jump to navigation

ab 28. Juli 2017 in der schaelpic photokunstbar, Köln: VON WEGEN — mit meiner Arbeit „Globalisierung konkret“ 26. Juli 2017

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Foto-Projekt, Fotoausstellung, schaelpic photokunstbar.
Tags: , , , , , , ,
add a comment

Abstract.
On 28 July, at 7:30 pm, there will be the opening of schaelpic photokunstbar’s new exhibition ‚VON WEGEN‘. It is a group exhibition by four photographers, showcasing my new body of work Globalisierung konkret (a series of twelve silver gelatine black and white prints). The photos are a documentation of a trip to the post office: We bought in the USA and had to pick-up the mailing personally at the customs office in the neighboring city; see my website for details.
 

Tobias D. Kern: aus der Serie The Haludovo Palace Hotel
© Tobias D. Kern: aus der Serie The Haludovo Palace Hotel
 

Rendez Vous heißt Anna C. Wagners Leidenschaft für dreidimensionale Riefelbilder, die Photographien verbinden und Geschichten erzählen.

Wie in einem Luxushotel Sozialismus auf Kapitalismus traf und wie es mit ihm bergab ging, zeigt Tobias D. Kern in seiner Serie The Haludovo Palace Hotel.

Was selbst die chinesischen Machthaber nicht verhindern können, hat Frank Doering in Kailash Kora photographiert. Seit hunderten von Jahren pilgern Tibeter unter größten Strapazen rund um dem Mount Kailash.

Wie Globalisierung konkret aussieht präsentiert Martin Frech in einer Arbeit über seinen Sohn auf dem Weg zum Zollamt. Das Ziel ist nicht Erleuchtung, sondern der Magnetic Cube.

Anna C. Wagner — Tobias D. Kern — Frank Doering — Martin Frech: VON WEGEN
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
31.07. bis 29.09.2017
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)
Vernissage:
Freitag, 28. Juli 2017, ab 18.30 Uhr

Martin Frech: #09 aus der Serie Globalisierung konkret
© Martin Frech: #09 aus der Serie Globalisierung konkret
 

Zu meiner Arbeit Globalisierung konkret:

Die Globalisierung — hier wertfrei verstanden als die seit Jahrzehnten zunehmende internationale Vernetzung auf vielen Ebenen — hat vielerlei Auswirkungen auf mich. Solche, die für mich eher abstrakt sind und indirekt auf mich wirken und andere, die mich konkret in meinem Alltag betreffen. Sie zeitigt Aspekte, die mir Unbehagen bereiten — hat für mich jedoch auch ihre angenehmen Seiten.

Mit dieser Arbeit habe ich einen Aspekt von Globalisierung vertieft, der mich regelmäßig konkret betrifft: Der Besuch des Zollamts als eine Begleiterscheinung internationalen Einkaufens. Erstmals taucht das Thema auf in meiner Serie „Jedes Foto ist historisch“ (2007) mit einem Bild des Postzollamts Berlin-Schöneberg. Seither war ich regelmäßig bei Postzollämtern und mir ist trotz Nachfragens nicht klar, warum manche Sendungen an der Haustür angeliefert werden und ich andere persönlich abholen muss.

Anfang März 2017 war es wieder einmal soweit, den Gang zum Postzollamt anzutreten: Mein Sohn hatte einen Puzzle-Würfel in USA eingekauft (ein anderer Würfel, den wir ein Vierteljahr später kauften, wurde normal zugestellt — es gibt wohl eine Zufallskomponente). Da es in unserer kleinen Stadt kein Postzollamt gibt, mussten wir dafür einen Ausflug in die Nachbarstadt unternehmen; für mich ein Anlass, die vorliegende Sequenz zu fotografieren.

Formal bezieht sich „Globalisierung konkret“ auf meine Arbeit „Celebi heimholen“ (2011). Damals dokumentierte ich eine Fahrt, die ich mit meinem Sohn unternahm, um das Pokémon Celebi downzuloaden. Beide Serien habe ich mit der Halbformat-Kamera Agfa Parat-I fotografiert und im selben Format ausgearbeitet.

Weitere Infos auf meiner Webseite:
www.medienfrech.de/foto/portfolio/globalisierung-konkret/

 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Markus Bollen: Blackbrook (zur Ausstellung 2017 in der schaelpic photokunstbar) 27. März 2017

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, schaelpic photokunstbar.
Tags: , , ,
add a comment

Kürzlich haben wir in Köln die Ausstellung ‚Blackbrook‘ mit Arbeiten von Markus Bollen eröffnet (vgl. Markus Bollen: Blackbrook (schaelpic photokunstbar, Koeln), 27. März bis 12. Mai 2017).

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache gehalten, die ich hier dokumentiere.

Anmerkungen zu Markus Bollens Arbeit ‚Blackbrook‘
© 2017 Martin Frech, Notizen zur Fotographie (NzF) (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

In dieser Ausstellung zeigen wir Ihnen Bilder einer Wasseroberfläche — auch wenn die überwiegend in Grün gehaltenen Fotos dies erstmal nicht erwarten lassen. Das Grün kommt von den vielen Algen im Wasser und deutet an, dass es sich wohl um ein stehendes Gewässer handelt — oder zumindest um ein nur träge dahinfließendes; vielleicht ist es überdüngt.

Fotos von der Oberfläche eines Weihers also, eventuell ist es auch ein Pfuhl oder sogar ein See. Den Bildern kann ich das nicht entnehmen — sie geben mir weder Informationen über die Ausdehnung des Gewässers noch über seine Tiefenstruktur. Ein Tümpel scheint es jedoch nicht zu sein: auf der Website des Fotografen ist jedenfalls ein Bild des felsigen Uferbereichs zu sehen, das auf ein ganzjähriges Gewässer hindeutet. [1]

Wo befindet sich das Gewässer? Wieder geben mir die Bilder keinen entsprechenden Hinweis — weder sind Landmarken zu sehen, noch ein Hinweisschild. Und auch der Titel hilft uns nicht wirklich weiter: Markus Bollen hat die Serie schlicht ‚Blackbrook‘ genannt; und übrigens auch nicht datiert. Da ‚Brook‘ besonders im Englischen häufig als Teil eines Gewässernamens auftritt, ist das immerhin eine Spur.

Wie auch immer — eine exakte Definition des Gewässers oder dessen Verortung ist in diesem Zusammenhang auch gar nicht nötig. Bei dieser Gruppe von Bildern geht es um die Strukturen auf der Wasseroberfläche. Strukturen die entstehen durch Spiegelungen, Reflexe, Farbkontraste, zufällig verteilte Blätter und andere Gegenstände sowie die Schlieren der Algen. Die Blätter sind auf den detailreichen Panoramen als solche zu erkennen, ebenfalls Ästchen und Steine sowie die Spiegelungen der Bäume — es sind also keine abstrakten Bilder. Allerdings erkenne ich kein oben und unten; die Bilder könnten andersrum hängen und es würde mir nicht auffallen — sogar gekippt, als extreme Hochformate, würde die Präsentation für mich funktionieren.

Mich erinnern diese Rahmenbedingungen an die ‚Equivalents‘ (= Entsprechungen), eine Serie von über 200 Bildern, die Alfred Stieglitz (1864–1946) ab 1925 etwa 10 Jahre lang fotografierte. Stieglitz hat die Wolken am Himmel aufgenommen, fast immer ohne Horizont als Bildanker. So hat sich damals auch bald die Frage gestellt, was oben und unten bei diesen Bildern sei. Stieglitz war das schlicht egal, es war nicht wichtig.

Die ‚Equivalents‘ gelten als die ersten Fotos in der Geschichte, bei denen der Bildautor die Interpretation bewusst vom Motiv getrennt hat. Stieglitz hat zwar Wolken fotografiert, die Bilder der Wolken sollten vom Betrachter jedoch nicht vorrangig als Bilder von Wolken (also als Bilder von meteorologischen Phänomenen) gesehen werden.

Ursprünglich nannte Stieglitz seine Wolkenbilder-Serien ‚Songs of the Sky‘ — es gibt da wohl auch eine synästhetische Komponente. Die Umbenennung in ‚Equivalents‘ begründete er so: „Ich habe eine bestimmte Sicht des Lebens und manchmal versuche ich Entsprechungen dafür in der Form von Photographien zu finden.“ bzw. die Wolkenbilder seien „Entsprechungen meiner tiefgründigsten Lebenserfahrung“. Der amerikanische Maler Abraham Walkowitz (1878–1965) hat das zuvor schon 1916 so formuliert: „Ich vermeide keine Objektivität und suche keine Subjektivität, sondern ich versuche eine Entsprechung für das zu finden, was der Effekt meiner Beziehung zu einem Ding ist.“ [2]

Diese Haltung war damals in Stieglitz‘ Umfeld nicht unüblich. Diese Künstler — neben Stieglitz etwa Georgia O’Keeffe (1887–1986) oder Paul Strand (1890–1976) — thematisierten mit den entsprechenden Werken ihre Spiritualität.

‚Spiritualität‘ — das ist ein gutes Stichwort, um wieder zurückzukommen zu Markus Bollen. Denn ihm geht es um Kontemplation: Die Blackbrook-Bilder sind im Zusammenhang mit Meditationsübungen entstanden, zu denen sich der Fotograf in einem katholischen Kloster in England aufgehalten hat.

Indirekt findet sich hier auch der Bezug zu unserer Ausstellungsreihe, die sich nun in der sechsten Folge mit fotografischen Positionen zum Phänomen Zeit befasst.

Wir wissen ja spätestens seit Heraklit, dass man nicht zweimal in den selben Fluss steigen kann. Mit der Fotografie ist es vergleichbar: zwischen dem Einrichten der Kamera und dem Auslösen des Verschlusses vergeht Zeit. Markus Bollen nutzte an seiner Panoramakamera — wie die Großformat-Fotografen — zur Bildkomposition nicht den Durchblick-Sucher, sondern eine Mattscheibe, die die Sicht des Objektivs zeigt. Diese befindet sich an genau der Stelle, wo später der Film belichtet wird; so kann man die Kamera präzise ausrichten. Vor dem Belichten muss die Mattscheibe dann gegen die Filmkassette getauscht werden. Bewegt sich das Motiv, beispielsweise ein fließendes Gewässer, hat es sich in dieser Zeit natürlich verändert. Für Markus Bollen eine Übung im Loslassen — gibt er doch ein wenig die Kontrolle über das Bildergebnis ab.

Das ist ein Problem, mit dem übrigens auch Michael Marten konfrontiert war, als er mit der Großformatkamera das Meer fotografierte. Nur, dass Michael das nicht in dem Maße schätzen konnte wie Markus Bollen und u.a. deswegen die Kamera wechselte. (Vielleicht erinnern Sie sich an Michael Marten: ‚Sea Change‘.)

Die Blackbrook-Serie fügt sich ein in die freien Arbeiten von Markus Bollen; die Arbeiten also, die er ohne Auftrag anfertigt — überwiegend Natur- und Landschaftsfotografien. Dabei nimmt er nicht nur die scheinbar unberührte Natur in den Blick. Seine Serien mit Panoramen von Alpenpässen und Tagebauen zeigen denn auch deutlich unsere zivilisatorischen Spuren. Ebenso natürlich seine Veduten aus China und Berlin; Stadt-Landschaften eben.

Da gibt es Werkgruppen, die vordergründig spannender sind als die Wasser-Bilder. Ich freue mich jedoch, dass wir aus diesem Bilder-Pool die eher sperrigen — und für mache sicher auch langweiligen — Blackbrook-Fotos zeigen. Denn wenn die Existenzialisten recht haben und das Gefühl der Langeweile tatsächlich ein Grundzustand des menschlichen Daseins ist, kann unsere Ausstellung ja vielleicht sogar erkenntnisfördernd sein.

—–
[1] http://www.panoramic-art.de/natur/blackbrook/ [2017-03-22]
[2] Zitate nach: Greenough Sarah: Eine neue Sprache für die Photographie. Alfred Stieglitz‘ Serie der Wolkenphotographien. In: Kat. Ausst. Notation. Kalkül und Form in den Künsten, Berlin, Akademie der Künste, 20.09.-16.11.2008, Berlin, Karlsruhe, 2008. S. 331–335.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch: Stieglitz, Alfred: How I Came to Photograph Clouds. In: The Amateur Photographer. 19.09.1023, S. 255. Online verfügbar: http://media.artic.edu/stieglitz/wp-content/uploads/sites/6/2016/06/1923-09-19-Stieglitz-How-I-came-to-photograph-clouds-American-Amatuer-Photographer.pdf [2017-03-22]
Einige von Stieglitz‘ Wolkenbildern: http://www.phillipscollection.org/research/american_art/artwork/Stieglitz-Equivalent_Series1.htm [2017-03-22]

Markus Bollen: Blackbrook
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
27. März bis 12. Mai 2017
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)
Vernissage:
Freitag, 24. März 2017, ab 18.30 Uhr

 

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Anmerkungen zu Mike Crawfords Projekt ‚Obsolete and Discontinued‘ 5. Februar 2017

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Foto-Projekt, schaelpic photokunstbar.
Tags: , , , , , ,
add a comment

Im vergangenen Herbst haben wir in Köln die Ausstellung mit Arbeiten aus dem Projekt ‚Obsolete and Discontinued‘ von Mike Crawford eröffnet (vgl. Mike Crawford: ‚Obsolete and Discontinued‘ (schaelpic photokunstbar, Köln), 7. November 2016 bis 3. Februar 2017).

Zur Einführung habe ich einen kurzen Text geschrieben, den ich hier dokumentiere.

Anmerkungen zu Mike Crawfords Projekt ‚Obsolete and Discontinued‘
© 2016 Martin Frech, Notizen zur Fotographie (NzF) (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Es gibt Fotografen, für die der Material-Aspekt integraler Bestandteil ihrer Arbeit ist. Die Auswahl und die angepasste Entwicklung der Filme, das Anfertigen der Kontakte und schließlich die Ausarbeitung der Abzüge sind für sie neben der Wahl des Motivs wichtige und bewusste Schritte zum endgültigen Bild. Für diese Fotografen ist der Abzug Teil des Kunstwerks. Denn das Ringen mit den Eigenschaften des Materials bleibt in jedem analog hergestellten Werk mehr oder weniger sichtbar und macht dessen Aura mit aus.

Dieser Ansatz ist mitnichten rückwärtsgewandt oder gar überholt. Als ob es eine Gesetzmäßigkeit gäbe, dass die jeweils digitale „Weiter“-Entwicklung das bessere und somit die natürliche Ablösung des vordigitalen wäre. Ist es aber nicht! Das Arbeiten mit analoger Signalaufzeichnung zeitigt eben andere Ergebnisse als der digitale Workflow — das ist der Punkt!

Mike Crawfords Projekt, dessen Ergebnisse wir hier in Teilen ausstellen, deutet die Bandbreite dessen an, was mit emulsionsbasiertem — lichtempfindlichem — Fotopapier möglich ist. Es ist eben nicht damit getan, ein bestimmtes Papier zu wählen. Mitentscheidend für das Ergebnis ist die Art der chemischen Bearbeitung.

Mike betreibt in London ein Fotofachlabor. Das Projekt ‚Obsolete and Discontinued‘ begann damit, dass ihm ein Kunde zahlreiche Schachteln mit altem und abgelaufenem Fotopapier brachte. Fotopapier verliert zwar nach einigen Jahren seine zugesagte Qualität und wird dann üblicherweise weggeworfen. Andererseits kann das Papier durch die Alterung aber auch interessante nichtvorhersehbare Ergebnisse liefern.

Mike verteilte das Material daher international an über 50 Fotografen mit der Bitte, damit zu experimentieren und etwas daraus zu machen.

Er bekam Abzüge zurück, die mit einer Vielzahl an Verfahren erarbeitet wurden: klassisch ausgearbeitete Prints und Lith-Prints, getont oder nicht, Abzüge von Nassplatten- und Papier-Negativen, Collagen, Fotogramme, Arbeiten mit manipulierten Emulsionen und diverse mit hybriden analog/digitalen Techniken angefertigte Bilder.

Ja, die neuen Medien eröffnen neue Möglichkeiten, die ich schätze und gerne nutze. Doch sie ersetzen eben nicht die anderen, ihre angeblich veralteten angeblichen Vorgänger. Dabei ist es kein entweder/oder — es ist ein sowohl-als-auch. Unsere Ausstellung verdeutlicht das sehr schön.

Die Medienwissenschaft hat das Phänomen beschrieben: ist ein Medium lange genug da, verschwindet es nicht einfach. Das mag sein, solange die technischen Voraussetzungen nicht allzu kompliziert sind. Die Drucktechniken oder das Pressen einer Schallplatte beispielsweise sind sowohl hinsichtlich der Produktionsmaschinen als auch der eingesetzten Rohstoffe vergleichsweise einfach — Produktionsstrukturen und die Materialversorgung können mehr oder weniger geschmeidig der Nachfrage abgepasst werden.

Im Foto- und Filmkontext haben wir jedoch folgendes Problem. Sowohl die Apparate- als auch die Verbrauchsmaterial-Technik waren in den 1990er-Jahren nach einer mehr als 150jährigen Entwicklung auf einem entsprechend hohen Niveau. Komplizierte industrielle Fertigungsprozesse waren bei international etwa zwei handvoll Firmen implementiert. Es gab keinen Markt für die Produktionsmaschinen, diese wurden als Sonderanlagen individuell gebaut. Die chemischen Rezepte und Prozesse waren ebenfalls Ergebnis jahrzehntelanger firmeninterner Entwicklungen und sind kein Gemeingut. Das gilt für den Schwarzweiß- und insbesondere für den Farbbereich.

Wird eine solche Struktur aufgegeben, ist sie unter radikal veränderten Marktbedingungen skaliert kaum wiederzubeleben. Die Aktivitäten von Mirko Böddecker in Bad Saarow (ADOX Fotowerke), Florian Kaps‘ Impossible Project [sic] oder die nur zähen Fortschritte in Ferrania (FILM Ferrania; Nicola Baldini, Marco Pagni; 2013) legen mir diesen Schluss jedenfalls nahe; das ist vergleichbar mit dem Abschalten eines Hochofens, der auch nicht einfach wieder angefeuert werden kann.

Foto- und Medienkünstler, die emulsionsbasiert arbeiten, haben daher zunehmend Probleme mit der Materialbeschaffung.

Sie haben gegenüber den Kollegen in den anderen Sparten — beispielsweise den Malern oder Bildhauern — das Problem, dass sie am Tropf einer Industrie hängen. Und zwar einer Industrie, die mit der angewandten Fotografie und den Vorführkopien des Kinos groß geworden ist. Zu groß für heutige Verhältnisse.

Die angewandten Fotografen sind umgestiegen und im Kino werden Bilder aus Daten projiziert. Jetzt reicht die Material-Nachfrage der Fotokünstler offenbar nicht, um die industrielle Produktion zu finanzieren. Also verschwinden die Produkte vom Markt.

Wie anfangs dargelegt, haben die Künstler jedoch ernsthafte Gründe, an ihrem Material festzuhalten. Was tun, wenn man weiterhin emulsionsbasiert arbeiten will?

Die US-amerikanische Fotokünstlerin Judith Joy Ross hat mit der Schwarzweiß-Fotografie aufgehört, als ihre Vorräte an Auskopierpapier aufgebraucht waren. Dito Manfred Hamm mit der Farbfotografie, weil sein bevorzugtes Diamaterial nicht mehr erhältlich ist.

Eine andere Möglichkeit ist, sich von Industrieprodukten unabhängig zu machen; wie beispielsweise die Kollegen von der Nassplatten-Fraktion, die ihr Material selbst beschichten oder Lomig Perrotin, der in Frankreich primitive Rollfilme selbst herstellt.

Eine weitere Möglichkeit wären staatliche Subventionen zum Erhalt der Film- und Fotopapierproduktion. Das — und den Welterbe-Titel für den fotochemischen Film — fordert beispielsweise die Medienkünstlerin Tacita Dean.

Als ob das Materialproblem nicht schon schlimm genug wäre, habe ich zudem von Kollegen gehört, die sich für das Festhalten an ihrer Arbeitsweise rechtfertigen müssen. Im Sinne von: steig‘ doch endlich um — digital ist doch eh‘ viel besser.

Wäre es nicht sinnvoller, die Kollegen in ihrem Tun zu bestärken: „Don’t kill film, shoot it“ — und sich nebenbei dafür einzusetzen, dass diese Kulturtechnik erhalten bleibt?

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

ab 24. März in der schaelpic photokunstbar: Markus Bollens Arbeit Blackbrook 1. Februar 2017

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, schaelpic photokunstbar.
Tags: , , , , ,
add a comment

Die Serie Blackbrook erarbeitete Markus Bollen während eines Aufenthalts in einem Trappisten-Kloster in England. Es sind Beobachtungen der Oberfläche eines Sees in der Nähe des Klosters. Bei der Fotografie der Spiegelungen und der langsam von der Strömung sich fortbewegenden Teile auf der Oberfläche kam eine neue Qualität des Loslassens hinzu. Dieses Loslassen war auch technisch in Markus Bollens Arbeitsweise begründet. Während er die Mattscheibe seiner Kamera gegen die Filmkassette austauschte, bewegte sich der See durch die Strömung unaufhörlich weiter und das Bild war ein anderes als das noch Sekunden zuvor eingestellte.

Woher weiß ich, wie die Welt beschaffen ist? Durch Beobachten. — Lao Tses Weisheiten aus dem Tao Te Ching haben Markus Bollen, sein Leben und seine Arbeit bereits in frühen Jahren geprägt. Seine intensive Beschäftigung mit der Meditations­technik Zazen sowie ein zweijähriger Aufenthalt in China führten ihn zur bis heute andauernden spirituellen Auseinandersetzung mit dem Buddhismus.

Fast immer haben Bollens Landschaftsfotografien und Naturstudien eine nahezu kontemplative Wirkung; sie ermöglichen uns ein Erkennen der Ruhe und Ausgeglichenheit in der Natur — einer Ruhe, die Kraft ausstrahlt und die er den Betrachter spüren lassen will.

(bearbeiteter Text aus der Pressemitteilung)

1936-15 002
aus Markus Bollen: Blackbrook

Markus Bollen: Blackbrook
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Tel. (02 21) 29 99 69 20
Ausstellungsdauer:
27. März bis 12. Mai 2017
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung)
Vernissage:
Freitag, 24. März 2017, ab 18.30 Uhr

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Michael Marten ‚Sea Change‘ 18. September 2016

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Foto-Projekt, Fotoausstellung, Fotograf, schaelpic photokunstbar.
Tags: , , , , , , , , , , , , , ,
1 comment so far

Am 15. September 2016 haben wir in Köln die Ausstellung mit Arbeiten aus der Serie ‚Sea Change‘ von Michael Marten eröffnet (vgl. Michael Marten: ‚Sea Change‘ (schaelpic photokunstbar, Köln).

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache gehalten, die ich hier dokumentiere.

Hinweise zu Michael Martens Serie ‚Sea Change‘
© 2016 Martin Frech, Notizen zur Fotographie (NzF) (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

In unserer laufenden Reihe präsentieren wir noch bis Ende des Jahres Fotoarbeiten unter dem Oberbegriff ‚Zeit und Fotografie‘.
Den Anfang machte vor einem Jahr Jürgen Hermann Krause, der seine Ost-Blicke aus der Noch-DDR von 1990 zeigte. Es folgten in diesem Jahr Knut Wolfgang Marons Bilder von seiner Mutter und ihrem Nachlass. Romano Riedo hat uns dann im Mai sein Langzeitprojekt über Bergbauern in der Schweiz vorgestellt. Die drei Autoren haben mit ihren Arbeiten jeweils unterschiedliche Zeit-Aspekte betont.

Nun zeigen wir Michael Martens ‚Sea Change‘. Das ist die vierte Ausstellung in dieser Reihe und insgesamt unsere 23. seit 2006.

Schon ein kurzer Blick auf Martens Bilder macht deutlich, warum diese Schau hervorragend zu unserem Konzept passt: Der Fotograf zeigt auf Bildpaaren jeweils das selbe Motiv zu zwei verschiedenen Zeitpunkten — Landschaftsaufnahmen der britischen Küste, einmal bei Wasser-Hochstand und einmal bei Niedrigwasser. Wir sehen, wie Ebbe und Flut — aber auch ein veränderter Sonnenstand — das Aussehen einer Szene dramatisch verändern.

Der Fotograf hat für jedes Bildpaar seine große Kamera zweimal identisch aufgebaut und die selbe Szene im Abstand von einigen Stunden beim niedrigsten und höchsten Wasserstand aufgenommen, idealerweise in der Zeit von Voll- oder Neumond, wenn der Tidenhub besonders groß war.

‚Sea Change‘ ist eine konzeptuelle Arbeit im klassischen Genre der Landschaftsfotografie — stringent und äußerst sorgfältig durchgearbeitet.

Michael Marten hat für sein Projekt Großbritannien umrundet und selbst den hohen Norden nicht ausgespart; sogar die Shetlandinseln hat er bereist.
Ab 2003 ist er dafür neun Jahre lang regelmäßig kreuz und quer über die Insel gereist und hat knapp 400 Bildpaare aufgenommen. In den ersten Jahren auf 4×5″-Farbnegativfilm, später mit einer digitalen Mittelformatkamera.

Für die Präsentation im Buch hat er vier Küstenabschnitte definiert und die Bilder systematisch ‚im Uhrzeigersinn‘ sequenziert: Südwest, Nordwest, Nordost und Südost und zeigt damit Bilder vom Atlantik, der Nordsee und des Ärmelkanals. Im Buch sind von jedem Abschnitt zwischen 11 und 15 Bildpaare abgebildet; das jeweils linke Bild ist das zuerst aufgenommene. In der Ausstellung zeigen wir eine Auswahl.

Wer auch nur ein paar Stunden an einem Meeresstrand verbracht hat, kennt natürlich die Gezeiten: das Wasser kommt und geht. Und irgendwie hat der Mond damit zu tun.

Der Musiker Marteria besingt das Phänomen im Lied „Welt der Wunder“ (auf ‚Zum Glück in die Zukunft II‘, 5/2014). In seiner Hook singt er:

‚Denn wir leben auf einem blauen Planet
der sich um einen Feuerball dreht.
Mit ’nem Mond der die Meere bewegt —
und Du glaubst nicht an Wunder?‘

Damit bringt der Rapper meine Verständnisschwierigkeiten kosmischer Einflüsse ganz gut auf den Punkt und deutet nebenbei die poetische Kraft an, die den Naturphänomenen innewohnt. Gleichzeitig kennen wir das zerstörerische Potential von Hochwasser, Sturmfluten und Riesenwellen.

Dieser Aspekt ist für mich beim Betrachten von Martens Bildpaaren untergründig präsent. Ich weiß, dass die gezeigten Überschwemmungen aus einem natürlichen Rhythmus resultieren — bekomme jedoch eine Ahnung davon, was ein steigender Meeresspiegel für Folgen haben wird.

Nach der gängigen Erklärung der klassischen Mechanik sind die Gezeiten eine Folge der Anziehungskräfte von Mond und Sonne.

Deren Gravitationskräfte wirken auf die Erde. Die Erdkruste ist davon kaum beeinflusst, das Wasser der Ozeane jedoch deutlich. Es wird vom Mond (und der Sonne) angezogen und bildet Flutberge, den sog. Tidenhub. Dazwischen herrscht Ebbe.

Dass daraus Gezeiten werden, liegt an der Erddrehung. Ohne sie würden Ebbe und Flut nicht über die Erdoberfläche wandern, sondern wären an einen Ort fixiert.
Aber die Erde dreht sich quasi unter den Wassermassen der Ozeane. Das Wasser ist zu träge und hat eine zu geringe Reibung, als dass es sich mitbewegen könnte. An den Stellen, wo Land aus dem Wasser ragt, staut sich das über die Erde strömende Wasser und der Tidenhub vervielfacht sich.

Die Situation ist natürlich komplizierter, da die Wasserwellen am Ufer reflektiert werden und zurücklaufen — dadurch entstehen Resonanzen die auch wieder Auswirkungen auf die Wasserhöhe haben. Dazu kommen noch der Einfluss von Winden, Jahreszeiten und weiteren geografischen Einflüssen sowie von Zentrifugalkräften — eine ziemlich komplizierte Materie.
Rund um die britische Küste variieren die Hochwasserstände örtlich zwischen einem und 15 Metern.

Kurz gefasst kann man Ebbe und Flut als geografische Reaktionen auf astronomische Ursachen sehen.

Eine spezielle Situation ergibt sich etwa zweimal im Monat, wenn Erde, Mond und Sonne in einer Linie stehen, also bei Voll- und bei Neumond. Dann addieren sich die Gravitationskräfte von Mond und Sonne und das Wasser der Ozeane steigt besonders hoch — Springfluten entstehen.
Das waren die von Michael Marten bevorzugten Fototermine.

Bei Halbmond wirkt die Sonne dagegen entschärfend und verringert die Kraft des Mondes — Ebbe und Flut sind schwächer ausgeprägt (Nipptiden).

Es gibt Fotografen, die die unberührte Natur suchen und mit viel Pathos die Erhabenheit der Schöpfung feiern oder romantisch-sehnsüchtig auf die Landschaft schauen.
Im Kontext der Seestücke wären dies beispielsweise Gustave Le Gray (1820–1884), Franz Schensky (1871–1957) oder der Zeitgenosse Elger Esser (*1967).

Andere interessieren sich für die vom Menschen gestaltete Landschaft, wie das die New-Topographics-Bewegung seit den 1960er-Jahren tut. Bekannte Vertreter dieses dokumentarischen Blicks sind Robert Adams (*1937), Lewis Baltz (1945–2014), Heinrich Riebesehl (1938–2010) und Joachim Brohm (*1955).

Michael Marten schafft es ganz unaufgeregt, beides zu verbinden; die romantische Sicht und den dokumentarischen Blick. Neben klassischen Seestücken sehen wir Aufnahmen, die ganz selbstverständlich Industrie- und Hafenanlagen ins Bild rücken; wenn es sich ergibt, sind seine Bilder auch bevölkert.

Er bringt es sogar fertig, beide Sichtweisen in einem Bildpaar zu vereinen. Dann ist beispielsweise die Szene bei Niedrigwasser quirlig bevölkert, und ein paar Stunden später sehen wir die gleiche Ansicht als eine komplett andere Landschaft, überflutet, menschenleer, dramatisch beleuchtet.

Michael Marten hat sich intensiv mit den Gezeiten beschäftigt und seine konzeptuelle Setzung deutlich an den Gezeitentafeln orientiert. Er kann dadurch jedoch nicht auf ein bestimmtes Licht warten, verzichtet also weitgehend auf ein elementares Gestaltungsmittel der Landschaftsfotografie.

Obwohl ihm Gezeitentabellen und nicht der optimale Sonnenstand den Zeitpunkt der Aufnahmen diktierten, gelangen ihm großartige Bilder der britischen Küstenlandschaft. Er wählte seine Ausschnitte so, dass die Bilder dennoch hervorragend funktionieren — die Wirkung des überflutenden Wassers und des überfluteten Landes ist stark genug — viel Wasser verändert alles.

Michael Marten: Sea Change
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Ausstellungsdauer:
16. September bis 18. Oktober 2016
Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr,
(zusätzlich Sonderöffnungszeiten während des Fotoszene-Festivals)

Das Buch zum Projekt:
Michael Marten: Sea Change: A Tidal Journey Around Britain, 126 Seiten, 107 Farbfotografien, mit einer Einführung von Robert Macfarlane. Heidelberg: Kehrer, 2012.
Das Buch ist vergriffen — Exemplare einer limitierten Sonderedition mit zwei beigefügten Prints sind noch erhältlich (125 Euro).

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Michael Marten: Sea Change | 16.09. bis 28.10.2016 in der schaelpic photokunstbar, Köln 30. August 2016

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Foto-Projekt, Fotoausstellung, gute Idee, schaelpic photokunstbar.
Tags: , , ,
add a comment

Michael Marten zeigt in seiner Serie „Sea Change“, wie die Gezeiten das Aussehen der Küste Großbritanniens täglich verändern. Wir sehen Strände und Gezeitentümpel, Schlick und natürliche Häfen nur vorübergehend — bei Ebbe; wenn das Meer zurückkommt, ist alles wieder verschwunden. (zu sehen vom 16.09. bis 28.10.2016 in der schaelpic photokunstbar, Köln)

aus: Michael Marten: Sea Change

Marten begann 2003 mit diesem Fotoprojekt. Als er die Küste bei Berwickshire erkundete, fotografierte er einen kleinen Hafen. Er war fasziniert von einer Reihe zahnartiger Felsen, in der Gegend bekannt als „Ufer-Ziegen“, die bei Flut verschwanden. Bei der Durchsicht seiner Filme fiel ihm auf, dass er die selbe Ansicht bei Ebbe und Flut aufgenommen hatte. Ihn begeisterte, wie die ansteigende Flut radikal die Perspektive auf und das Gefühl für die Landschaft verändert.

Neun Jahre lang hat Marten an dieser Serie gearbeitet. Sie besteht aus Bildpaaren, von denen jedes zwei Zeitpunkte festhält, indem zwei durch die Gezeiten bedingte Zustände der Landschaft zu sehen sind. Marten hat die Dyptichen im zeitlichen Abstand von sechs oder 18 Stunden jeweils vom selben Standpunkt aus aufgenommen. Die überraschenden Bildpaare veranschaulichen den dynamischen Zustand dieser Landschaft.

aus: Michael Marten: Sea Change

Ein Aspekt der Faszination dieser Arbeit ist das Nebeneinander der jeweils gleichen Ansichten bei Ebbe und Flut. Dies ermöglicht es herauszufinden, was sich durch die Gezeiten ändert und was nicht.

Für „Sea Change“ hat Marten die knapp 18000 km lange britische Küste in die vier Bereiche Südwest, Nordwest, Nordost und Südost eingeteilt. Er hat ein umfangreiches Werk geschaffen, das die Vielfalt der britischen Küste dokumentiert: von Strandpflanzen über Felsformationen und unberührte Sandufer zu Industriegebieten. Sein fotografisches Doppel-Portrait der maritimen Landschaft verdeutlicht effektvoll die Gezeiten.

Biographie

Michael Marten hat beruflich und privat mit Fotografie zu tun seit er als Jugendlicher zu fotografieren begann. Seine erste Anstellung hatte er als Autor von Bildunterschriften für die Agentur „Camera Press syndication“. 1979 gründete er die „Science Photo Library“, eine Bildagentur für Wissenschaft und Medizin. Marten hat als Mitautor und Bildredakteur an verschiedenen Büchern gearbeitet, u.a. „An Index of Possibilities“ (1974), „Worlds Within Worlds“ (1978), „The New Astronomy“ (1983) und „The Particle Odyssey“ (2002).

„Sea Change“ wurde in folgenden Institutionen gezeigt: Blue Sky Gallery (Portland, USA); Grazia Neri Gallery (Mailand); Libreria del Mare (Palermo) sowie Ringe Bibliotek, Denmark, als Teil des Fototriennale.dk Photography Festival; Oxo Gallery in London.

2011 gewann Sea Change den „LensCulture International Photography Award“ für das beste Portfolio und war im selben Jahr unter den Top-50 bei Critical Mass. „Sea Change“ wurde im Ag-Magazin, Mare, Focus Italy und in The Guardian’s Weekend Magazine veröffentlicht.

Sea Change: A Tidal Journey Around Britain by Michael Marten, 126 Seiten, 107 Farbfotografien, mit einer Einführung von Robert Macfarlane. Heidelberg: Kehrer, 2012 (vergriffen). Exemplare einer limitierten Sonderedition mit einem beigefügten Originalprint sind noch erhältlich.

(Übersetzung: Martin Frech, NzF)

Romano Riedo: Hinterland 14. Mai 2016

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Fotoausstellung, Fotograf, schaelpic photokunstbar.
Tags: , , , , , , , , , , ,
add a comment

Am 12. Mai 2016 haben wir in Köln die Ausstellung mit Arbeiten aus der Serie ‚Hinterland‘ von Romano Riedo eröffnet.

Zur Einführung habe ich eine kurze Ansprache vorbereitet, die ich hier dokumentiere.

Hinweise zu Romano Riedos Serie ‚Hinterland‘
© 2016 Martin Frech, randgebiete.de

Das übergreifende Thema unserer schaelpic-Ausstellungen 2015/2016 ist das Motiv der ‚Zeit‘ in der Fotografie. Wie in den vergangenen beiden Ausstellungen angedeutet, finden wir dazu sehr unterschiedliche Positionen.

Klar ist: prinzipiell zeigt jede Fotografie etwas Vergangenes, „bezeugen alle Fotografien das unerbittliche Verfließen der Zeit“, wie es Susan Sontag bereits 1977 so passend formulierte. In diesem Sinne hat uns im vergangenen Herbst Jürgen Hermann Krauses Ostblick-Ausstellung — wie durch eine Zeitmaschine — Einblicke in den DDR-Alltag der Wendezeit von 1990 verschafft.

Knut Wolfgang Maron dagegen hat den Zeit-Aspekt schon konzeptuell berücksichtigt. Zu Anfang des Jahres sahen wir seine berührenden Bilder vom Ende des Lebens seiner Mutter und ihrer Hinterlassenschaft.
Roland Barthes Vermutung von 1977, jedes Anschauen eines Fotos sei ein Kontakt mit dem Tod, bekam hier eine direkte Bestätigung.

Heute zeigen wir Ihnen Bilder aus einem Langzeit-Projekt von Romano Riedo. Damit haben wir eine Position, die unserem Thema weitere Aspekte abgewinnt.

Romano Riedo arbeitet als freier Fotograf und Fotojournalist in der Schweiz. Neben seinen Auftragsarbeiten nimmt er sich regelmäßig Zeit für freie Reportagen, die häufig auf längere Zeiträume angelegt sind.

Seine Welt sind die Berge — Romano Riedo beschäftigt sich seit langem intensiv mit den Bergbauern in der Schweiz. Seit mehr als 20 Jahren fotografiert er deren Alltag. Die Ergebnisse seiner fotografischen Feldforschungen haben sich in Büchern und Ausstellungen manifestiert mit Titeln wie ‚Alpland‘, ‚Alpzeit‘, ‚La Gruyère‘ und eben ‚Hinterland’.

Aus dem gewaltigen Bilderberg von Riedos Hinterland-Projekt mussten wir für diese Ausstellung eine kleine Auswahl treffen — eine repräsentative, wie wir hoffen.

Riedos ‚Hinterland‘ sind die Alpen. Neben Jura und Mittelland sind die Alpen eine der drei Schweizer Großregionen. Und obwohl die Alpen etwa 60% der Schweizer Landesfläche beanspruchen, sind sie nur dünn besiedelt. Der Großteil der rund 8,5 Mio. Schweizer lebt im Mittelland, das jedoch nur etwa ein Drittel der Landesfläche ausmacht, bei einer Breite von maximal 70 km.

Letzteres ist einer der Aspekte, die Riedo fasziniert: man hat aus allen größeren Städten der Schweiz nur kurze Wege in die Berge, kann dort jedoch in eine komplett andere Welt eintauchen; in seinem Fall ist das die Arbeits- und Lebenswelt der Bergbauern. Laut Riedo ist das auch in der Schweiz eine Minderheit, die kaum jemand wirklich kennt.

Er selbst kennt diese Welt, da er einmal für eine Saison dort gearbeitet hat und seither immer wieder dorthin gereist ist. Er hat sich durch die beharrliche Auseinandersetzung mit dem Thema einen privilegierten Zugang zu den Bergbauern erarbeitet, der ihm ein Fotografieren quasi als teilnehmendem Beobachter ermöglicht.

Doch was ist eigentlich ein Bergbauer?
Ein Bergbauer ist ein Bauer im Gebirge.
Das hört sich einfach an, bringt für den Bergbauern im Vergleich zu seinen Kollegen im Flachland jedoch so seine Schwierigkeiten mit sich: moderne landwirtschaftliche Geräte sind kaum einsetzbar, die klimatischen Bedingungen sind extrem und die Höfe, Weiden und Ackerflächen sind schwerer zugänglich. Attraktiv wurde das Bergbauerntum daher auch erst vor etwa 800 Jahren — wegen der damaligen Bevölkerungsentwicklung und dem Mangel an einfach zu bewirtschaftenden Flächen.

Heutzutage wirkt das Bergbauerntum wie aus der Zeit gefallen und ist zumindest in Europa wirtschaftlich schon lange nicht mehr konkurrenzfähig. Aus unterschiedlichen Gründen werden Bergbauern jedoch staatlich unterstützt. Stichworte sind Landschaftspflege, Tourismusförderung und naturnahe Lebensmittelproduktion (slow food).

Diese entschleunigte bergbäuerliche Lebensmittelherstellung interessiert Romano Riedo besonders. Ihn fasziniert es, die Älpler bei Ihrer Arbeit zu beobachten und er schätzt die Identifikation der Menschen mit ihrer Arbeit und den dabei entstandenen Produkten. Ich kann das seinen Bildern entnehmen.
Obwohl ich mir vorstellen kann, dass auch in dieser Bergbauern-Welt das eine oder andere Artefakt unserer modernen Welt auftaucht, ist auf Riedos Bildern davon kaum etwas zu sehen. Mal die Andeutung einer Melkmaschine, mal ein Funkgerät oder etwas versteckt ein Kassettenrekorder. Auch das Etikett an einer Kinderhose deutet einen zeitgenössischen Kontext an. Aber man muss schon arg nach Details suchen, die diese Bilder im Jetzt verorten.

In der Tradition der Reportage-Fotografie besteht Riedos Arbeit aus Landschafts-Aufnahmen, Portraits und der Dokumentation von Arbeitsabläufen; Schnappschüsse hat sich der Fotograf ausdrücklich erlaubt.

Technisch hat Romano Riedo im Einklang mit seinen Motiven zumindest während den Aufnahmen ganz klassisch gearbeitet. Alle Bilder sind mit einer handlichen Mittelformatkamera (einer Mamiya 6) auf Schwarzweißfilm fotografiert — ausschließlich mit dem vorhandenen Licht und nur aus der Hand.
Später hat Riedo die Negative jedoch gescannt und Tintenstrahl-Drucke erstellt; es handelt sich bei den hier gezeigten Bildern also nicht um traditionelle Schwarzweiß-Vergrößerungen.

Riedo hat in der ganzen Schweiz fotografiert — unter anderem in Appenzell, Graubünden, Tessin, Oberwallis, Berner Oberland und Greyerz.

Ich denke mir, dass der Globalisierungsdruck weiter zunehmen wird und derartige selbst gewählte Arbeits- und Lebensformen in den Bergen vollends verschwinden werden. Es ist wichtig, dass es Fotografen wie Romano Riedo gibt, die diese Parallelwelten mit solcher Ausdauer für uns dokumentieren. Ich wünsche ihm, dass er seinen Plan realisieren kann, diese Serie auf ganz Europa auszudehnen.

Romano Riedo: Ein Schwein in Freiheit vor einem Holzkreuz auf Alp Turtmann im Wallis.
Romano Riedo: Ein Schwein in Freiheit vor einem Holzkreuz auf Alp Turtmann im Wallis.

Romano Riedo: Arbeiten aus der Serie Hinterland
Ausstellungsort:
schaelpic photokunstbar
Schanzenstraße 27
51063 Köln
Ausstellungsdauer:
13. Mai bis 11. August 2016
(Mo. bis Fr., 10 bis 18 Uhr)

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Unbeugsam und ungebändigt: Dokumentarische Fotografie um 1979, Museum Ludwig, Köln (Ausstellung) 10. November 2014

Posted by Martin Frech in Foto-Ausstellung, Geschichte.
Tags: , , , , , , , ,
1 comment so far

Über den Titel dieser Ausstellung habe ich — ob seiner Komplexität — lange nachgedacht. In so wenigen Wörtern so viel zu verpacken, das ist schon eine Kunst für sich.

beugen: beuge, beugst, beugt, beugen, beugt, beugen; ein schwaches Verb.
Neben den eigentlichen Bedeutungen wie krümmen, neigen oder biegen, wird das Wort auch gerne gebraucht im Sinne von sich fügen, nachgeben, sich unterwerfen; aber auch für sich untertan machen, Druck ausüben oder bezwingen.
In der Sprachwissenschaft kennen wir beugen als flektieren: es steht für das Abwandeln eines Wortes in seinen grammatischen Formen.

Das Adjektiv beugsam steht laut Duden für bereit, unter Druck nachzugeben, sich zu fügen.
Unbeugsam bedeutet dementsprechend sich nicht durch jemanden in seiner Haltung beeinflussen lassend.

Aber gibt es denn eine „beugsame“ Fotografie? Ist das ein biegbarer Fotoabzug? Ich stelle mir einen unkaschierten Abzug vor, den ich biegen kann; die „unbeugsame“ Fotografie wäre dann beispielsweise auf Hartfaserplatte aufgezogen.

Oder ist „beugsame“ Fotografie, diejenige, die unter (politischem) Druck entsteht; bzw. hergestellt wird von einem Fotografen, der sich unterwirft — und etwa die Verantwortung für seine Bilderzeugnisse abgibt an den kommerziellen oder politischen Auftraggeber?

Wohl letzteres. Ich verstehe den Titel so, dass er auf die Haltung der Bildautoren anspielt: Vor allem im Kontext „1979“ weist uns das Adjektiv „unbeugsam“ darauf hin, dass in der Ausstellung Autorenfotografie (Honnef, 1979) gezeigt wird. Also Arbeiten von selbstbewussten (Bild-)Autoren, die ihre Werke eigenverantwortlich (ethischer Standpunkt) und mit einer eigenen Bildsprache (ästhetischer Standpunkt) anfertigten.

bändigen: bändige, bändigst, bändigt, bändigen, bändigt, bändigen; auch ein schwaches Verb. Es bedeutet — um es kurz zu machen –, etwas oder jemanden trotz starken Widerstandes unter seinen Willen zwingen.

Ungebändigt ist schon schwerer zu fassen. Im Kontext des Ausstellungstitels könnte es für ungezähmt oder wild stehen. Tut es auch, aber in einem übertragenen Sinne.

Denn 1980 erschien in Paris der Essay La chambre claire. Note sur la photographie. von Roland Barthes. (Die deutsche Übersetzung erschien 1985 bei Suhrkamp unter dem Titel Die helle Kammer. Bemerkung zur Photographie.) Darin unterscheidet der Autor zwei viel zitierte Wirkungsarten von Fotografie, das „studium“ und den „punctum“. In der Lesart der Ausstellungs­macherin Barbara Engelbach ergeben sich daraus zwei Umgangsweisen mit Fotografie: ihre ästhetische Zähmung (Kunst) sowie das Zulassen ihrer ungebändigten Wirkung (Abbild der Realität).

Das ungebändigt in der Überschrift zur Ausstellung verweist also auf das Barthes-Zitat vom „Erwachen der unbeugsamen Realität“ im Medium der Fotografie.

(Dass sich „studium“ vs. „punctum“ bzw. Kunst vs. Wirkung nicht widersprechen müssen, ist klar; gerade hier kann die Fotografie ja ihre Stärke ausspielen.)

Soviel zu den vorangestellten Adjektiven. Doch was ist „Dokumentarische Fotografie“? Da die Definitionsleistung dieser Bezeichnung ja eher gering ist, muss ich wieder etwas ausholen.

Jede Fotografie (ich lasse die Konkrete Fotografie jetzt mal außen vor) verweist auf etwas vor der Kamera gewesenes und ist damit immer auch ein Dokument. Zumindest wenn man auf den mittellateinischen Ursprung des Begriffs zurückgeht: ein documentum ist ein Beweis, es kann etwas erhellen.
Das gilt sicher unabhängig von den Entstehungsbedingungen des Fotos, weswegen das „doku­mentarisch“ im Ausstellungstitel wohl nicht als Abgrenzung zu einer — wie auch immer gemeinten — künstlerischen Fotografie zu verstehen ist.
(Im Gegenteil — und eher Thomas Weski folgend, der erklärte, Fotografie im dokumentarischen Stil sei eine künstlerische Fotografie mit den Mitteln des Dokumentarischen.)

Hilfreich für mich sind hier die Definitionen von Timm Starl (in Butins „Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst“) und Abigail Solomon-Godeau (in Wolfs „Diskurse der Fotografie“).

Starl unterscheidet zwischen der archivalischen, der dokumentarischen und der konzeptuellen Dokumentarfotografie. Der archivalische Ansatz ist dabei ein enzyklopädischer und beim konzeptuellen geht es eher um die Geste. Mit dokumentarischer Dokumentarfotografie meint Starl eine Fotografie, die von den Interessen der Fotografen, ihren Stimmungen und ihren Erfahrungen geleitet ist.

Für Solomon-Godeau ist dokumentarische Fotografie klar historisch verortet und hat sprachliche sowie kulturelle Bezüge. Wichtig ist ihr, sich beim Betrachten der Bilder deren subjektiven Entstehungsbedingungen bewusst zu sein: Die Bilder lassen sich nicht universalistisch lesen. Dokumentarische Fotografie hat also Bekenntnis-Charakter.

Abschließend verortet der Ausstellungstitel die Schau zeitlich: „um 1979“.
Barbara Engelbachs Ausgangspunkt war Roland Barthes Buch, das in jener Zeit entstand. Sie wollte in ihrer Ausstellung Bilder zeigen, die zur Entstehungszeit des Textes fotografiert wurden. Aber natürlich nicht irgendwelche Bilder.

Barbara Engelbach sieht die 1970er-Jahre (mit Eric Hobsbawm) als Krisenjahre, in denen sich die Welt veränderte. Das ist nachvollziehbar: Apartheid (bis 1994), Vietnamkrieg (bis 1975), Ostpolitik (1970 Brandts Kniefall in Warschau), Geiselnahme bei der Olympiade 1972, meine Einschulung (1972), Gastarbeiter (Anwerbestop 1973), Ölkrise 1973/74 (daraufhin die Anti-Atomkraft-Bewegung), Watergate- und Guillaume-Affären (beide 1974), Deutscher Herbst (1977), Revolution im Iran, das Ende von Somozas Regime in Nicaragua und der Beginn des sowjetisch-afghanischen Kriegs (alles 1979), NATO-Doppel­beschluss (1979, daraufhin Entstehen der neuen, breiten Friedensbewegung, die in den frühen 1980er-Jahren eine große öffentliche Wirkung erzielte), Gründung der Partei „Die Grünen“ und erster Golfkrieg (1980), AIDS wird als eigenständige Krankheit erkannt (1981), Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU (1985), Glasnost (1986), Atomreaktor-Katastrophe in Tschernobyl (1986), Perestroika (1987).

Viel Stoff also zum Fotografieren. Doch was sehen wir in der Ausstellung — außer Werken von Robert Adams, wie uns schon das Plakat verrät?

(c) Martin Frech: Museum Ludwig, Dokumentarische Fotografie um 1979Ausstellungsplakat am Museum Ludwig, Köln (Foto: Martin Frech Fotografie)

Unbeugsam und ungebändigt: Dokumentarische Fotografie um 1979 — unter diesem Titel werden in Köln 14 fotografische Serien von 13 Fotografinnen und Fotografen gezeigt (die Nothhelfers zähle ich hier als Einheit) und nach der dokumentarischen Haltung der Autoren befragt (aufzeichnen vs. sichtbar machen im Barthes’schen Sinne, s.o.). Da sich diese Haltung auch im Gebrauch der Fotos zeigt, werden zu jeder Arbeit fünf Fragen auf Texttafeln beantwortet, u.a. in wessen Auftrag die Aufnahmen entstanden und wo sie erstveröffentlicht wurden.

    vertretene Positionen:

  • Robert Adams (*1937) mit der kompletten Serie (74 Bilder) aus „Our Lives and Our Children“ (1979–1983, veröffentlicht 1983),
  • Derek Bennet (*1944, †1990) mit 20 Werken aus der 500-teiligen Serie „Stille Zwiesprache. Bildnisse von Deutschen“ (1978–81, veröffentlicht 1983),
  • Joachim Brohm (*1955) mit 9 Arbeiten „Ruhrlandschaften“ (1981–1983, veröffentlicht 1983) aus der über 50-teiligen Ruhr-Serie,
  • David Goldblatt (*1930) mit 20 Arbeiten aus der Serie „The Transported of KwaNolebele“ (1983–1984, veröffentlicht 1985),
  • Candida Höfer (*1944) mit 44 Bildern aus ihrer Serie „Türken in Deutschland“ (1974–1978, veröffentlicht ab 1975),
  • Miyako Ishiuchi (*1947) mit 15 Fotos aus der Serie „Apartment“ (1978, veröffentlicht 1978),
  • Sanja Iveković (*1946) mit der vierteiligen Arbeit „Triangle“ (1979, veröffentlicht 1980),
  • Ute Klophaus (*1940, 2010) mit der 19-teiligen Fotodokumentation der Installation “Honigpumpe” von Joseph Beuys auf der documenta 6 (1977, veröffentlicht ab 1977),
  • Karl C. Kugel (*1957) mit der 31-teiligen Arbeit „Le voyage allemand, Februar bis April 1983“ (veröffentlicht 1985),
  • Boris Mikhailov (*1938) mit 20 Abzügen aus der „Serie von vier“ (1982/83) sowie der 66-teiligen „Rote Serie“ (1969–1975),
  • Gabriele und Helmut Nothhelfer (je *1945) mit einigen wenigen Arbeiten aus ihrem Werk (1974–1982, veröffentlicht ab 1974),
  • Thomas Ruff (*1958) mit 40 Portraits (1983–1987, veröffentlicht ab 1986) sowie
  • Raghubir Singh (*1942, †1999) mit 22 Arbeiten aus der Serie „Calcutta“ (1970–1988, veröffentlicht ab 1975).

David Goldblatt fotografierte seine Serie im Auftrag einer Stiftung als Bildbericht zu einer Armuts-Studie in Südafrika. Alle anderen gezeigten Arbeiten entstanden auf Eigeninitiative der Künstler. Journalistische Arbeiten sind in der Ausstellung nicht vertreten (Ute Klophaus bewegt sich, denke ich, in einem Grenzbereich). Insofern wäre — um noch ein Mal auf den Titel zurückzukommen — „Fotografie im dokumentarischen Stil“ (Evans, 1971) präziser gewesen als Überschrift denn „Dokumentarische Fotografie“.

Was waren die Kriterien für Auswahl?
Sicherlich der Entstehungszeitpunkt, „um 1979“. Wir sehen allerdings Werkkomplexe, die zwischen 1969 und 1987 entstanden sind — das „um“ ist also eher großzügig ausgelegt.
Die Arbeiten sollten laut Pressemitteilung zudem in der Auseinandersetzung mit dem aus den Krisen resultierenden „globalen Wandel“ der 1970er/1980er-Jahre entstanden sein.
Außerdem waren offenbar Serien gefragt, keine Einzelbilder.

Warum werden manche Serien komplett gezeigt und aus anderen nur Auszüge? So schön es ist, die Komplexe von Adams oder Ruff komplett zu sehen, ist es doch schade, dass die Nothhelfers oder Joachim Brohm nur mit so wenigen Bildern vertreten sind.

Weitere Kriterien? Ich weiß es nicht — immerhin bin ich nicht mit Insider-Informationen ausgestattet, sondern schreibe hier aus meiner Besucher-Perspektive.
Vielleicht eine regionale Vielfalt? Die Hälfte der Serien „spielt“ nicht in Deutschland.
Vielleicht die Erreichbarkeit der Arbeiten? Bis auf vier Serien (die Arbeiten von Goldblatt, Ishiuchi und Singh sowie Mikhailovs „Rote Serie“) stammen die gezeigten Arbeiten aus den eigenen Museum-Ludwig-Beständen. (Die Kuratorin nennt den Katalog auch einen „Beitrag zur Aufarbeitung der Sammlung“.)

Es ist klar, dass Barbara Engelbach trotz des Bezugs auf die Krisenjahre um 1979 keine Geschichtsausstellung zeigen wollte. Und wohl auch keine politischen Arbeiten — oder warum fehlt beispielsweise der dezidiert politische Allan Sekula (*1951, †2013), der sowohl als Fotograf als auch als Theoretiker des Dokumentarischen nachhaltig hervorgetreten ist?

Ausnahmen sind Sanja Iveković‘ „Triangle“, die Dokumentation einer Performance, mit der die Künstlerin gezielt die jugoslawische Polizei provozierte (aber eben nicht mit den Fotos, die mir die Aktion ohne den Text nicht vermitteln), und eventuell David Goldblatts Nachtaufnahmen über Lebensbedingungen im Apartheidregime. Auch wenn mich Ruffs Portraits regelmäßig an das damals überall zu sehende RAF-Fahndungsplakat erinnern („Anarchistische Gewalttäter — Baader/Meinhof-Bande –„; innenpolitisch findet in den Jahren um 1979 der Übergang von der ersten zur zweiten Generation der RAF statt), ist das in meinen Augen keine politische Arbeit. (Gerhard Richter hat seinen RAF-Zyklus übrigens erst 1988 gemalt.)

Eigenartig finde ich, dass Barbara Engelbach die DDR-Fotografie komplett außen vor lässt (gut gepasst hätten beispielsweise Arbeiten von Evelyn Richter (*1930) oder die „Fähre“ (1979–1981) von Helfried Strauß [*1943]).
Vermisst habe ich auch den Krisen-Dokumentar Eugene Smith (*1918) (über den ich hier schon geschrieben habe), doch der ist ja bereits 1978 gestorben. Vielleicht arbeitete er, der Erfinder des Foto-Essays, auch zu journalistisch für diesen Kontext. Aber wäre das ein Ausschlusskriterium?

Und was erzählen die Bilder über die „Krisen“ bzw. den „globalen Wandel“, mithin Stichwort­geber der Ausstellung?
So direkt — gar nichts. Wie auch? Fotos sind notorisch schwach kodiert, um sie zu lesen und im Sinne des Autors zu verstehen, brauchen wir den Kontext und die Geschichte ihrer Entstehung; das wusste schon Brecht.

Ich greife ein Beispiel heraus, analog gilt das für alle in der Ausstellung versammelten Arbeiten.

Robert Adams zeigt uns mit „Our Lives and Our Children“ anonyme Kinder, Erwachsene und Autos auf Park- und anderen Plätzen. Die Fotos sind schwarzweiß, kontrastreich und leicht von unten aufgenommen, gelegentlich schief kadriert, manchmal unscharf — ohne Stativ aufge­nommene Schnappschüsse aus dem Alltag.
Die Autos, die Kleidung usw. geben uns ungefähre Hinweise auf die Entstehungszeit. Die Orte sind nicht zu fassen, es scheint sich häufig um Parkplätze zu handeln. Aus den Gesichtern, die immer an der Kamera vorbeischauen, kann man alles mögliche herauslesen.

Ein wichtiges Thema der 1970er-Jahre war die atomare Bedrohung — sowohl durch die zivile, als auch die militärische Nutzung der Atomkraft. Die erste Ölkrise (1973/74) beförderte weltweit den Ausbau der Atomwirtschaft, der NATO-Doppel­beschluss von 1979 die atomare Aufrüstung. In den Atomanlagen kommt es immer wieder zu „Störfällen“; zudem entweichen auch im Normalbetrieb häufig radioaktive Substanzen. Am 28. März 1979 kam es im neu erbauten Atomkraftwerk „Three Mile Island Nuclear Generating Station“ (bei Harrisburg/ Pennsylvania in den USA) zu einer Teil-Kernschmelze — ein GAU, der bis heute nachwirkt. (Die Katastrophe von Tschernobyl ereignete sich sieben Jahre später am 26. April 1986.)

Diese Thematik ist die Klammer für Robert Adams‘ in der Ausstellung gezeigte Arbeit. In Denver/Colorado fotografierte er Menschen, u.a. auf Parkplätzen von Einkaufszentren. Er arbeitete im Stil der „street photography“, mit einer — beispielsweise hinter einer Einkaufs­tüte — versteckten Hasselblad SW.
In der Nähe seiner Schauplätze befand sich die skandalträchtige Atomwaffenfabrik „Rocky Flats nuclear weapons plant“ (in Betrieb von 1952–1992), in der Plutonium verarbeitet — und freigesetzt — wurde.
1984 erschienen Adams Bilder im Buch „Our Lives and Our Children: Photographs Taken near the Rocky Flats Nuclear Weapons Plant“.

Kontext der Fotoserie ist also die atomare Bedrohung. Mit diesem Wissen kann man die Gesichter anders deuten. Es ist dann nachvollziehen, dass Adams mit seinen Fotos auf eine unsichtbare Bedrohung hinweisen wollte. Wäre die einordnende Erzählung eine andere, würde ich etwas völlig anderes aus diesen Bildern lesen.
Adams subtiles Vorgehen ist eine Art des Umgangs mit dem Thema.

In den 1970er-Jahren entwickelte sich auch hierzulande die Anti-Atomkraft-Bewegung. Joachim Radkau hat sie einmal als den größten und gedankenreichsten öffentliche Diskurs der Bundes­republik bezeichnet. Günter Zint (*1941) ist einer ihrer Chronisten; er hat die Szene jahrelang als Aktivist mit der Kamera begleitet („Gegen den Atomstaat“).
Zints Methode ist eine andere Art des Umgangs mit dem Thema. Für mich wäre es spannend gewesen, Adams‘ und Zints Bilder parallel zu sehen.

Es ist gut, dass Texttafeln die Fotos kontextualisieren — ein zarter didaktischer Ansatz. Für meinen Geschmack dürften die Texte ausführlicher sein; schön wäre auch ein „Apparat“ parallel zur Ausstellung gewesen. (In diesem Sinne argumentierte ja auch Markus Schaden mit seiner temporären Installation „The PhotoBookMuseum“.)

Eine Entdeckung war für mich der Fotograf Karl C. Kugel. Seine Bilder einer Deutschland­reise vom Frühjahr 1983 („um 1979“!) haben mich ebenso begeistert wie die Präsentation auf Lesepulten. Die Möglichkeit, diese Arbeit direkt mit Mikhailovs „Serie von vier“ zu vergleichen, fand ich spannend.

Was diese Ausstellung für mich außerdem sehenswert macht, ist das Nebeneinander so unter­schiedlicher Ausdrucksweisen für ähnliche Thematiken. Die Portraits der Nothhelfers und die von Derek Bennet, den ich im übrigen auch noch nicht kannte; Höfers eher selten gezeigte Arbeit in Nachbarschaft zu Brohms Landschaften oder Singhs Bilder aus Kalkutta und Mikhailovs „Rote Serie“.

Von Karl C. Kugel würde ich gerne mehr Fotos sehen und wissen, wie er nach diesem Frühwerk weitergearbeitet hat. Doch meine Recherchen stocken; er ist weder in Koetzles Fotografen­lexikon eingetragen (gut, das sagt noch nichts, dort fehlen viele), noch habe ich via Internet substanzielles gefunden.
Weiß jemand meiner Leser mehr? Über Kommentare freue ich mich!

Der Katalog (Deutsch/Englisch) ist bei Snoeck erschienen. Neben einem einführenden Text der Kuratorin Barbara Engelbach wird jede der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten mit ausgewählten Bildern vorgestellt. Unterschiedliche Autoren haben dazu jeweils kurze Texte verfasst.

Um 1979 — Unbeugsam und ungebändigt: Dokumentarische Fotografie um 1979. Ausst.-Kat. Museum Ludwig 2014. Hg. von Barbara Engelbach. Köln: Snoeck, 2014. 192 Seiten. ISBN 978-3-86442-102-0

Unbeugsam und ungebändigt: Dokumentarische Fotografie um 1979
Kuratorin: Barbara Engelbach
Museum Ludwig Köln Hein­rich-Böll-Platz
50667 Köln
28.06. bis 05.10.2014, verlängert bis 16.11.2014 http://www.museum-ludwig.de/de/ausstellungen/unbeugsam-und-ungebaendigt.html

Haben Sie diesen Beitrag gerne gelesen? Mussten Sie schmunzeln oder haben Sie etwas Neues erfahren? –> So unterstützen Sie diesen blog.

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Einladung zum Kunstaktionstag (10. Mai 2014, Tübingen) 7. Mai 2014

Posted by Martin Frech in Events, Foto-Ausstellung, Jedes Foto ist historisch.
Tags: , ,
add a comment

Ein Kunstaktionstag mit Malerei, Zeichnung, Fotografie, Performances, Installationen und Video belebt am Samstag, den 10. Mai 2014, von 10 bis 21 Uhr die beiden Leerräume in der Wilhelmstraße am „Kommödle“. Darin waren zuvor ein Copy-Shop und ein Antiquariat untergebracht. Für den Kunstaktionstag hat die Museumsgesellschaft diese beiden derzeit leerstehenden Räume zur Verfügung gestellt.

Kommoedle, Tuebingen (Foto: Martin Frech)

Kommödle, Tübingen (Foto: Martin Frech)

Wie lassen sich Leerräume kreativ nutzen? Welchen Mehrwert könnten sie bringen für die Förderung und Belebung der kulturellen Vielfalt in Tübingen? Welche ungenutzten Potentiale liegen da brach? Und wie ließe sich leerstehender Raum zusammenbringen mit dem vielfältigen Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten von Künstlern, Medienschaffenden und Musikern?

All das sind Fragen, die bewegen, gestellt und diskutiert werden sollen, bei einer offenen Gesprächsrunde während des Kunstaktionstages um 11 Uhr (siehe auch Programmablaufplan). Gemeinsam wollen die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler mit Experten und Interessierten ins Gespräch kommen, mit Kulturmanagern, wie der Kunstamtsleiterin Josefine Gras, die sich mit der Zwischen- und Umnutzung von leerstehenden Räumen auskennen, Ideen dazu voranbringen wollen, oder mit Künstlerinnen, wie den beiden Schwestern Hanna und Ava Smitmans, die sich bereits mehrfach mit dem Thema verlassener Räume und des Leerstands beschäftigt haben, oder mit Künstlern wie Martin Frech und Dieter Löchle, die unter anderem bei mehreren Ausstellungsprojekten und mit ihren Ateliers im ehemaligen Milchwerk in der Rappstraße Erfahrungen zum Thema gesammelt haben.

Welche vielfältigen Möglichkeiten darin stecken können, über Plattformen und Netzwerke nicht nur nachzudenken, sondern diese tatsächlich zu gestalten, dass soll der Kunstaktionstag mit einem vielseitigen Programm zeigen.

Beteiligt haben sich daran insgesamt vierzehn Künstlerinnen und Künstler. Im Erdgeschoss des ehemaligen Copy-Shops zeigt Hanna Smitmans unter dem Titel „Leerstand vor Ort“ Fotografien und Video-Kunst. Des Weiteren gibt es dort Gummischnitte mit Malerei von Dieter Löchle, Zeichnungen von Nadine Pasianotto und eine Installation von Dietmute Zlomke zu sehen, die um 13 Uhr (und über den ganzen Tag verteilt) zudem mit Performances aktiv beteiligt ist. Künstlerische Erfahrungen mit der Belebung leerstehender Räume hat Zlomke erst kürzlich, vor dem Abriss des Gebäudes in der Uhlandstraße, mit ihrem Projekt „Luisenbad“ zur Billigkeit der Gesundheit, gemacht, das in den Räumen der ehemaligen „Uhlandapotheke“ stattgefunden hat.

Im Obergeschoss des ehemaligen Copy-Shops erwarten die Besucherinnen und Besucher Bilder und Objekte von Ava Smitmans zum Thema Leerraum, Fotografien von Lorenzo de Nobili und die Installation „Bilderschachtel“ mit Fotografie von Martin Frech sowie Polaroids von Rudolf Rechenmacher, die Bild und Text miteinander vereinen, und Malerei sowie Papierskulpturen von Anton Requejo. Im Untergeschoss wird es multimedial und interaktiv. Hier zeigen der Künstler und Shedhallenvorsitzende Christian Palmizi, der Lichtkünstler Gregor Schulte und der Video- und Medienkünstler Timo Dufner ihre Arbeiten. Mit einem „Lichtpinsel“ können die Betrachter in der Installation von Gregor Schulte beispielsweise selbst kreativ werden, ihre eigenen Werke schaffen.

Martin Frech: 2007-01-18, Berlin

Martin Frech: 18.01.2007, Berlin; aus der Arbeit „Jedes Foto ist historisch“ (2007/2014)

Im angrenzenden ehemaligen Antiquariat lässt sich um 14 bei der Live-Malerei von Mark Krause hautnah miterleben, wie ein Bild entsteht, lässt sich die Energie des kreativen Prozesses unmittelbar spüren — „Leerstand live“, wenn man so will. Interaktiv geht’s hier um 16 Uhr weiter. Mit einer Schaufenster-Aktion, in die Passanten und Publikum einbezogen werden, wird das Schaufenster, wird der Raum künstlerisch neu gestaltet, entsteht im direkten Dialog mit dem Ort, mit den Besuchern und Vorübergehenden im Laufe der Zeit ein eigenständiges Kunstwerk. Kerstin Risse ist, wie Mark Krause und Timo Duffer, auch im Kunstamt aktiv und bringt somit ebenfalls vielseitige Erfahrung mit der kulturellen Um- und Zwischennutzung leerstehender Räume mit.

Veranstaltet und organisiert wird der Kunstaktionstag am „Kommödle“ von der Künstlerin Vasiliki Koutsoumaraki und der Kunsthistorikerin und Künstlerbundvorsitzenden Cornelia Szelényi. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Museumsgesellschaft Tübingen, die hierfür ihre Räume zur Verfügung gestellt hat.

    Das Programm mit allen Uhrzeiten und Veranstaltungen auf einen Blick:

  • Geöffnet ist ganztags durchgängig von 10 bis 21 Uhr.
  • 10–11 Uhr: Open doors
  • 11–12 Uhr: Offene Gesprächsrunde mit Aktiven und Künstlerinnen zum Thema:
    Mehrwert, Nutzen, Perspektiven durch die Öffnung von Leerräumen für die
    Kultur?!
  • 13 Uhr Performance mit Dietmute Zlomke (auch über den ganzen Tag verteilt)
  • 14–15 Uhr „Leerstand live“, Livemalerei mit Mark Krause
  • 16–17 Uhr Interaktive Kunst- und Schaufensteraktion mit Kerstin Risse

 
 


(Ich weiß, die Werbung nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

Silber und Bytes — 175 Jahre Photographie 2. Februar 2014

Posted by Martin Frech in Events, Foto-Ausstellung, Fotoausstellung, Geschichte, schaelpic photokunstbar.
Tags: , , , , , , , , , ,
add a comment

175 Jahre FotografieDie offizielle Bekanntgabe des ersten praxistauglichen photographischen Verfahrens jährt sich 2014 zum 175. Mal.

Die schaelpic photokunstbar und Annette Völckner (DGPh) wollen dieses Jubiläum der Photographie mit einer Veranstaltungsreihe aus Ausstellungen, Workshops, Vorträgen, Künstlergesprächen und Filmabenden im Verlauf des Jahres begehen und feiern.

Ziel ist es, ein interessiertes Publikum im Zeitalter digitaler Massen-Knipserei unterhaltsam und inspirierend auf die technischen und kulturhistorischen Wurzeln des Mediums aufmerksam zu machen und zugleich aktuelle Entwicklungen der Photographie aufzuzeigen. Somit wird die Photographie als erstes technisches Medium gewürdigt, das seit der Erfindung unser Alltagsleben und im Laufe seiner Entwicklung die Kunst umfassend durchdrungen hat und es mehr denn je tut.

Im Jubiläumsjahr sind vier Ausstellungen mit einem jeweils eigenen Schwerpunkt geplant. Dabei spannen wir den Bogen von den frühen Verfahren der Photographie bis zu neuen bildgebenden Verfahren, die heute in Wissenschaft und Kunst Anwendung finden. Wir haben Photokünstler aus Köln, Wien, Basel und Japan eingeladen, die mit alten und modernen bildgebenden Verfahren arbeiten, mit uns Ausstellungen zu konzipieren. Jede Schau wird mit einer Vernissage eröffnet und von einem attraktiven Rahmenprogramm aus Workshops, Künstlergesprächen, Vorträgen und Filmabenden begleitet, die den jeweiligen Themenschwerpunkt beleuchten.

Das Rahmenprogramm rund um die Ausstellungen wird im Jahresverlauf um weitere attraktive Veranstaltungen erweitert (u.a. Filmabende mit Photographen-Portraits wie z.B. Robert Häusser und Klassiker wie Blow Up). Aktuelle Veranstaltungshinweise werden auf und auf der Homepage www.schaelpic.de permanent veröffentlicht.

Alle Veranstaltungen, mit Ausnahme der Workshops der ausstellenden Photokünstler, stehen für Interessierte ohne vorherige Anmeldung offen und sind kostenlos. Bei den Workshops ist eine Anmeldung erforderlich und es wird eine Teilnahmegebühr erhoben, die den durchführenden Photokünstlern zufließt.

Frühjahrsausstellung März bis Mai 2014:
Transformation — zeitgenössische Wetplate Fotografie

Der Wetplate Photographer Stefan Sappert aus Wien präsentiert aktuelle freie und angewandte Nassplatten-Arbeiten.

Vernissage: Freitag, 14.03.2014, ab 18.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.03. bis 31.04.2014

Stefan Sapert: Wien

Stefan Sappert: Wien

Workshop I: Samstag, 15.03.14 und Sonntag, 16.03.2014: Wetplate-Workshop in den Räumen der schaelpic photokunstbar Köln mit Stefan Sappert. Weitere Informationen zum Wetplate-Workshop finden Sie auch unter http://www.stefansappert.com/de/termine/

Workshop II: Sonntag, 27.04.2014: Lochkamera-Workshop für Jugendliche am Worldwide Pinhole Photography Day (bereits ausgebucht).

Vortrag: Die Erfindungen der Herren Nièpce, Daguerre und Talbot von Martin Frech Tübingen/Berlin (angefragt, Termin wird noch bekannt gegeben).

Sommerausstellung Mai bis August 2014:
Labyrinthe — Reine Palladium-Photographien von Claus Dieter Geissler (Köln) und Platindrucke des japanischen Photokünstlers Keiichi Ito

Platin und Palladium — die Kunst des Edeldrucks in zwei zeitgenössischen korrelierenden Positionen

Vernissage: Freitag, 16.05.2014, ab 18.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 16.05. bis 31.08.2014

Claus Dieter Geissler: Labyrinthe

Claus Dieter Geissler: aus Labyrinthe

Workshop I: Samstag, 17.05.14, Platin-Printing-Workshop mit Claus Dieter Geissler. Weitere Informationen folgen.

Workshop II: Sonntag, 18.05.2014, Trickfilm-Produktion mit Carsten Kurz

Vortrag und Exkursion:
Einführung in digitale und analoge Kinoprojektion Besichtigung des im 50er Jahres Stil erhaltenen Kinos Lindentheater in Frechen bei Köln mit Carsten Kurz. Termin wird noch bekannt gegeben.

Workshop III: Trickfilm-Produktion mit Carsten Kurz. Termin wird noch bekannt gegeben.

Herbstausstellung September bis Oktober 2014:
Catacombe dei Cappuccini — Palermo Silbergelatine-Schwarzweißphotographien von Martin Claßen

Der Kölner Photokünstler stellt seine Silbergelatine-Schwarzweißphotographien von mumifizierten Leichnamen aus der Gruft unter dem Kapuzinerkloster in Palermo aus.

Vernissage: Freitag, 12.09.2014, ab 18.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 12.09. bis 31.10.2014

Martin Classen: Catacombe dei Cappuccini

Martin Classen: aus Catacombe dei Cappuccini

Workshop: Samstag, 13.09.14 und Sonntag, 14.09.2014, Einsteiger-Workshop 100% Schwarzweiss: Filme selber entwickeln und vergrößern mit Tobias D. Kern

Vortrag: Die Geschichte der Farbphotographie von Gert Koshofer. Termin wird noch bekannt gegeben.

Winterausstellung November bis Dezember 2014:
Microstructures I — Contemporary Micrographics

Raster-Elektronen-Mikroskopie-Arbeiten von Dr. Martin Oeggerli, Wissenschaftsfotograf aus Basel

Martin Oeggerli sammelt unter dem Pseudonym Micronaut fotorealistische Dokumente aus einer unsichtbar kleinen Welt. Seine mehrfach preisgekrönten Werke erscheinen in den wichtigsten Magazinen und Wissenschaftszeitschriften weltweit.

Martin Oeggerli: Mundwerkzeuge einer Mosquitolarve

Martin Oeggerli: Mundwerkzeuge einer Mosquitolarve

Vernissage: 07.11.2014, ab 18.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 07.11. bis 20.12.2014