jump to navigation

alte Filme entwickeln 3. September 2007

Posted by Martin Frech in Geschichte, Technik.
Tags: , , , , , , ,
trackback

Kürzlich habe ich mein altes Photolabor aufgeräumt. Dabei fand ich neben allerlei historischen Chemikalien drei belichtete Rollfilme: je eine Rolle Ilford HP5, Ilford Pan F sowie Kodak Technical Pan.
Die Umstände des Auffindens deuten drauf hin, daß ich die Filme vor etwa 20 Jahren belichtet habe — ich kann mich jedoch nicht mehr daran erinnern.

HP5, PAN F, TP 120
Photo © Martin Frech

Nun habe ich die Filme entwickelt. Ich wusste weder, was ich damals unter welchen (Licht-)Bedingungen aufgenommen, noch wie ich die Filme belichtet habe. Daher habe ich mich für Diafine als Entwickler entschieden — dessen ausgleichende Wirkung konnte wohl ebensowenig schaden wie die deutlich erhöhte Empfindlichkeitsausnutzung.

Ergebnisse:
Wie erwartet, sind die Aufnahmen nutzbar, die Filme jedoch deutlich wolkig verschleiert.

Dichte (= log O) unbelichteter Filmstellen bei einer Entwicklung nach etwa 20 Jahren (in Diafine):

Ilford HP5 (120) Ilford PAN F (120) Kodak TP 120
D = 0.4 D = 0.16 D = 0.16

Zum Vergleich habe ich zeitnah entwickelte Negative aus dieser Zeit aus meinem Archiv ausgemessen (gleiches Filmmaterial, andere Entwickler):

Ilford HP5 (120) Ilford PAN F (120) Kodak TP 120
D = 0.2 0.07 D = 0.12

Interessant ist, dass sich Kodaks Technical Pan am besten gehalten hat; vorherzusehen war, daß sich Ilfords HP5 aufgrund seiner Empfindlichkeit unbelichtet am deutlichsten verändert (ein Dichteunterschied von 0.3 entspricht der Durchlässigkeit der doppelten/halben Lichtmenge).

Aber selbst die HP5-Negative lassen sich gut scannen, die Ergebnisse sind nutzbar:

Saegebock
Photo © Martin Frech

Apropos Informationsspeicher: meine 5,25″-Disketten von damals kann ich heute nur noch an die Wand nageln.

Kommentare»

1. isabel oestreich - 5. Juni 2008

guten tag,
ich bin zufällig auf dieser seite gelandet und suche eine person , die mir weiterhelfen kann. ich habe einen belichteten alten kodakfilm VP620 verichrome pan film, und würde diesen gerne entwickeln lassen. meine frage an sie wäre nun, ob sie eine idee haben.
mit freunlichen grüßen aus köln , isabel oestreich

2. Martin Frech - 10. Juli 2008

Kodak Verichrome Pan (VP) ist ein Schwarzweiss-Film, der nicht mehr hergestellt wird. Die Bezeichnung VP620 deutet darauf hin, dass Ihr Film ein Rollfilm vom Typ 620 ist. Bis auf den Spulenkern entspricht dieses Format eigentlich dem üblichen Typ 120; daher kann man den Film in den üblichen Entwicklungsdosen entwickeln. Selbst das Datenblatt zu diesem Film finden Sie noch im Kodak-Web-Angebot.
Je nachdem, wie der belichtete Film gelagert wurde, besteht durchaus die Chance, noch brauchbare Negative zu entwickeln (vorausgesetzt er wurde korrekt belichtet). Idealerweise nimmt man einen kräftig arbeitenden Entwickler, der den Grundschleier nicht deutlich anhebt (HC-110, Microphen, XTOL etc.) — mir wäre jedoch der Schleier nicht so wichtig, ich würde eher die Vorzüge eines stark ausgleichenden Entwicklers nutzen und in Diafine entwickeln (s.o.).
Kurz gesagt: jedes Schwarzweiss-Fachlabor kann Ihnen diesen Film entwickeln. Sollten Sie in Köln niemanden finden, können Sie den Film auch gerne zu mir nach Berlin schicken.

3. Dr. Heinz Anderle - 15. August 2008

Der Grundschleier (oder die Grundschwärze) verändert sich durch die radioaktive und kosmische Hintergrundstrahlung, in der Geschwindigkeit durch die Filmempfindlichkeit bestimmt, selbst bei Tiefkühllagerung unaufhaltsam. Kürzlich ersteigerte unbelichtete 100 ASA-Diafilme von 1990 – 1992 zeigten eine schwächere Grundschwärze mit leichtem Blauviolettstich, während die Farbwiedergabe und die Empfindlichkeit sonst unverändert geblieben waren.

4. Stephanie Wahl - 31. August 2009

Hallo!

Vor Kurzem haben wir das Haus meiner verstorbenen Großeltern ausgeräumt. Dabaei habe ich einen alten Fotoappüarat PORST pocketpak 1002 gefunden, der einen AGFA Film Typ Agfacolor XRG 200, Process AP 70/C41 gefunden. Im Fotogeschäft wurde mir gesagt, dass diese Filme seit zwei Jahren nicht mehr entwickelt werden. Gibt es da trotzdem noch eine Chance?

Viele Grüße

5. Martin Frech - 31. August 2009

Die Information aus dem Photogeschäft ist falsch.
Es handelt sich bei Ihrem Film um einen 110er-Pocketfilm. Diese Art Filme können Sie sogar noch neu kaufen — die Entwicklung ist gar kein Problem (sie können also sogar die Kamera weiter verwenden).
Ich habe erst kürzlich eine solche Kassette beim Drogeriemarkt Schlecker zur Entwicklung abgegeben (das geht zum Großlabor Cewe), nach etwa einer Woche hatte ich die entwickelten Negative samt Abzügen.
Lassen Sie sich jedoch nicht davon abschrecken, dass Sie auf der Auftragstasche kein Ankreuz-Feld für 110er-Kassetten finden; einfach Film rein, abgeben und warten.

6. Stephanie Wahl - 2. September 2009

Vielen Dank!
Das werde ich versuchen!

Viele Grüße

7. Barbara Lutz - 24. März 2010

auch ich bin durch zufall auf diese seite gestoßen.
ich bin vor kurzem in den besitz einer agfa box 44 gekommen, dort war noch ein agfa b2 film drin. der ist sicherlich schon älter als 20 jahre und ich würde ihn unheimlich gerne entwickeln lassen, auch auf die gefahr hin, dass dabei nichts rauskommt. selbst wenn es nur noch schemenhafte bilder wären – ich fänd das großartig :)
ich wohne auch in berlin und war heute in neukölln bei asa90, dort wurde mir gesagt, ich könne das total vergessen und solle mir das lieber als historischen film aufheben.
ich möchte das ding aber auch ungern in ein großlabor geben, die haben mir schon andere filme verhunzt und man hat einfach keinen einfluss auf das, was die damit machen.
meine frage nun: was glauben sie, bringt das entwickeln noch was? und haben sie einen tip, an wen ich mich in berlin wenden könnte?
liebe grüße,
barbara

8. Martin Frech - 24. März 2010

Die 44 ist die sog. Preisbox/Vier-Mark-Box, die in den 1930er-Jahren hergestellt wurde, der Film wird wohl ein Isochrom-Rollfilm und damit deutlich über 20 Jahre alt sein.
Der Isochrom war ein mittelempfindlicher sw-Film (umgerechnet etwa ISO 50). Der kann natürlich noch von jedem engagierten Laboranten entwickelt werden (auf keinen Fall ins Großlabor!). Es gilt das oben im 2. Kommentar geschriebene.

9. Clemens Herrmann - 19. Mai 2010

Hallo Herr Frech!
Ich habe einen alten Agfacolor Negativfilm aus einer noch älteren Kamera meines Vaters geborgen und würde ihn gern entwickeln lassen.
Die Bezeichnung auf der Dose lautet 20CN17 und dann steht da noch PAT135.
Da das für mich nicht wirklich verständlich ist, bin ich in ein Fachgeschäft gegangen. Dort bekam dann ein etwa 50jähriger Mitarbeiter große Augen und sagte mir, dass diese Filme schon lange nicht mehr entwickelt werden können, weil wohl keine passenden Chemikalien mehr zur Verfügung stünden… und er solche Filme nur aus seiner Lehrzeit kennt…:-)
Hätten Sie einen Tip für mich, wie ich evtl. doch noch an die Bilder komme?
Viele Grüße
Clemens

10. Sebastian - 6. September 2011

Es mag etwas spät sein, aber es gibt tatsächlich eine Firma, die solche Filme noch entwickelt. Kostet natürlich merklich mehr als moderne Verfahren: http://www.processc22.co.uk/

11. Meta: Was meine Leser interessiert (und ein bisschen Statistik) « Notizen zur Photographie - 11. Februar 2012

[…] alte Filme entwickeln (Sep. 2007, etwa 2.000 Aufrufe) […]

12. Verena - 22. Mai 2012

Kann hier einem Mädchen von 15 Jahren weitergeholfen werden?

Weiß jemand , wo ich für den Fotoapperat Agfa Isorette noch die Filme Afga B-2 Isopan oder Isochrom bekomme? Wenn wie teuer wären dann diese?
Es wäre wirklich nett, wenn das jemand wüsste, denn ich interessiere mich wirklich sehr für alte Objekte und würde sie gern selbst einmal ausprobieren.
Vielen Dank!

Martin Frech - 24. Mai 2012

Verwenden Sie handelsüblichen 120er-Rollfilm egal welcher Marke (Isopan- bzw. Isochrom-Filme waren Agfa-Filme der frühen Jahre).
Zu kaufen gibts Rollfilme im gutsortierten Foto-Fachhandel bzw. online.
Für weitere Infos fragen Sie hier bitte nochmal konkret nach.

13. Meta: die meistgelesenen Beiträge auf “Notizen zur Photographie” | Notizen zur Photographie - 27. Juli 2013

[…] alte Filme entwickeln […]

14. Chris - 26. Januar 2014

Hallo!

Ich habe hier einen teilweise belichteten Film noch in der (Kompakt)kamera Farbwelt 36, 200/24″ Prozess C-41 Kann ich diesen nun einfach zurückspulen, und zum Standard-Entwickeln schicken (hab das seinerzeit immer beim dm machen lasen), oder ist nach dieser Zeit eine Sonderbehandlung nötig?

Martin Frech - 26. Januar 2014

Hallo Chris,
ja, das geht. C-41 ist noch immer der Standard-Prozess und die Entwicklung via dm funktioniert nach wie vor (habe ich erst letzte Woche wieder dort machen lassen).

15. Michael Günther - 3. Juli 2014

Hallo: Ich habe hier zwei Fotokamera-(Kleinbild-)Filme aus den frühen 40ern. Einer ist (anscheinend) ein „Isopan F Feinkorn Film“ von Agfa („17°/10 DIN“), der andere Film ein „Ferrania Ortocromatica Grana Fine 28° Isopan F“. Besteht eine Chance, dass man da noch was entwickeln kann? Leider kann ich als Laie keine weiteren Angaben machen. Grüße

Martin Frech - 3. August 2014

Schwarzweißfilme kann man prinzipiell alle noch entwickeln, egal wie alt diese sind. Der Isopan F ist ein Klassiker; in einem entsprechenden Datenblatt sind für den Isopan F 17/10° für Rodinal 1+75 14 bis 18 Minuten Entwicklungszeit angegeben (einen so alten Film kann man sicherheitshalber etwas länger entwickeln).
Von dem Ferrania-Film habe ich zwar noch nichts gehört, es scheint aber auch ein sw-Film zu sein, der natürlich auch noch entwickelt werden kann. Zur Probe kann man ein kleines Stückchen Film abschneiden und mit diesem eine Testentwicklung machen.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s