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Kunst — oder Medienrummel/Publicity/Schwindel 17. Januar 2007

Posted by Martin Frech in Events, Gedanken.
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Im Herbst letzten Jahres hat die Firma Hewlett Packard (HP) in Berlin eine „Hype Gallery“ veranstaltet, organisiert von Publicis-Werbeagenturen. Hype-Galerien sind durch klassische Werbung flankierte PR-Maßnahmen für HP. Entsprechende Veranstaltungen fanden schon in London, Paris, Moskau, Singapur, Mailand und Amsterdam statt.

Cafe Moskau | hype gallery
Photo: Martin Frech

Bespielt werden die zu Beginn leeren Hype-Galerien mit Werken von „Jedermann“: eingereichte Bilddaten werden vor Ort großformatig ausgedruckt und sofort an den nächsten freien Platz gehängt — sofern sie den Bedingungen entsprechen: der Werktitel muß die Buchstaben „h“ und „p“ in dieser Reihenfolge enthalten und das Bild darf nicht „die normalen Maßstäbe des Anstands verletzen“, also beispielsweise keine „politisch kontroverse Inhalte zeigen“)(1). Ist die Galerie gefüllt, weichen die ältesten Bilder den neuen (fifo); zusätzlich werden die Bilder im Internet veröffenlicht. Die Werke müssen nicht photographisch hergestellt sein, alle bilderzeugenden Techniken sind erlaubt.

Cafe Moskau | hype gallery
Photo: Martin Frech

Eine schöne Idee. Ich musste spontan an Dieter Hacker und Andreas Seltzer denken, die von 1971 bis 1985 in Berlin (West) die „7. Produzentengalerie“ zur Auseinandersetzung über die Funktion von Kunst betrieben und ab 1976 die Zeitschrift „Volksfoto“ herausgaben. Hacke/Seltzer träumten damals von einer „echten Weltausstellung der Fotografie“(2), die all die Bilder zeigt, „die in Schubladen, Kästen und Alben aufbewahrt sind“. Ihr Problem war damals „die Spaltung in Professionelle und Amateure auf dem Gebiet der Fotografie“. Massenwirksam veröffentlicht würden nur die Bilder der Profis, alles andere — das massenhaft gesehene und individuell entdeckte — bliebe geheim und damit „der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Kritik verborgen“. Die sechs „Volksfoto“-Ausgaben haben dem sicher ein Stück weit abgeholfen.

Die Hype-Galerien als weltweite Events erscheinen mir nun als die zeitgemäße Fortsetzung von „Volksfoto“ — kommerzialisiert und apolitisch („hype“ kann auch als „Schwindel“ übersetzt werden). Das „Hype-Keyvisual“ ist dementsprechend ein Einkaufswagen.

Hype Gallery im Café Moskau
Karl-Mary-Allee 34, Berlin
28. Oktober bis 18. November 2006

(1) http://www.hypegallery.de/
dort: about hype | faq | Können Arbeiten abgelehnt werden?
(2) Volksfoto. Zeitung für Fotografie. Nr. 1 bis 6. Hrsg. von Dieter Hacker und Andreas Seltzer. Frankfurt/M.: Zweitausendeins, 1981.

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