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Filmentwicklung in Kaffee 30. September 2007

Posted by Martin Frech in Randgebiete-Projekt, Technik.
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© 2007 Martin Frech, randgebiete.de (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Spätestens seit 1995 ist bekannt, dass Kaffee silberhalogenidhaltige Schichten entwickeln kann(1). In einschlägigen Diskussionsforen finden sich seither diverse lange Threads zu diesem Thema, vereinzelt mit Bildbeispielen.

Immer an kuriosen Randgebieten interessiert, habe nun auch ich meinen ersten Film mit Kaffee entwickelt — und um es vorwegzunehmen: es wird nicht der letzte gewesen sein.

Für den Versuch habe ich zwei Rollen Ilford FP4 plus belichtet (Belichtungsreihen mit und ohne Testtafeln): Eine zur Entwicklung in Kaffe, die andere zum Vergleich in Agfa Rodinal.

Vorbereitung der Filmentwicklung mit Kaffee (Caffenol)
Vorbereitung der Filmentwicklung mit Kaffee (Caffenol)
Photo © Martin Frech

Das Rezept für den Kaffee-Entwickler — Einmalentwickler nach den Angaben für Caffenol bei digitaltruth(2) — ist simpel:

  • 500 ml Wasser
  • 8 Teelöffel löslicher Kaffee
  • 4 Teelöffel Natriumkarbonat (Soda)

Wirksam für die Entwicklung ist im Kaffee nicht das Koffein, sondern die Kaffeesäure. Ein Blick auf deren Strukturformel offenbart sofort Ähnlichkeiten mit Brenzcatechin, einer altbekannten Entwicklersubstanz(3) (Pyro).
Die Soda wird benötigt zur Herstellung und Pufferung der alkalischen Lösung.

Ich habe das Kaffee- und das Sodapulver vermischt und mit etwa 27 °C warmem Wasser angesetzt, es jedoch versäumt, die Brühe auf die üblichen 20 °C runterzukühlen.
Den Film habe ich direkt anschließend 25 Minuten lang entwickelt; dabei in der ersten Minute ständig und dann alle 30 Sekunden zweimal gekippt. Gestoppt habe ich wie üblich mit Wasser, fixiert in einem alkalischen Fixierbad.

FP4 in Rodinal und Caffenol
Vergleich der in Rodinal (li.) und Caffenol (re.) entwickelten Negative
Photo © Martin Frech

Ergebnisse:

  • Der Filmstreifen ist stark braun gefärbt; Caffenol ist ein färbender Entwickler (staining developer).
  • Die Färbung ist deutlich ungleichmäßig.
  • Die Empfindlichkeitsausnutzung ist — wie so oft — nicht sehr gut; etwa die Hälfte der Nennempfindlichkeit.
  • Die Negative lassen sich sehr gut scannen (die Beispielbilder habe ich als Dias/48-Bit-Farbe gescannt und mit Photoshop in schwarz-weiß gewandelt); ich habe sie noch nicht konventionell ausgearbeitet.
  • Für den Bildeindruck siehe Bildausschnitte:

FP4 entwickelt in Caffenol (klick ins Bild für große Ansicht)

FP4 in Caffenol (Detail)
Testbild auf FP4 plus, entwickelt in Caffenol (Detail)
Photo © Martin Frech

FP4 in Rodinal (klick ins Bild für große Ansicht)

FP4 in Rodinal (Detail)
Testbild auf FP4 plus, entwickelt in Rodinal 1+50 (Detail)
Photo © Martin Frech

Beim nächsten Mal werde ich zuerst die Soda komplett auflösen bevor ich den Kaffee einrühre.
Wie groß der Einfluß der Temperatur bei der Entwicklung mit Caffenol ist, weiß ich nicht. Verschiedene Quellen geben unterschiedliche Empfehlungen; ich werde mit den klassischen 20 °C weiterarbeiten.
Der Grad der Färbung soll von der Kaffeesorte und der Entwicklungszeit abhängig sein. Den Kaffee werde ich nicht wechseln — die Entwicklungszeit kann jedoch durch Zugabe von 2 g Vitamin C zu obigem Rezept (das gibt dann Caffenol C) deutlich auf etwa 12 Minuten verkürzt werden. Die Färbung soll dann fast verschwinden.

Den Fixierer ebenfalls durch etwas haushaltsübliches zu ersetzen, ist kaum möglich. Man könnte den Film zwar, wie weiland William Talbot seine Kalotypien, in Salzwasser baden. Das wäre jedoch keine dauerhafte Fixage, da die Silbersalze dabei nur in Silberchloride umgewandelt werden würden, die schwer löslich sind und daher in der Schlußwässerung kaum auswaschbar wären; die Schicht würde mit der Zeit schwarz werden. Schon Talbot hat daher bald (auf John Herschels Rat) mit Thiosulfat fixiert.

Für Caffenol gibt es neben Caffenol C noch Varianten zur bildmäßigen Entwicklung von Mikrofilmen (Caffenol LC und Caffenol LC+C). Die Zugabe von Salz zu Caffenol ergibt Caffenol Plus; die sichtbare Körnigkeit und der Schleier sollen damit reduziert werden.

Neben Kaffe gibt es noch andere mehr oder weniger haushaltsübliche Substanzen, die zur Filmentwicklung genutzt werden können, beispielsweise der schmerzlindernde und fiebersenkende Arzneistoff Acetaminophen/Paracetamol. Dessen Strukturformel hat Ähnlichkeiten mit p-Aminophenol, der entwicklungswirksamen Zutat in Agfa Rodinal. Der Entsprechende alternative Entwickler ist unter dem Namen Parodinal bekannt; ein Rezept findet sich auf den Seiten von Donald Qualls(4), die Entwicklungszeiten entsprechen denen von Rodinal. Bei flickr gibt es eine Gruppe zu diesem Thema(5). Eine allgemeinere Gruppe, die alle alternativen Entwickler umfasst, ist die homemade soup-Gruppe(6).

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Literatur:
(1) Williams, Scott: A Use for that Last Cup of Coffee: Film and Paper Development. Online im Internet. URL: http://www.rit.edu/˜andpph/text-coffee.html (Das ist die online-Version ohne Bilder eines Textes, der 1995 in der Zeitschrift Darkroom & Creative Camera Techniques erschienen ist.)
(2) http://www.digitaltruth.com/techdata/caffenol.php
(3) Junge, Karl-Wilhelm und Hübner, Günter: Fotografische Chemie. Aus Theorie uns Praxis. 5. verb. Aufl. Leipzig: VEB Fotokinoverlag, 1989.
(4) http://silent1.home.netcom.com/Photography/Dilutions%20and%20Times.html#Parodinal
(5) http://www.flickr.com/groups/parodinal/
(6) http://www.flickr.com/groups/53495661@N00/

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Tagundnachtgleiche, also wwp 22. September 2007

Posted by Martin Frech in Events.
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Morgen, am 23. September, steht die Sonne um 11:51 h MESZ im Herbstpunkt. Das ist der astronomische Herbstanfang und traditionell der Anlass, ein Panorama zu photographieren: als Beitrag zu The World Wide Panorama. Das Thema lautet diesmal „Sustenance“.
Jeder darf teilnehmen, sofern er sich an die Regeln hält!
Photographiert wird seit dem 19. September bis einschließlich morgen.
wwp-Logo
(Liste meiner bisherigen Beiträge)

Planfilmentwicklung 17. September 2007

Posted by Martin Frech in Technik.
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Planfilme trocknen
Photo: © Martin Frech

Bislang habe ich meine Planfilme nach alter Väter Sitte in der offenen Schale entwickelt. Das geht auch ganz gut — solange man in einem lichtdichten Raum arbeiten kann. Auf Reisen ist das jedoch nicht immer möglich. Daher habe ich mich nach einem anderen System umgesehen und bin auf den Combi-Plan-Tank aufmerksam geworden, einen Tageslichtentwicklungstank für Filmformate bis 4×5″.

Combi-Plan Tanksystem zur Filmentwicklung
Photo: © Martin Frech

Der Combi-Plan-Tank wird seit mehr als einem halben Jahrhundert unverändert produziert — für mich ein deutlicher Hinweis auf ein bewährtes Produkt. Und tatsächlich: es funktioniert bestens.

Der Filmträger nimmt bis zu sechs Planfilme auf (oder 12, wenn man jeweils zwei Rückseite an Rückseite einlegt). Oben gibt es einen lichtdichten Einlaß zum Befüllen (ein kleiner Trichter wird mitgeliefert), unten einen Abfluß. Der Gummideckel wird nur aufgedrückt, es gibt keine Klammern o.ä. zum Sichern.

Da ich mit dem Tank auch außerhalb der Dunkelkammer arbeiten möchte, nutze ich einen Dunkelsack, um die Filme aus den Kassetten in den Träger umzulegen. Ich wollte mich nicht lange mit Testen aufhalten, sondern gleich richtig loslegen. Also habe ich vier „richtige“ 4×5″-Planfilme (Ilford FP4+) entwickelt.

Das Befüllen und Entleeren des Tanks dauert jeweils ungefähr 30 Sekunden. Um keine ungleichmäßige Entwicklung zu riskieren, habe ich zehn Minuten lang entwickelt (Agfa Rodinal), mit Wasser gestoppt und wie gewohnt Fixiert. Gewöhnungsbedürftig ist für mich die große Flüssigkeitsmenge (1,2 Liter). Sonst unterscheidet sich die Handhabung kaum von der Arbeit mit einer Entwicklungsdose.

Für mich hat das System schon im ersten Einsatz prima funktioniert. Mein Tank ist lichtdicht und tropft nur wenig — und das wichtigste: ich sehe keine Unregelmäßigkeiten auf dem Negativ:
Wohnanlage von Rudolf Maté
Photo: © Martin Frech

Wie man mit mehreren Combi-Plan-Tanks eine klassische Tankentwicklung im kleinen praktiziert, beschreibt Eugene Singer in seinem Text Developing 4X5 Sheet Film: An Alternative Method.

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Neuerscheinung Deutsch 9. September 2007

Posted by Martin Frech in Eigenwerbung, Portfolio Druck.
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Duden Arbeitsheft Deutsch 4.
Hrsg. Hartmut Günther. 64 Seiten.
Beileger (16 Seiten): Kuhrt, Ellen: Spitze in Deutsch 4.
Berlin u. Frankfurt/M.: Duden Paetec, 2007.
ISBN: 978-3-89818-857-9

Arbeitsheft 21 x 29,7 cm; 4/4-farbig CMYK
Testheft (Beileger): 20 x 29 cm; 1/1-farbig schwarz
technische Umsetzung in Adobe InDesign

Technische Umsetzung, Reproduktionen und Herstellung durch uns.
Maas & Frech | medienfrech.de:
Buchgestaltung und Buchherstellung in Berlin
–> Kontakt

Schwarz-Weiß-Dia (Forts.) 8. September 2007

Posted by Martin Frech in Randgebiete-Projekt, Technik.
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In meiner Textskizze Der Weg zum Schwarz-Weiß-Dia habe ich die Entwicklung des chromogenen Schwarz-Weiß-Films Ilford XP2 Super im E6-Prozeß (Cross-Entwicklung) als eine Möglichkeit erwähnt, sw-Dias zu produzieren.
Inzwischen habe ich erste Tests durchgeführt.

Ilford XP2, E6-Entwicklung, Dias auf Leuchtkasten
Photo © Martin Frech

Testmotive: Architektur in kontrastreichem Licht
(Belichtungsreihen mit 27, 24 und 21° DIN)
normale E6-Entwicklung (jedoch doppelte Bleichbad-Zeit)

Ergebnisse:

  • Die Filmbasis ist nicht neutral, sondern leicht magentafarben.
  • Die Filmbasis hat eine Dichte von 0.3 — der belichtete Filmanfang erreicht eine Dichte von 1.9 (2.2).
    zum Vergleich die Werte des Kodak EBX (aus der gleichen Entwicklung): 0.14 und 3.26 (3.3)
  • Die Dias haben einen starken blau-grünen Farbstich.
  • Selbst die Belichtung mit einem E.I. von 21° DIN ist noch etwas knapp.
  • Der Kontrast ist zu gering.

Ein Testmotiv, als Farbdia gescannt:
Ilford XP2 zum Dia entwickelt
Photo © Martin Frech

Nach der Bearbeitung:
Ilford XP2 zum Dia entwickelt, bearbeitetes sw-Bild
Photo © Martin Frech

Mit etwas Bildbearbeitung kann man aus den so gewonnenen Dias zwar brauchbare Bilder erzeugen — wenn es nur darum ginge, könnte man sich den Umweg jedoch sparen.
Zum Projizieren taugen die Dias definitiv nicht. In einem weiteren Test werde ich den Film mit einem E.I. von 27° DIN belichten und um drei Blenden forciert entwickelt. Das sollte den Kontrast erhöhen und den Farbstich etwas mildern.
Ich denke jedoch nicht, daß ein cross-entwickelter XP2 jemals neutrale und kontrastreiche Schwarz-Weiß-Dias liefern wird.

Deutscher Herbst 5. September 2007

Posted by Martin Frech in Geschichte.
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1977 Stadtfest Tuebingen
Photo © Martin Frech

Im Oktober 1977 wurden in Tübingen die Leichen von Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe obduziert. Und ein Stadtfest gefeiert.

alte Filme entwickeln 3. September 2007

Posted by Martin Frech in Geschichte, Technik.
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Kürzlich habe ich mein altes Photolabor aufgeräumt. Dabei fand ich neben allerlei historischen Chemikalien drei belichtete Rollfilme: je eine Rolle Ilford HP5, Ilford Pan F sowie Kodak Technical Pan.
Die Umstände des Auffindens deuten drauf hin, daß ich die Filme vor etwa 20 Jahren belichtet habe — ich kann mich jedoch nicht mehr daran erinnern.

HP5, PAN F, TP 120
Photo © Martin Frech

Nun habe ich die Filme entwickelt. Ich wusste weder, was ich damals unter welchen (Licht-)Bedingungen aufgenommen, noch wie ich die Filme belichtet habe. Daher habe ich mich für Diafine als Entwickler entschieden — dessen ausgleichende Wirkung konnte wohl ebensowenig schaden wie die deutlich erhöhte Empfindlichkeitsausnutzung.

Ergebnisse:
Wie erwartet, sind die Aufnahmen nutzbar, die Filme jedoch deutlich wolkig verschleiert.

Dichte (= log O) unbelichteter Filmstellen bei einer Entwicklung nach etwa 20 Jahren (in Diafine):

Ilford HP5 (120) Ilford PAN F (120) Kodak TP 120
D = 0.4 D = 0.16 D = 0.16

Zum Vergleich habe ich zeitnah entwickelte Negative aus dieser Zeit aus meinem Archiv ausgemessen (gleiches Filmmaterial, andere Entwickler):

Ilford HP5 (120) Ilford PAN F (120) Kodak TP 120
D = 0.2 0.07 D = 0.12

Interessant ist, dass sich Kodaks Technical Pan am besten gehalten hat; vorherzusehen war, daß sich Ilfords HP5 aufgrund seiner Empfindlichkeit unbelichtet am deutlichsten verändert (ein Dichteunterschied von 0.3 entspricht der Durchlässigkeit der doppelten/halben Lichtmenge).

Aber selbst die HP5-Negative lassen sich gut scannen, die Ergebnisse sind nutzbar:

Saegebock
Photo © Martin Frech

Apropos Informationsspeicher: meine 5,25″-Disketten von damals kann ich heute nur noch an die Wand nageln.

Neuerscheinungen Mathematik 3. September 2007

Posted by Martin Frech in Eigenwerbung, Portfolio Druck.
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Fokus Mathematik, Gymnasium Nordrhein-Westfalen, Klasse 7.
Hrsg. Norbert Esper, Renatus Lütticken, Johannes Schornstein, Claudia Uhl. 232 Seiten.
Berlin: Cornelsen, 2007.
ISBN: 978-3-464-54007-7

Fokus Mathematik, Gymnasium Baden-Württemberg, Band 4.
Hrsg. Renatus Lütticken, Claudia Uhl. 240 Seiten.
Berlin: Cornelsen, 2007.
ISBN: 978-3-464-54028-2

Format: jeweils 19 x 26 cm; 4/4-farbig CMYK
technische Umsetzung in Adobe InDesign CS2 mit InMath
Grundschrift: Times LT (Stanley Morison)

Technische Umsetzung und Herstellung durch uns.
Maas & Frech | medienfrech.de:
Buchgestaltung und Buchherstellung in Berlin
–> Kontakt

Fokus Mathematik (Cornelsen)