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Die Marketingkampagne zur „Yashica digiFilm™ Camera Y35“ — mit schönen Belegen zu Baudrillards Simulacrum-Idee 12. Oktober 2017

Posted by Martin Frech in Ärgernisse, Technik.
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Abstract.
A Kickstarter campaign raising funds for the digital camera “Yashica digiFilm™ Camera Y35” hat gotten surprisingly successful. The product in question is a toy camera whose interface imitates certain aspects of operating classical 35 mm film cameras. The core idea appeals to me, yet I am annoyed that the product is advertised as being closely linked to film photography. The following text takes a critical look at the technical details, as known thus far.

Seit einigen Wochen kursieren stimmungsvolle Videos, die eine neue Yashica-Kamera andeuten (es darf dort sogar genußvoll geraucht werden; siehe youtube.com/channel/UC6en9TEc7y9rSiawMVfgxSg/videos). Die vage gehaltenen Filmchen zeigen kein konkretes neues Produkt; vielmehr versuchten sie uns in die R*-Falle zu locken und nährten geschickt die Hoffnung auf eine neue Film-Kamera.


Kamera: Yashica T5 (Kyocera, ca. 1995); Film: Kodak Farbwelt 200
© Martin Frech, 2017

 

Nun ist es raus: #ätschibätsch — wieder alles nur Fake.

Kürzlich begann eine Kickstarter-Kampagne (kickstarter.com/projects/1940283777/) zur Finanzierung der digiFilm™ Camera Y35 unter dem Markennamen Yashica. Nun wurde klar: Der angeteaserte Bezug zur emulsionsbasierten („analogen“) Fotografie war nur Stimmungsmache.

Bei dem geplanten Produkt handelt es sich tatsächlich um eine einfache Digitalkamera, deren Interface allerdings bestimmte Aspekte der Bedienung von Kleinbild-Film-Kameras aufgreift.

So nach dem Motto: auf Film zu fotografieren ist umständlich und zeitigt mindere Qualität (vgl. bspw. auch die Lomographen). Bauen wir also eine Digitalkamera mit diesen Eigenschaften in ein Gehäuse, das einer der derzeit so beliebten historischen Film-Kompaktkameras nachempfunden ist, wird die Urban-Outfitters-Kundschaft begeistert sein.

Et voilà, die vorläufigen technischen Daten:

  • 1/3.2″-CMOS-Sensor (das ist z.B. die Größe des iPhone-5-Sensors); 14 Megapixel Auflösung; die Dateien (jpeg) werden auf einer SD-Karte gespeichert (wahrscheinlich mehr als 36 Dateien pro Karte).
  • Objektiv aus Glaslinsen; Brennweite KB-äquiv.: 35 mm; f/2.8 (fix); kein Filtergewinde; Mindestentfernung etwa 1 m; keine Angaben zur Fokusierung. Ich nehme an, es ist ein Fixfokus-Objektiv, da eine Brennweite von 4,6 mm bei f/2.8 auf einen 1/3.2″-Sensor eine Hyperfokal-Distanz von ca. 2 m hat.
  • Verschlußzeiten: 1/500 s; 1/250 s; 1/60 s; 1/30 s; 1 s (keine definitiven Angaben zum Stativgewinde)
  • Einfacher Durchsichtsucher — ob zusätzliche Informationen angezeigt werden, ist unklar.
  • Der Aufnahmemodus wird bestimmt durch das Einlegen eines „digiFilm™“-Einsatzes. Dieses Prinzip erinnert wage an Minoltas Creative Expansion Card System ab der Dynax 7000i (seit 1988; vgl. jwhubbers.nl/mug/mug.html).
    Die „digiFilm™“-Einsätze sind APS-Filmkassetten nachgebildet.
    Zur Markteinführung sind vier Modi vorgesehen: digiFilm™ — ISO1600 High Speed (ISO 1600/33°); digiFilm™ — Black & White (ISO 400/27°); digiFilm™ — ISO200 Ultra Fine (ISO 200/24°) und digiFilm™ — 120 Format (6×6) (ISO 200/24°, für Instagram); weitere seien in Vorbereitung, heißt es.
  • Keine Angaben dazu, ob es einen automatischen Weißabgleich geben wird, oder eine „Tageslicht-Anmutung“ durch eine definierte Farbtemperatur-Abstimmung (dann könnten später Kunstlicht-digiFilm™-Einsätze angeboten werden).
  • Nach dem Einlegen des „digiFilm™“-Einsatzes muss der Fake-Filmtransporthebel betätigt werden.
  • kein Display zur Bildkontrolle (vgl. Leica M-D); keine Möglichkeit, Dateien in der Kamera zu löschen
  • Seltsam, dass man keine Rückspulkurbel betätigen muss, um den „digiFilm™“-Einsatz zu wechseln. Auch wird die SD-Karte wohl nicht gelöscht, wenn man die Rückwand zur Unzeit öffnet.

Diese Liste lässt also einige Fragen offen und es ist durchaus möglich, dass das fertige Produkt in einigen Punkten besser/anders sein wird (der Hersteller gibt sich in der Kickstarter-Kommentar-Sektion aufgeschlossen). Dennoch und trotz des m.E. zu hohen Preises war das Finanzierungsziel schnell erreicht.

Interessanterweise ist über das Verfahren der Belichtungsmessung und -steuerung nichts zu erfahren; vielleicht muss wie damals geschätzt bzw. ein separater Belichtungs­messer verwendet werden. Schon das könnte hart werden für die anvisierte Kundschaft; zumal nur Jpeg-Daten geschrieben werden, die speziell in den Lichtern bekanntlich kaum Korrekturen in der Nachbearbeitung ermöglichen. Die Kontroll­möglichkeit via Histogramm fehlt ja, schon weil die Kamera kein Display haben wird.

Und wenn das Objektiv tatsächlich nur über eine fixe Blende f/2.8 verfügt und nur die o.g. fünf Verschlußzeiten zur Verfügung stehen und die Sensor­empfindlichkeit minimal ISO 200/24° (farbig) bzw. ISO 400/27° (sw) beträgt — dann viel Spaß am hellichten Tag.

Fotografiert man beispielsweise mit dem digiFilm™ — Black & White-Modul müsste man eine sonnige Szene nach der sunny f/16 rule bei Blende 16 mit einer 1/400 s belichten. Bei der Y35 würde man also die 1/500 s einstellen und damit knapp 5 Blendenstufen überbelichten (oder einen entsprechenden Graufilter vors Objektiv halten; es soll ja kein Filtergewinde geben). Vielleicht ist das bei Kickstarter auch nur schlecht dokumentiert und es wird eine Elektronik geben, die regelnd eingreift.

Man sollte in diesem Zusammenhang wissen, dass die Y35 außer im Werbe-Blah-blah nichts mit der großartigen japanischen Kameratradition zu tun hat: Yashica ist schon lange nicht mehr die Marke der hochwertigen Kameras von einst. Die 1949 in Japan gegründete Yashica Company wurde 1983 von Kyocera übernommen und die Produktion daraufhin nach Hong Kong verlagert. 2005 wurde die komplette Kameraproduktion der Marken Kyocera, Yashica und Contax aufgegeben und 2008 verkaufte Kyocera die Yashica-Markenrechte an eine Firma in Hong Kong, die dieses Investment jetzt offenbar zu versilbern gedenkt. (vgl. en.wikipedia.org/wiki/Yashica)

Dennoch, mir gefällt das Konzept der Y35 — schade nur, dass es ein solches Billigprodukt sein muss; gewöhnliche Batterien statt speziellem Akku — das hat allerdings Style.
Ich denke schon, dass man mit der Y35 seinen Spaß haben kann (vgl. toy camera). Durch den Sucher der Y35 zu schauen ist sicher ein besseres Gefühl als The Stinky Baby Diaper Hold bzw. The radioactive cellphone offset hold (Kirk Tuck) mit Smartphones oder sucherlosen Kameras.

Wer jedoch an der Film-Erfahrung und -Ästhetik Interesse hat, ist m.E. mit einer Film-Kamera besser bedient.

–> Mission: analog ≠ retro
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

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Battery charger kaputt 5. September 2017

Posted by Martin Frech in Ärgernisse, Technik.
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Wise man always tell you to have a backup camera. Although my main camera has never failed me, I usually carry a second one; just in case. But have you ever heard of a charger fault?

A few days ago, in preparing for a video job, I started to recharge my camera batteries. Just then, the charger gave up the ghost. What a bummer. I had no spare device, but fortunately enough charged batteries to complete the job.

Now, I also own a backup battery charger.

Nikon MH-25a; Foto (c) Martin Frech
Nikon MH-25a (Foto © Martin Frech)

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

mattierte Bilder 27. Februar 2017

Posted by Martin Frech in Ärgernisse.
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Im amerik. Englisch steht der Begriff ‘mat’ u.a. für „das Passepartout“ (die Briten sagen dazu eher ‘mount’).

Wenn Zoe Leonard sagt: ‘… they’re not matted, …’ [1], bedeutet das nicht: „… sie sind nicht mattiert, …“ [2]. Leonard meint stattdessen, dass sie ihre Fotografien nicht im Passepartout präsentiert.

Also: Immer mitdenken, auch beim Lesen von Wikipedia-Texten.

[1] http://www.jca-online.com/leonard.html (2017-02-27)
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Zoe_Leonard (2017-02-27)

 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Marktübersicht Farbnegativ-Filme (Aug. 2016) 28. September 2016

Posted by Martin Frech in Ärgernisse, Film, Markt.
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Im Zuge der Vorbereitungen für einen Workshop habe ich mir kürzlich eine Übersicht verschafft über die noch erhältlichen Farbnegativ-Filme für die bildmäßige Fotografie.
Auf den ersten Blick sieht das Angebot angenehm vielfältig aus. Klammert man jedoch den Junk aus und benötigt zusätzlich zu den Kleinbild- auch Roll- bzw Planfilme, sieht’s düster aus:
Fuji hat den Pro 160 kürzlich abgekündigt. Nun liefert nur noch Kodak 4×5″- bzw. 8×10″-Blattware; für brutto je etwa 5 € bzw. 25 € je Blatt.

Martin Frech, NzF: Marktuebersicht Farbnegativ-Filme (Aug. 2016)
 

–> Shoot film, don’t kill it: http://www.savefilm.org/

 
 


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Steve McCurry, der Märchenerzähler 31. Mai 2016

Posted by Martin Frech in Ärgernisse, Fotograf, Gedanken.
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„(…) and so I would say that today I am a visual storyteller, (…)“ (Steve McCurry im Gespräch mit Time) (1)

storyteller (engl.); „der Geschichtenerzähler | die Geschichtenerzählerin“ bzw. „der Märchenerzähler“ (2)

„Im anglo-amerikanischen und europäischen Sprachraum nutzt man den Begriff Geschichtenerzähler (bzw. storyteller) meist als Oberbegriff für Märchen- und Sagenerzähler, (…)“ (3)

(1) Olivier Laurent: Steve McCurry: I’m a Visual Storyteller Not a Photojournalist: http://time.com/4351725/steve-mccurry-not-photojournalist/ [2016-05-31]
(2) Leo: http://dict.leo.org/ende/index_de.html#/search=storyteller&searchLoc=0&resultOrder=basic&multiwordShowSingle=on [2016-05-31]
(3) Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtenerz%C3%A4hler [2016-05-31]

(Ich frag‘ mich nur, wozu der die letzten Rollen Kodachrome gebraucht hat.)

zum Weiterlesen:

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Personalisierte Werbung von HP via DD: epic fail 17. November 2013

Posted by Martin Frech in Ärgernisse.
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Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich die aktuelle Ausgabe der Fach­zeitschrift „Deutscher Drucker“ (DD, Nr. 23 vom 14.11.2013) aus dem Brief­kasten nahm. Beigelegt war Werbung von Hewlett-Packard (HP), die sofort auffiel, da sie mit der Zeitschrift in einer Plastikhülle verpackt war: ein gefalztes Plakat im B2-Format (70×50 cm), das mit den Daten des Abon­nenten personalisiert bedruckt ist.

Die Personalisierung besteht aus einer groß gesetzten namentlichen An­sprache, einem zur Adresse passenden Stadtplanausschnitt mit markierter und eingedruckter Adresse des Abon­nenten, einem stilisierten Panorama der nächsten Großstadt und auf der Rückseite den Kontaktdaten des für das PLZ-Gebiet zuständigen HP-Vertriebsmitarbeiters.

Im Heft beschreibt ein redaktioneller Artikel die Produktion des Werbe­beilegers.(1) Demnach wollte HP mit einem Druckmuster aufwendig die Individualisierungsmöglichkeiten zeigen, die mit der Druckmaschine „Indigo Press 10000“ machbar sind. 6000 vollpersonalisierte Bogen wurden gedruckt — mit Daten aus der Abo-Datenbank des Deutschen Druckers.

Das Problem ist nun, dass ich nicht „meine“ Version des Plakats bekam, sondern die eines anderen Abonnenten aus meiner Nachbarschaft. Etwas ist im Produktionsprozess offensichtlich schiefgelaufen (der Post kann man das nicht in die Schuhe schieben, da der Adressaufkleber korrekt ist).

Interessanterweise wird im Artikel darauf hingewiesen, wie sichergestellt werden sollte, dass jeder Abonnent den richtigen Beileger erhält; nämlich durch eine Nummer auf dem Beileger, der identisch auf das Adressetikett der Zeitschrift gedruckt wurde. Diese Nummern haben bei der an mich versendeten Sendung jedoch nicht übereingestimmt. Ich nehme an, ein anderer Abonnent des Deutschen Druckers hat „mein“ Plakat bekommen.

Das ist für mich in diesem Fall kein Problem (der Werbe-Effekt ist natürlich dahin). Das Beispiel illustriert jedoch, dass beim Umgang mit persönlichen Daten ganz besonders sorgfältig gearbeitet werden muss: Kleinste Schlampereien können unabsehbare Probleme nach sich ziehen.

(c) Martin Frech; aus: Texture pack Berlin reloaded (2013)
© Martin Frech; aus: Texture pack Berlin reloaded (2013)

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(1) Grajewski, Judith: „Gedrucktes Infotainment“. In: Deutscher Drucker, Nr. 23 vom 14.11.2013, S. 14f

Der Markt für Schwarzweißfilme: Ein kommentierter Überblick mit abschließender Handlungsempfehlung 28. Juli 2013

Posted by Martin Frech in Ärgernisse, Film, Gedanken, Markt, Technik.
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© 2013 Martin Frech, randgebiete.de (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Vor fünf Jahren habe ich mich in einem kurzen Text mit dem Markt für Schwarz­weiß­filme beschäftigt.(1) Anlass für diesen hier noch immer regel­mäßig nach­gefragten Beitrag waren damals Krisen­meldungen über Fujis Filmsparte.

Ganz abgesehen von den Dramen um Diafilme hat sich zwischenzeitlich auf dem sw-Film-Markt wieder einiges getan: Ferrania, Forte, Polaroid und Foto­kemika (Efke) haben komplett aufgegeben, Fuji hat den Neopan 1600 (gab es nur als KB) und den Neopan 400 als Rollfilm zu Grabe getragen, Kodak den Plus-X und den T-Max P3200, der Konica VX400 Monochrome war irgend­wann weg und auch um Fomas Fomapan 100 R gab es entsprechende Gerüchte.

Fujis Neopan 400 (KB) war zwischenzeitlich nicht mehr zu bekommen, letztes Jahr war er plötzlich wieder da. Nun nimmt Fuji diesen Film anscheinend ganz vom Markt(2) (und mutmaßlich mit dem Provia 400X bei der Gelegenheit auch den letzen verbliebenen hochempfindlichen Diafilm überhaupt) — vielleicht auch nur in den USA. Als Ersatz für den Neopan 400 wird in dem von einem Freestyle-Mitarbeiter veröffentlichten Fuji-Bulletin allen ernstes der Acros 100 empfohlen; ein Film mit einer komplett anderen Charakteristik.

Agfa hat in Leverkusen letztmalig 2005 die legendären Filme APX 100 und APX 400 gegossen. Das ist jetzt knapp acht Jahre her. Seitdem wird dieses Material als KB-Film verkauft. APX 400 war recht schnell ausverkauft — dieser Tage wird bekannt, dass nun auch die letzten Meter original Agfa-APX-100-Material verkauft sind. Die gekühlten Vorräte haben somit fast acht Jahre lang gereicht.

Lupus wird ab August unter dem APX-Traditionsnamen ein anderes Material (nur als KB) vertreiben.(3) Welcher „preiswerte Qualitätsfilm“ (Boeddecker) das sein wird, weiß ich leider nicht. Fotoimpex hat daraufhin erstmal die Preise für den echten APX 100 angehoben.

Juli 2013: Die letzten echten APX 100 im Drogeriemarkt (Foto: (c) Martin Frech)
Juli 2013: Die letzten echten APX-100-Filme im Drogeriemarkt
Foto: © Martin Frech

Seit Jahren ist regelmäßig von Herrn Boeddeckers Projekt zu lesen und zu hören, unter manufakturbedingungen den APX 400 wiederzubeleben. Daran wurde tatsächlich gearbeitet, ich habe 2010 auf der Photokina sogar ent­sprechende Muster gesehen. Das Projekt ist jedoch wohl (erstmal) vom Tisch. In seinem online-Forum schreibt Mirko Boeddecker im oben ange­gebenen Thread, dass sich das Projekt unter derzeitigen Markt­bedingungen nicht lohnen würde; angeblich hat er sogar den alten APX 100 bis zur jüngsten Preiserhöhung mit Verlust verkauft.

Zur Photokina 2012 hat Fotoimpex den panchromatischen Silvermax 100 eingeführt (nur KB), samt Spezialentwickler. Beworben wird das Produkt mit einem extra hohen Silbergehalt in der Emulsion. Wer den Film tatsächlich produziert und auf welcher Grundlage, bleibt ein Geheimnis. Mutmaßungen, es handele sich um Agfa-Scala-Restbestände, wurden dementiert.

Vor knapp einem Jahr hat Fotokemika aufgegeben. Die seitdem angebotenen orthopanchromatischen Efke-Filme (und somit auch die CHS-Filme von Foto­impex) sind nur Restbestände. Parallel zu seinem Silvermax will Foto­impex daher einen CHS100 II auf den Markt bringen, sogar „eine vollständige Formatabdeckung von 35mm über Rollfilme bis hin zu extra­großen Plan­filmen“(4) soll es geben. Woher der „neue“ Film kommt, ist aber auch schon wieder ein Geheimnis.

Dann gibt es Maco, die unter dem Rollei-Label alles mögliche vertreiben; vieles davon sind umkonfektionierte Luftbildfilme der Gevaert aus Belgien. (Gibt es eigentlich noch Luftbildfotografie auf Film?)
Weiterhin bereichern die Geschäftemacher der Lomographischen Gesellschaft den Markt mit ihren Eigenmarken — auch hier ist nicht wirklich klar, welches Material als Lady und Earl Grey verkauft wird.

Martin Frech: Im Flughafen Tempelhof, rot-cyan-Anaglyphen-Raumbild
Im Flughafen Tempelhof, Berlin (geschlossen seit 30.10.2008)
Raumbild (rot/cyan) | Fotos am 23.09.2007 auf APX 100: © Martin Frech

Es scheint also insgesamt noch ein so großer Markt für KB-Schwarzweiß­filme zu existieren, dass es sich lohnt, darum zu kämpfen; sogar als Zuschuss­geschäft in einer Mischkalkulation. Nur soviel ist sicher: wirklich neue Filme werden nicht mehr entwickelt.

Kürzlich hat Ferrania zwar bekanntgegeben, wieder in die Filmproduktion einsteigen zu wollen, erstmal jedoch nur mit den alten 21-DIN-Farb­emulsionen; möglicherweise allerdings in einer gewissen Formatvielfalt: „We think it is better to start revamping the very last produced emulsions. The first two that we will make are a color negative film derived from Ferrania Solaris FG-100 Plus (only for still photographs) and a professional color reversal film derived from Scotch Chrome 100. (…) We have the equipment to finish film in almost all photographic and motion picture formats: 110, 120, 126, 127, 135, 220, Super 8, Double 8, 16mm, 35mm and 70mm but at first we will put on line only the ones that are requested by the market.„.(5, Hervorhebung von mir)

Alles, was unter den diversen Handelsmarken (Adox, Bergger, Lomo, Orwo, Rollei, Spürsinn usw.) erscheint, stammt entweder aus Kühlhäusern oder ist umbenannte Ware von den verbliebenen Filmherstellern Fuji, Kodak, Harman, Foma, Gevaert und vielleicht Lucky. Möglich ist auch, dass sich jemand mit einem eigenen Rezept bei einer dieser Firmen seinen „eigenen“ Film machen lässt (in den dort technisch gegebenen Grenzen).

Nun ist umgelabeltes oder lohngefertigtes Filmmaterial ja nicht minder­wertig. Ein korrektes Datenblatt sollte es IMHO aber schon geben — doch schon das ist in diesem Segment leider nicht selbstverständlich.

Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen sehe ich jedoch zwei grund­sätzliche Probleme:

Man weiss zum einen nicht, wie lange die Filme in welchem Format am Markt bleiben. Es gibt es einige Beispiele aus den letzten Jahren die die dies­bezüglichen Versprechen entlarven. Meine Erfahrungen mit dem Rollei R3 habe ich in (6) beschrieben, der Lomography B&W 100 (mutmaßlich ein Shanghai GP3) war auch nicht allzulange erhältlich und aktuell sind z.B. Lomos sw-Filme auch nicht mehr zuverlässig als Rollfilme zu bekommen.

Zum anderen ist unklar, ob unter dem jeweiligen Label längerfristig das selbe Material verkauft wird, oder ob man plötzlich mit einer anderen Emulsion dasteht (siehe beispielsweise das Theater um die Quellen der verschiedenen Chargen des Rollei RPX 400).

Der Preis ist jedenfalls kein zuverlässiges Argument pro Handelsmarke, wie meine kleine Marktübersicht zeigt (Durchschnittspreise der Händler Foto­impex, Nordfoto und Macodirekt — ohne Berücksichtigung von Mengen­rabatten und Versandkosten — vom 26.07.2013):

Schwarzweiß-Kleinbildfilme (135-36)
21° DIN Brutto-
preis (€)
27° DIN (nominal) Brutto-
preis (€)
Adox Silvermax S/W 4,64    
Fomapan 100 Classic 3,33 Fomapan 400 Action 4,24
Ilford Delta 100 5,22 Ilford Delta 400 5,52
Ilford FP4 4,82 Ilford HP5 Plus 4,85
Kentmere 100 2,98 Kentmere 400 2,98
Kodak T-MAX 100 4,16 Kodak T-MAX 400 4,16
    Kodak Tri-X 400 4,22
Lomography Earl Grey B&W 100 6,63 Lomography Lady Grey B&W 400 6,63
Rollei RPX 100 3,23 Rollei RPX 400 3,23
Rollei Retro 80S 2,32 Rollei Retro 400S 3,23

Dass die Filme der Handelsmarken trotzdem ihre Abnehmer finden, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass Kamerafilme für einen großen Teil der Käufer Lifestyle-Produkte sind und präzise Bildergebnisse nicht im Vordergrund stehen („lo-fi“).

Zudem wird häufig nicht mehr mit dem Ziel fotografiert, eine analoge Ver­größerung zu machen — vielen reicht das Digitalisat direkt vom Negativ. Dafür spricht auch, dass der Fotopapier-Markt noch über­sichtlicher ist als der für Negativfilme.(7)
Und wenn man gar nicht an einem in der herkömmlichen Bedeutung „guten“ Negativ interessiert ist, spielt die Erfahrung mit dem Material und die damit einhergehende Abhängigkeit von selbigem auch keine grosse Rolle.

Jedoch gibt es mit Kodak, Harman/Kentmere, Foma und Fuji noch Anbieter, die Filme nach eigenen Rezepten in kontinuierlicher Qualität selbst produ­zieren.

Zu den Herstellern Lucky (SHD 100, SHD 400), Shantou (Era PSS Pan 100) und Shanghai (GP3) aus China sowie Slavich und Tasma(8) aus Russland und eventuell weiteren habe ich leider keine näheren Informationen (Wolfgang Moersch bietet von Slavich das Bromportrait-Barytpapier an und Spürsinn verpackt angeblich russischen Film als Planfilme).

Ich kann es mitunter auch nicht lassen, Maco- oder Lomo-Filme auszu­probieren; beispielsweise weil Maco bis letztes Jahr noch 127er-Roll­filme geliefert hat (wahrscheinlich via Fotokemika/Efke) und weil von Lomo mit dem Orca wieder ein 110er-Kassettenfilm kam (möglicherweise via Filmotec/Orwo).

Für den Alltagsgebrauch kaufe ich jedoch ausschließlich Ware der Hersteller Kodak, Harman und gelegentlich Foma — aus folgenden Gründen:

  1. Diese Anbieter stellen qualitätsgesichert nicht nur 100-ASA-Material her, sondern auch lieferbares 400-ASA-Material.
  2. Deren Emulsionen sind meist sowohl in der Kleinbild- als auch der Rollfilm-Konfektionierung erhältlich, häufig auch als Planfilme.
  3. Eine mittelfristige Verfügbarkeit des Materials ist vergleichsweise sicher (früher wurden Filme sogar weiterentwickelt: siehe z.B. die bis 1931 zurückreichende Ahnenreihe des Ilford HP5+ oder die fast 60-jährige Geschichte des Kodak Tri-X).
  4. Ich bin unabhängig von einzelnen Händlern.

Ich weiss natürlich nicht, ob bei Kodak/Harman/Foma das jeweils komplette Programm kontinuierlich produziert wird, oder ob bei bestimmten Filmen nur Lagerbestände vermarktet werden (und wenn die weg sind, das Produkt ausgelistet wird, siehe aktuell Kentmere und das Kalttonpapier(9)).

Auch weiss ich, dass Kodak insgesamt ein Wackelkandidat ist. Es ist nicht aus­geschlossen, dass dort auch bei der Filmsparte ganz plötzlich der Stecker gezogen wird — wie bei der Filmfabrik Wolfen (1994), Agfa (2005), Forte (2007), Polaroid (2008), Ferrania (2009) und Fotokemika (2012). Das erscheint mir bei Harman unwahrscheinlicher, da die Firma die Umstrukturierung schon hinter sich hat und das Schwarzweiß-Geschäft noch deren einziger Geschäfts­zweck ist.

Ich habe schon so manchen Film kommen und gehen sehen, von einigen habe ich die Verpackungen aufbewahrt. (Foto: (c) Martin Frech)
Ich habe schon so manchen Film kommen und gehen sehen, von einigen habe ich die Verpackungen aufbewahrt.
Foto: © Martin Frech

Foma-Filme mag ich gerne, vor allem den Fomapan 400, ebenso Harmans Ilford HP5+. (Würde ich scannen, fiele meine Wahl auf Kodaks Tri-X.) Bei wenig Licht gefällt mir Kodaks T-Max 400, den ich regelmäßig mit einem EI von 33° DIN belichte. Diese drei Filme sind meine Favoriten, schon weil ich sie jeweils als KB-, Roll- und 4×5″-Planfilme bekomme.

Für welchen Film man sich letztlich entscheidet, ist Geschmackssache — die Qualität einer Fotografie misst sich jedenfalls nicht primär an der verwendeten Emulsion und wirklich schlechtes Material ist nicht mehr am Markt. Jedenfalls außerhalb von ebay — dort wurde kürzlich sogar noch der Foto 64 der ver­blichenen Svema angeboten; ein schon zu DDR-Zeiten berüchtigter Film.

Wichtig ist, dass man sich die Zeit nimmt, sein Material unter den ver­schiedenen persönlichen Arbeitsbedingungen kennenzulernen. Hat man einen Favoriten gefunden, sollte man sich möglichst viel davon kaufen und ein­frieren. Filme werden nie mehr so günstig sein wie heute und gefrorene Schwarz­weißfilme halten sehr lange. Um die Chemie muss man sich ebenfalls keine großen Sorgen machen: Im Gegensatz zu den Farbentwicklern kann man sich die Schwarzweißentwickler einfach aus wenigen Grundchemikalien selbst mixen — die Rezepte sind vielfach dokumentiert.

.. — ..
(1) Martin Frech: Gedanken zum Markt für Schwarzweissfilm. online: https://medienfrech.wordpress.com/2008/03/23/gedanken-zum-markt-fur-schwarzweissfilm/ [2013-07-23]
(2) https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10152451140034298&set=a.388202754297.167158.349078044297&type=1http:// [2013-07-23]
(3) http://forum.fotoimpex.de/index.php?showtopic=3045 [2013-07-23]
(4) http://forum.fotoimpex.de/index.php?showtopic=2971 [2013-07-23]
(5) Nicola Baldini: An unexpected great feedback. online: http://www.filmferrania.it/blog/2013/7/27/a-great-feedback [2012-07-27]
(6) Martin Frech: Film: Rollei R3. online: https://medienfrech.wordpress.com/2009/07/26/film-rollei-r3/ [2013-07-23]
(7) Martin Frech: Marktübersicht Baryt-Fotopapiere 10/2012. online: https://medienfrech.wordpress.com/2012/10/28/marktubersicht-baryt-fotopapiere-102012/ [2013-07-23]
(8) http://www.slavich.com/; http://www.tasma.ru/en/ [2013-07-24] (–> Bildbeispiele auf Tasma-Film bei flickr)
(9) Martin Frech: KENTMERE Fineprint VC FB eingestellt: Letztes verbliebenes Kalttonpapier ist bald Geschichte. online: https://medienfrech.wordpress.com/2013/07/19/kentmere-fineprint-vc-fb-eingestellt-letztes-verbliebenes-kalttonpapier-ist-bald-geschichte/ [2013-07-24]

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KENTMERE Fineprint VC FB eingestellt: Letztes verbliebenes Kalttonpapier ist bald Geschichte. 19. Juli 2013

Posted by Martin Frech in Ärgernisse, Markt, Technik.
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Mal wieder eine „Product Discontinuation Notice“, diesmal von der HARMAN technology Limited: Das KENTMERE Fineprint VC FB wird nicht mehr produziert; der Rest wird abverkauft. Der Grund ist wie üblich die mangelnde Nachfrage.

Das ist besonders schmerzhaft, da es für dieses Papier keinen wirklichen Ersatz gibt. Das Fineprint VC ist ein Kaltton-Papier — vergleichbares hat m.W. keiner der verbliebenen Hersteller/Anbieter im Angebot.

Wer eine laufende Arbeit auf diesem Papier zuende bringen möchte, sollte sich daher schnell bevorraten. Laut Aussage des Ilford-Mitarbeiters Simon Galley gestern im Apug-Forum sollte das Papier bei kühler Lagerung (besser: eingefroren) mindestens fünf Jahre halten.

Wer einen kalten Bildton möchte, muss zukünftig zu Tricks greifen und Neutraltonpapiere* (zumindest die mit reinweißem Träger) auf kalt trimmen, ein etwas steileres Negativ hilft dabei. Wolfgang Moersch vertreibt beispielsweise den Entwickler SE6 Cold Blue Black und den Entwickler-Zusatz Finisher Blue, Labaphot BL20 gibt es auch noch zu kaufen. Zusätzlich könnte man den Print noch leicht überbelichten und anschließend etwas bleichen.

*) vgl. meine Marktübersicht Baryt-Fotopapiere 10/2012

Martin Frech: Angebot #8 (aus "Eine Allegorie des Urbanen")
Angebot #8 aus meiner Serie "Eine Allegorie des Urbanen" (vergrößert auf KENTMERE Fineprint VC FB)

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Crowdfunding andersrum 2. Juli 2012

Posted by Martin Frech in Ärgernisse.
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In der aktuellen Photonews(1) bin ich über eine Anzeige gestolpert, in der eine Druckerei zu einem Fotowettbewerb aufruft zum Thema Papier; es winken Geldpreise.

Ein genauer Blick auf die Teilnahmebedingungen zeigt, dass der Wettbewerb weniger dem Wohle der Kunst oder der Förderung von Fotografen dient, als eher der Entlastung des eigenen Werbe-Budgets. Die Druckerei sichert sich umfassend die honorarfreien Nutzungsrechte nicht nur der prämierten Bilder, sondern sogar aller eingereichter Arbeiten.

Zitat aus dem Kleingedruckten des Anmeldeformulars:
„Ich bin damit einverstanden, dass die Nutzungsrechte an den von mir eingereichten Fotos und von der Jury ausgewählten Fotos durch den Initiatoren des Fotowettbewerbs, Evers-Frank Druck- und Mediengruppe im Rahmen des Fotowettbewerbs papier|liebe unentgeltlich benutzt werden dürfen, und zwar für die Fotobuch-Publikation, Pressearbeit, Werbetätigkeit, z.B. auf Plakaten und Einladungskarten, für die Print- u. Onlinedarstellungen und mit den damit zusammenhängenden und zukünftigen Presse- u. Werbemaßnahmen.“(2)

Ich finde, so etwas sollte man nicht unterstützen.

(1) Photonews. Zeitung für Fotografie. Ausgabe 7-8/12. S. 22.
(2) Anmeldeformular zum Evers-Frank-Fotowettbewerb 2012. Online: http://eversfrank.staging.socialbit.de/templates/eversfrank/templates/browser/images/Downloads/Teilnahmebedingungen.pdf (2012-07-02)

dreister Bilderklau (aktualisiert) 4. August 2009

Posted by Martin Frech in Ärgernisse, Photo: Frech.
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Zum gemütlichen Ausklang des Tages habe ich eben noch ein wenig bei ebay gestöbert.
Und was muss ich sehen — mein Photo als Werbebild für mehrere Auktionen:
Mein Photo wird widerrechtlich als Werbebildchen für mehrere Angebote bei ebay verwendet (hier in der Listenansicht).
Mein Photo wird widerrechtlich als Werbebildchen für mehrere Angebote bei ebay verwendet (hier in der Listenansicht).

Mein Photo wird widerrechtlich als Werbebildchen für ein Angebot bei ebay verwendet (hier in der Detailansicht).
Mein Photo wird widerrechtlich als Werbebildchen für ein Angebot bei ebay verwendet (hier in der Detailansicht).

Der ebay-Anbieter hat mich übrigens nicht gefragt, ob er das Bild verwenden darf — weist jedoch seine potentiellen Käufer darauf hin, dass es sich bei seinem Angebot nicht um die abgebildete Ware handelt.

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass es sich um ein Bild handelt, das ich angefertigt habe zur Illustration meines Beitrags sofobomo 2009 | ORWO NP 20 vom 15. Mai 2009. Obwohl es rechtlich gar nicht nötig wäre, ist dort sogar vermerkt, dass es sich um mein Photo handelt.

Ich habe mich bei ebay für das Verifizierte Rechteinhaber-Programm (VeRI) angemeldet und im ersten Schritt beantragt, dass die Auktionen beendet werden (Grund 4.2, widerrechtliche Verwendung geschützten Bildmaterials).

Nachtrag:
Ebays VeRI-Programm funktioniert prima. Ich habe meine Beschwerde in der Nacht gefaxt, am frühen Morgen kam die Bestaetigung per E-Mail und mittags waren die Angebote gelöscht.