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Frank Doering: Der Weg am schwarzen Fluss 18. März 2013

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Fotoausstellung, schaelpic photokunstbar.
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Am vergangenen Freitag haben wir mit einer Vernissage die Ausstellung Transition I. Der Weg am schwarzen Fluss mit Bildern von Frank Doering eröffnet. Noch bis zum 15. Mai 2013 sind die Fotografien in der schaelpic photokunstbar in Köln zu sehen.

Impression von der Vernissage; Foto: Andrea Otto/AfM
Impression von der Vernissage; Foto: Andrea Otto/AfM

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache gehalten, die ich hier dokumentiere.

Hinweise zu Frank Doerings Arbeit
Der Weg am schwarzen Fluss

© 2013 Martin Frech, randgebiete.de (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Wir bespielen diesen Projektraum im achten Jahr — zwölf Ausstellungen haben wir bislang gezeigt.

Dieses Jahr ist für uns das „Jahr des Weges“; unser diesjähriges Programm hat als Überschrift „Transition I bis III“; wir zeigen Landschaftsfotografie.

„Transition“ steht für „Übergang“ oder „Überleitung“, das englische „transition“ bedeutet auch „Durchquerung“.

Für uns ist die Ambivalenz des Begriffs „Transition“ interessant: zum einen kann man darunter den konkreten Weg von einem Ort zum anderen verstehen, zum anderen aber auch eine Zustandsänderung.

In den drei Ausstellungen werden wir drei fotografische Positionen präsentieren, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema „Weg“ befassen.

Wir starten heute mit „Transition I“ und zeigen Frank Doerings Fotos einer alten Handelsroute aus dem Himalaya.
Im Mai sehen Sie hier meine Bilder eines Uferwegs aus Berlin
und voraussichtlich im Oktober zeigen wir Tobias D. Kerns Annäherung an Martin Heideggers Feldweg.

Bilder und Texte zu unserem Projektraum und zu allen unseren Ausstellungen finden Sie auf unserer Website schaelpic.de.

Der Titel zu Frank Doerings Ausstellung, die wir heute eröffnen, lautet „Der Weg am Schwarzen Fluss“. Frank zeigt uns Landschaftsfotografien, die 2011 während einer Trekkingtour durch das ehemalige Königreich Mustang in Nepal entstanden sind.

Nepal liegt in Südasien, salopp gesagt eingeklemmt zwischen der VR China im Norden (konkret: dem Autonomen Gebiet Tibet) und Indien im Süden.
Das Land ist nicht halb so groß wie Deutschland und hat ungefähr 27 Mio. Einwohner. Nepal wird seit fünf Jahren formal demokratisch regiert, die Hauptstadt ist Kathmandu.

Im Norden und Osten Nepals liegt ein großer Teil des Himalaya-Gebirges, unter anderem der Mount Everest und sieben weitere der zehn höchsten Berge der Erde. Da wundert es mich nicht, dass Nepal das durchschnittlich höchstgelegene Land der Welt ist: Über 40 % des Landes liegen höher als 3000 m.

Der titelgebende Schwarze Fluss ist der Kali Gandaki, einer der großen Flüsse Nepals. (Schwarz erscheint der Fluss allerdings nur aufgrund von dunklen Ablagerungen, das Wasser ist wie üblich).

Das Quellgebiet des Kali Gandaki liegt in Nepal, im „Oberen Mustang“; das Wasser fließt über den Ganges in den Indischen Ozean.

Mustang ist ein Distrikt Nepals und liegt im Norden des Landes an Grenze zur VR China.
Die nördlichen Zweidrittel dieses Mustang sind das „Obere Mustang“. Dort war Frank unterwegs.

Franks Interesse am Buddhismus war ihm — neben seiner Faszination für diese Landschaft — ein wichtiger Antrieb für die Reise.
(Der Arbeitstitel für die Fotoserie lautete „Eine Annäherung an den Ursprung des tibetischen Buddhismus“.)

Der Buddhismus kommt aus Indien, Tibet liegt im heutigen China.
Nepal war bis 2006 das einzige Land der Welt, in dem der Hinduismus Staatsreligion war; 80 % der Nepalesen sind Hindus, nur 9 % gelten als Buddhisten.
Da habe ich mich in meiner Unkenntnis gefragt, warum man gerade nach Nepal geht, um dem Buddhismus nachzuspühren.

Nun, das liegt eben daran, dass Staatsgrenzen nur selten Kulturräume begrenzen; vor allem, wenn sich Kolonialmächte bei den Grenzziehungen eingemischt haben.

Das Gebiet war früher das unabhängige buddhistische Königreich (man liest auch: Fürstentum) Mustang.
Dieses Königreich wurde nach knapp 400 Jahren Unabhängigkeit im 18. Jh. vom angrenzenden Nepal annektiert. Nepal hieß damals noch Gorkha.
Mustang war auch zu Zeiten der Selbständigkeit sprachlich und kulturell immer an seinen großen Nachbarn Tibet gebunden.

Dieses Erbe wirkt nach. So wird das Gebiet „Lo“ (= Süden) genannt, obwohl es im Norden Nepals liegt. Die Sprache der Lopa (das sind die Einwohner Mustangs) ist ein tibetischer Dialekt — noch immer ist die Kultur dort stark vom historischen Tibet geprägt. Auch der von den Lopa praktizierte Buddhismus entspricht im wesentlichen dem der Tibeter.

Das heutige Mustag wird denn auch dem südtibetischen Kulturraum zugeordnet, der an seinen südöstlichen Rändern über das festlandchinesische Staatsgebiet hinausreicht. Bhutan oder die indische Region Ladakh gehören beispielsweise auch dazu.

Doch zurück zu Franks Reise.

Mustang ist ein Schutzgebiet und kaum besiedelt, jedoch ein beliebtes Reiseziel für Trekkingtouristen und Bergsteiger aus aller Welt.
Das Gebiet war lange Zeit gesperrt, weil sich buddhistische Kämpfer im Tibet-Konflikt mit China dorthin zurückgezogen hatten.
Erst seit etwa 20 Jahren ist Mustang für Touristen zugänglich: Seit 1992 wird etwa 2000 Besuchern pro Jahr eine Einreisegenehmigung erteilt, die sich die Behörden teuer bezahlen lassen. (Nepal war 2010 übrigens auf Rang 146 von 178 des Korruptions-Index von Transparency Int.)

Frank hat an einer Trekkingtour in einer Gruppe von 14 Personen (plus Sherpas) teilgenommen; die Reise dauerte drei Wochen im November 2011. Das ist für diese Gegend die beste Reisezeit, es herrschen dann — zumindest tagsüber — angenehme Temperaturen und die Bergsicht ist klar.

Die Wanderung war ein Rundweg. Er begann in Jomsom auf etwa 2700 m Höhe, später wurden dann auf Pässen Höhen bis über 4000 m erreicht. Über Kagbeni ging es bis nach Lo Manthang — immer entlang am Westufer des des Kali Gandaki.

Lo Manthang wurde im 14. Jahrhundert gegründet. Es ist die ehemalige Hauptstadt des früheren Königreichs Mustang; alte buddhistische Klosteranlagen sind dort zu sehen. Heute leben dort etwa 1000 Menschen.

Lo Manthang war der Wendepunkt der Tour. Von dort ging es an der Ostseite des Flusses wieder zurück.

Das Tal des Kali Gandaki gilt als die tiefste Schlucht der Erde. Der Fluss fließt auf einer Höhe von 1.300 m–2.600 m — also etwa 6000 m tiefer als die höchsten Berge der Umgebung: Der Dhaulagiri und die Annapurna sind beides Achttausender.

In diesem Tal verlief über Jahrhunderte eine wichtige Handelsroute zwischen Tibet und Indien; vor allem Salz und Reis wurden hier transportiert.

Damit sind wir wieder bei unserem Jahresthema.

Franks Fotos stehen für eine konkrete Bedeutung des Begriffs „Weg“: Eine Verbindung zweier Orte, die genutzt wird, von einem Ort zum anderen zu gelangen.
Genauso wurde dieser Weg lange Zeit genutzt.

Für die Touristen hat dieser Weg jedoch nicht mehr diese Bedeutung. Der alte Weg existiert zwar weiterhin, die neuen Nutzer gehen auch noch die gleiche Strecke, jedoch nicht mehr den ganzen Weg — und aus vollkommen anderen Gründen.

Diesen Aspekt von „Weg“ werde ich mit meinen Fotos eines Uferwegs genauer untersuchen, die Sie dann im Mai hier sehen können.

In Tobias‘ Arbeit wird der Begriff des Weges weiter abstrahiert. In seinem Projekt dient der prinzipiell austauschbare konkrete Weg nur noch als Metapher.

Frank hat auf seiner Wanderung mit einer handlichen Mittelformatkamera schwarzweiß auf Film fotografiert — Sie sehen hier selengetonte Barytabzüge.
Die Prints existieren in begrenzter Auflage — Frank würde sich über Käufer freuen.

Mit Tobias hat Frank einen Unterstützer gefunden, der ihm die Negative nach allen Regeln seines Handwerks perfekt aufs Papier gebracht hat: schwarzweiße Landschaftsfotografie in der großen Tradition dieses Genres — genießen Sie diese wirklich schöne Ausstellung!

aus Frank Doerings Serie "Der Weg am schwarzen Fluss"
Foto: Frank Doering, Köln

Transition I
Frank Doering: Der Weg am schwarzen Fluss
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
18. März 2013 bis 15. Mai 2013
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)

Kommentare»

1. Heideggers Feldweg | Notizen zur Photographie - 24. Oktober 2013

[…] I — III komplett: Transition I: Frank Doering: Der Weg am Schwarzen Fluss meine Einführung: Frank Doering: Der Weg am schwarzen Fluss Transition II: Martin Frech: Uferzonen Pressemitteilung: Martin Frech: Uferzonen […]


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