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Worin besteht die Relevanz emulsionsbasierten Fotografierens? 29. September 2014

Posted by Martin Frech in Gedanken, Markt, schaelpic photokunstbar, Technik.
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Foto- und Medienkünstler, die emulsionsbasiert arbeiten, haben zunehmend Probleme mit der Materialbeschaffung.

Sie haben gegenüber den Kollegen in den anderen Sparten — beispielsweise den Malern oder Bildhauern — das Problem, dass sie am Tropf einer Industrie hängen. Und zwar einer Industrie, die mit der angewandten Fotografie und den Vorführkopien des Kinos groß geworden ist. Zu groß für heutige Verhältnisse.

Die angewandten Fotografen sind umgestiegen und im Kino werden Bilder aus Daten projiziert. Jetzt reicht die Material-Nachfrage der Fotokünstler offenbar nicht, um die industrielle Produktion zu finanzieren. Also verschwinden die Produkte vom Markt.

Die Künstler haben jedoch ernsthafte Gründe, an ihrem Material festzuhalten.
Was tun, wenn man weiterhin emulsionsbasiert arbeiten will?

Judith Joy Ross hat mit der Schwarzweiß-Fotografie aufgehört, als ihre Vorräte an Auskopierpapier aufgebraucht waren. Manfred Hamm hört mit der Farbfotografie auf, weil sein bevorzugtes Diamaterial nicht mehr erhältlich ist.

Eine andere Möglichkeit ist, sich von Industrieprodukten unabhängig zu machen; wie beispielsweise die Kollegen von der Nassplatten-Fraktion, die ihr Material selbst beschichten oder Lomig Perrotin, der in Frankreich primitive Rollfilme selbst herstellt.

Eine weitere Möglichkeit wären staatliche Subventionen zum Erhalt der Film- und Fotopapierproduktion.

Das — und den Welterbe-Titel für den fotochemischen Film — fordert beispielsweise die Medienkünstlerin Tacita Dean. Denn wenn eine Filmfabrik erst abgewickelt ist, wären die Schwierigkeiten enorm, die Produktion wieder neu zu starten.

Als ob das Materialproblem nicht schon schlimm genug wäre, habe ich zudem von Kollegen gehört, die sich für das Festhalten an ihrer Arbeitsweise rechtfertigen müssen. Im Sinne von: steig‘ doch endlich um — digital ist doch eh‘ viel besser.

Wäre es nicht sinnvoller, die Kollegen in ihrem Tun zu bestärken: „Don’t kill film, shoot it“ — und sich nebenbei dafür einzusetzen, dass diese Kulturtechnik erhalten bleibt?

Worin besteht heute die Relevanz emulsionsbasierten Fotografierens?

(Aus meiner Einführung zur Podiumsdiskussion „Silber gegen Bytes“ im Museum für angewandte Kunst Köln am 19.09.2014.)

Silber und Bytes | Silber gegen Bytes: Podiumsdiskussion
Silber und Bytes | Silber gegen Bytes; Podiumsdiskussion: Rolf Sachsse (HBKsaar Saarbrücken), Reinhard Matz (Fotograf, Autor und Künstler aus Köln), Miriam Halwani (Museum Ludwig), Thomas Bachler (Künstler aus Dresden) (v.li.).
Foto: Markus Bollen

 
 


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Walter Keller (* 1953, † 2014) 11. September 2014

Posted by Martin Frech in Geschichte.
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Walter Keller war eine wichtige Person in der internationalen Fotokunst-Welt. Der studierte Volkskundler und Germanist (1973 bis 1978 in Zürich und Berlin), arbeitete als Verleger, Redakteur, Berater, Buchhändler, Kurator und Galerist.
Am 1. September ist er im Alter von nur 61 Jahren in Zürich gestorben.

Einige berufliche Stationen:

1978 gründete Keller gemeinsam mit Niklaus Wyss die Zeitschrift „Der Alltag — Die Sensation des Gewöhnlichen“ die volkskundlich auf die Schweizer Kulturlandschaft blickte.

1984 gründete er zusammen mit Jacqueline Burckhardt, Bice Curiger, Dieter von Graffenried und Peter Blum die Kunstzeitschrift „Parkett“. Jede der deutsch-englischen Ausgaben entsteht in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Künstlerinnen/Künstlern.

Von 1991 bis 2006 existierte sein Fotobuchverlag „Scalo“, eine wichtige Adresse im internationalen Fotobuch-Geschäft.

1993 gründete er mit George Reinhart und Urs Stahel das Fotomuseum Winterthur.

Nach Stationen bei der Zeitschrift „Du“ und bei „Lumas“ betrieb er ab 2010 in Zürich die „Galerie Walter Keller“.

Nachruf von Urs Stahel in der NZZ: Der schlaksige Derwisch stakst nicht mehr durch die Stadt: http://www.nzz.ch/zuerich/zuercher_kultur/der-schlaksige-derwisch-stakt-nicht-mehr-durch-die-stadt-1.18376147 [2014-09-11]

Nachruf von Simone Meier auf watson: Walter Keller ist tot. Jetzt steht die Schweizer Kunstwelt für einen Moment still: http://www.watson.ch/!346472992 [2014-09-11]

 
 


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