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Zur Geschichte des Selbstportraits (Buch) 18. März 2015

Posted by Martin Frech in Buchvorstellung.
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Kürzlich habe ich an dieser Stelle kurz über Selfies und Selbstportraits geschrieben. Im Folgenden stelle ich ein Buch vor, das gut für den Einstieg ins Thema geeignet ist: Selbstporträts von Ernst Rebel (1).

Neben einem einführenden Text stellt der Autor im Bildteil Werke von 35 Künstlern vor und schlägt dabei einen Bogen vom 12. Jahrhundert bis heute. Berücksichtigt sind jedoch nur gemalte Bilder; Fotografien und Plastiken bleiben leider außen vor.

In seinem kunsthistorischen Aufsatz „Künstler im Brennpunkt ihres eigenen Blicks“ (S. 6–25 im besprochenen Band) geht Ernst Rebel der Frage nach, warum sich Künstler überhaupt selbst abbilden (sie zeigen, wie sie von anderen gesehen werden wollen) und seit wann sie das tun (seit dem 14. Jahrhundert).
Rebel streift kurz die Vorgeschichte von der Antike bis zum Mittelalter. Damals gab es unseren Künstler-Begriff noch nicht und die Dokumentation der Autorenschaft war unüblich bzw. von den Auftraggebern nicht gerne gesehen.
Das änderte sich in der Renaissancezeit, als die Künstler begannen, sich von den Artifexen (Handwerkern) zu unterscheiden. Sie signierten ihre Werke und fertigten Selbstportraits an; als das früheste autonome Selbstbildnis gilt van Eycks Gemälde von 1433.
Seitdem hat sich wahrscheinlich jeder Künstler auf diese Weise mit sich selbst beschäftigt — Ernst Rebel greift einige Highlights der Kunstgeschichte heraus und erklärt die jeweilige Bedeutung der einzelnen Werke.
Die Abhandlung endet mit Max Ernst und Francis Bacon. Im Bildteil sind mit David Hockney, Albert Oehlen, Jeff Koons und Gerhard Richter dann auch zeitgenössische Künstler berücksichtigt.

Insgesamt bietet der schmale Band eine kompakte Einführung ins Thema. Erzählt wird jedoch ausschließlich die männlich dominierte europäische Kunstgeschichte, aus einer deutlich konservativen Perspektive. Schade auch, dass nur die Malerei berücksichtigt ist.

(1) Rebel, Ernst: Selbstporträts. Hg. Norbert Wolf. Köln, 2008: Taschen. 96 S., zahlr. Ill. ISBN: 978-3-8228-5459-4.
 
 


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Das Selfie — wer hat’s erfunden? 6. März 2015

Posted by Martin Frech in Gedanken, Geschichte.
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Selfies sollte man m.E. nicht mit dem klassischen Selbstportrait gleichsetzen; insofern sind die allfälligen Hinweise auf Robert Cornelius (1809–1893) zwar interessant, führen jedoch nicht weiter. Und Albrecht Dürers (1471–1528) „Selbstbildnis im Pelzrock“ von 1500 ist eben ein gemaltes Selbstportrait, aber kein Selfie. Eher schon Girolamo Francesco Maria Mazzolas (Parmigianino, 1503–1540) etwas später entstandenes „Selbstporträt im konvexen Spiegel“, das zumindest formal an ein Selfie erinnert und jedenfalls als Vorläufer von Maurits Cornelis Eschers (1898–1972) entsprechendem — ebenfalls nicht-fotografischem — Selbstbildnis durchgeht.

In Ridley Scotts Film „Thelma & Louise“ (USA, 1991) gibt es eine Szene, in der Susan Sarandon und Geena Davis das vielleicht erste Selfie der Filmgeschichte mit einer Polaroid-Kamera fotografieren.
Apropos Polaroid: Da fällt mir doch gleich der schonungslose Selbstbetrachter Andy Warhol (1928–1987) ein. Doch sind das Selfies?

Wie auch immer. Laut Wikipedia gibt es das Wort schon lange in einem gänzlich anderen Zusammenhang — obwohl, so ganz anders vielleicht doch nicht?
Die Foto-Bedeutung hat es jedoch erst seit etwa 2002. (1)

Doch nun wissen wir es — in der Zeit war das zu lesen: Orhan Pamuk (*1952) hat „im Grunde“ das Selfie erfunden, so ungefähr im Jahre 2005 sei das gewesen. (2)

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Selfie [2015-03-06]
(2) „Islamisten denken kindlich naiv“. (Orhan Pamuk im Gespräch mit Sonja Hartwig und Kilian Trotier), in: Die Zeit, #8 vom 19.02.2015, S. 52 f.

 
 


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