romantische Straße) erstanden. Ein hervorragend erhaltenes, offenbar ungelesenes Exemplar inklusive Werbeprospekt des herausgebenden Verlags Hoffmann und Campe „Neue Bücher 1954“.

Ich blättere gerne in solchen alten Kultur-Zeitschriften und freue mich an der schönen Sprache, der klassischen Typographie mit den vielen unterschiedlichen gebrochenen Schriften, der sorgfältigen Bildredaktion und den schönen Tiefdruck-Reproduktionen.
Aber auch die Werbeanzeigen — sauber getrennt vom redaktionellen Teil — lassen virtuelle Erinnerungen an eine vorgeblich gute alte Zeit aufkommen; beispielsweise die Anzeige für die neue Bauer 88B mit 4 Gängen und gekuppeltem Belichtungsmesser (DM 447,–) oder jene für den Agfa Synchro Blitzer, der mit dem Konterfei Karls V. und dem Zitat „In meinem Reich geht die Sonne nicht unter“ beworben wird (DM 12,– mit Kunststoff-Beschlägen bzw. DM 18,– mit hochglanzverchromten Beschlägen).
Besonders angerührt hat mich jedoch die einzige Vierfarb-Anzeige in diesem Heft, eingeklebt auf der unbedruckten Seite 73. Mit einem netten Bild — Tochter, Mutter, Sohn vor Adventskerze (von Vater geknipst?) — wird für Gevacolor-Negativfilm geworben: Ein persönliches Geschenk für Ihre Verwandten und Freunde wäre doch sicher eine solche Farbvergrößerung, in der die ganze weihnachtliche Vorfreude der Adventszeit enthalten ist. … Der neue Gevacolor-Negativfilm hat übrigens noch einen ganz besonderen Vorteil: Er ist für Tages- wie für Kunstlicht gleich gut geeignet — ohne jedes Filter.

Vervollständigt wurde das Zeitmaschinen-Ensemble durch die beigelegte Mahnung nebst Zahlkarte an den mir unbekannten Abonnenten, er möge doch bitte die zurückliegenden Ausgaben bezahlen:
Mahnung von 1954

Photographen präsentieren sich 11. November 2006

Posted by Martin Frech in Events, Markt.
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Fotobild 2006 in Berlin
Noch bis zum 12. November findet in Berlin die Messe Fotobild statt, auf der sich 23 Photographen präsentieren und Arbeiten zum Verkauf anbieten.
Thomas Bachler auf der Messe Fotobild 2006 in Berlin
Der Ausstellungsort in einem Kaufhaus ist nicht sehr attraktiv. Ich bin hingegangen, um Thomas Bachler zu treffen, dessen Lochkamera-Photographien ich sehr schätze. Er zeigte u.a. Arbeiten aus den Serien Am Fenster, Tatorte und Pixel Trees.
Für die Tatorte-Arbeiten nimmt Bachler die Redewendung „ein Bild schießen“ wörtlich: eine Pistolenkugel erzeugt jeweils die Löcher, durch die die Negative belichtet werden. Mit dieser Methode arbeitet der Künstler schon seit über 10 Jahren, hier waren aktuelle Werke zu sehen.
Grandios auch seine Pixel Trees (ebenfalls aus diesem Jahr), die er durch quadratische Löcher belichtete. Das Ergebnis sind Strukturen, die an digitale Bilder erinnern, die am Bildschirm stark vergrößert wurden. Wer jedoch schon einmal versucht hat, den virtuellen Effekt der Bildschirmpixel auf Photopapier zu bannen, kann angesichts Bachlers Bildern nur staunen über die Aktualität der Camera obscura.

Interessant fand ich außerdem die Arbeiten von Georg Küttinger, der Werke aus seiner Serie landscpes:remixed zeigte. Die Panoramabilder entstanden am Computer durch die Kombination von bis zu 50 Einzelbildern, die er von verschiedenen Standorten entlang eines Weges oder verteilt über ein Gebiet aufgenommen hatte.

Die Idee eines solchen Forums für Photographen ist prima; der Ort ist jedoch unpassend und 23 Aussteller sind zu wenig. Zudem wäre es schön, die Kriterien für die Auswahl der Künstler zu kennen.