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sofobomo 2009 | ORWO NP 20 15. Mai 2009

Posted by Martin Frech in sofobomo, Technik.
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Mitte der 1980er-Jahre habe ich in Essen projektbezogen eine größere Menge Rollfilme vom Typ ORWO NP 20 gekauft. Einige sind damals übriggeblieben und befinden sich noch in meinem Filmlager.

ORWO NP20
ORWO NP 20
Photo © Martin Frech, Berlin

Nun steht mein sofobomo-Projekt 2009 an und ich dachte darüber nach, die Aufnahmen mit diesem NP-20-Restbestand anzufertigen.
Zum sofobomo-Konzept gehört, dass die Teilnehmer über den Werdegang ihrer Projekte berichten — daher will ich meine Überlegungen zur Filmwahl hier kundtun.

Die Filme sind im August 1990 abgelaufen und waren all die Jahre nicht fachgerecht gelagert; das sollte mittelempfindlichem Schwarzweiss-Material jedoch nicht allzuviel anhaben.
Ich habe dennoch einige Testaufnahmen gemacht.

NP-20-Kleber_blog
ORWO: Original Wolfen (Markenname für Produkte des VEB Fotochemisches Kombinat Wolfen/DDR); N: Negativfilm; P: panchromatisch sensibilisiert; 20: 20 DIN

NP 20 läßt sich in allen gängigen Entwicklern verarbeiten. Jedem Film liegt ein ausführlicher Zettel bei, auf dem als bevorzugte Entwickler A03, R09 und A49 aufgeführt sind. A03 ist ein Feinkorn-Entwickler für die Tank- und Maschinenentwicklung, R09 entspricht im wesentlichen Rodinal und A49 ist ein Feinstkornentwickler (wird heute als ADOLUX ATM 49 vertrieben). Sowohl A49 als auch Rodinal habe ich neben XTOL und HC-110 immer vorrätig.

Ich habe mich für Rodinal entschieden. Zu den Entwicklungszeiten macht der Zettel keine Angaben, es gilt die ORWO-Vorschrift 1100.
In meiner Bibliothek befindet sich das sehr ausführliche Datenblatt zum NP-20-Nachfolger NP 22 sowie das Buch Fotografische Chemie von Junge/Hübner. Für Rodinal (1+40) werden in beiden Publikationen 9-11 Minuten Entwicklungszeit bei 20 °C und ständiger mäßiger Bewegung empfohlen.

Für meinen ersten Test habe ich für den NP 20 einen E.I. von 17 DIN festgelegt und das Negativ (vorgewässert) 12,5 Minuten lang entwickelt. Das ergab etwa folgende Dichten:

Minimale Dichte (b&f) 0.22
Zone III V VIII X
Dichte über Unterlage und Schleier 0.38 0.63 1.26 1.6

Diese Werte sind ok. Für die minimale Dichte des NP 22 (Rollfilm) gibt das Datenblatt einen Wert von 0.15 an. Es ist klar, dass ein so deutlich überlagerter Film eine höhere Grunddichte aufweist als das frische Material (hier etwa zwei Blenden). Das stört mich jedoch nicht, da belichte ich später einfach durch.

Die nächste Rolle habe ich dann für mehr Kontrast mit 14 Minuten etwas länger entwickelt und bin mit den Ergebnissen zufrieden; vielleicht sollte ich noch etwas reichlicher belichten.
Zum Vergleich habe ich jedes Motiv außerdem auf Kodak T-Max 400 (TMY-2) belichtet.
Die Testaufnahmen habe ich auf Ilford Multigrade IV vergrößert und mit dem Epson V750 gescannt.

2009_sofobomo_Test-NP20_Print_Detail
Testmotiv (100%-Ausschnitt aus 300-dpi-Scan, png-Datei)
ORWO NP 20 (17 DIN), Agfa Rodinal 1+40,
6,7-fach linear vergrößert auf Ilford MG IV

2009_sofobomo_Test-TMY-2_Print-Detail
Testmotiv (100%-Ausschnitt aus 300-dpi-Scan, png-Datei)
Kodak T-Max 400 (24 DIN), Kodak XTOL 1+2,
6,7-fach linear vergrößert auf Ilford MG IV

2009_sofobomo_Testmotiv-NP20_Print_450px
ORWO NP 20 (17 DIN), Agfa Rodinal 1+40, vergrößert auf Ilford MG IV
Photo © Martin Frech, Berlin

2009_sofobomo_Testmotiv-TMY-2_Print_450px
Kodak T-Max 400 (24 DIN), Kodak XTOL 1+2, vergrößert auf Ilford MG IV
Photo © Martin Frech, Berlin

Das soll kein Vergleich von NP 20 und 400T-Max sein!
Vielmehr ging es mir darum, beide Filme auf die Tauglichkeit für mein konkretes Projekt abzuklopfen. Die hier gezeigten Scans sind zudem rein illustrativ. Was für mich zählt, ist die Anmutung der Vergrößerung. Und da macht der NP 20 eine überraschend gute Figur, die Aufnahmen sind jedoch teilweise wolkig verschleiert.
Ich werde meine NP-20-Restbestände aus folgenden Gründen dennoch nicht verwenden:

  1. Ich kann nicht sicher sein, dass jede der NP-20-Rollen von gleicher Qualität ist und Aufnahmen zu wiederholen ist bei diesem engen Zeitplan nicht angenehm.
  2. Da ich in Innenräumen mit vorhandenem Licht arbeiten werde, sind mir 15-17 DIN eine zu geringe Empfindlichkeit (laut der Tabelle für den NP 22 muss der Film bei einer gemessenen Belichtungszeit von 5 s schon 2,3mal so lange belichtet werden um den Schwarzschildeffekt auszugleichen, bei 30 s muss man daher schon 2 Minuten belichten).
  3. Die Vergrößerungen zeigen keinen speziellen NP-20-Look, der diese Nachteile aufwiegen würde.
  4. Ich habe keine sentimentalen Erinnerungen an diesen Film.
  5. Warum soll ich dann auf Aufnahme-Komfort und Bildqualität verzichten?

Kommentare»

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[…] sofobomo 2009 | ORWO NP 20 (15.05.2009) […]

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5. dreister Bilderklau « Randgebiete /Labor - 4. August 2009

[…] haben, dass es sich um ein Bild handelt, das ich angefertigt habe zur Illustration meines Beitrags sofobomo 2009 | ORWO NP 20 vom 15. Mai 2009. Obwohl es rechtlich gar nicht nötig wäre, ist dort sogar vermerkt, […]

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