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RIP Kodachrome 25. Juni 2009

Posted by Martin Frech in Geschichte, Technik.
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I got a Nikon camera / I love to take a photograph / So Mama, don’t take my Kodachrome away. (Paul Simon: Kodachrome, 1974)

Mama Kodak gab am 22.06.2009 den Stopp der Produktion des Kodachrome-64-KB-Films und damit das Aus von Kodachrome bekannt.(1) Das war das vorhersehbare Ende eines langen Abschieds. Der Rollfilm wird schon seit 1996 nicht mehr hergestellt, Kodachrome 25 starb 2002, Kodachrome 40 (als Super-8-Film) ging 2005 von uns und Kodachrome 200 wurde 2006 aufgegeben (alle zur Entwicklung im K-14-Prozess; die Kodachromes vor 1974 wurden anders entwickelt).

Ebenso vorhersehbar geht wieder ein Jammern durch die Feuilletons und blogs dieser Welt. Doch wenn alle, die jetzt klagen, fleißig Kodachrome-Dias photographiert hätten, würden wir nächstes Jahr wahrscheinlich den 75. Geburtstag dieser Ikone feiern.
Denn warum stoppt Kodak die im Prinzip seit 1935 laufende Produktion? Aus dem selben Grund, aus dem es keine Kodak-sw-Papiere und keine Polaroid-Materialien mehr gibt, aus dem selben Grund, warum ich nicht mehr auf Agfa-RSX photographieren und auf Agfa-MCC vergrößern kann usw: es lohnt sich nicht mehr, der Markt ist zu klein. Ein Prozent des Filmumsatzes der Firma kam zuletzt von den Kodachrome-Filmen; weltweit entwickelt nur noch ein Labor dieses Material.
Dass Kodak an diesem Niedergang auch eine Mitschuld trägt, sei hier jedoch nicht verschwiegen! Andererseits brachte die Firma in den vergangenen Jahren auch neue bzw. verbesserte Materialien auf den Markt und verspricht, weiterhin am Film-Markt interessiert zu sein — allerdings auf Kosten der Vielfalt.
Kodachrome ist ein kompliziertes Material — bei der Rezeptur, beim Guss und im Entwicklungslabor; Synergieeffekte in Verbindung mit der Produktion anderer Materialien sind nicht möglich.

Bekannte Werke der Photogeschichte wurden auf Kodachrome aufgenommen: sei es Abraham Zapruders Film von Kennedys Ermordung 1963, Ernst Haas‘ New-York-Bilder (Haas fand überhaupt erst mit Kodachrome zur Farbphotographie)(2) oder Steve McCurrys Porträt des Afghanischen Flüchtlingsmädchens, das 1985 als National-Geographic-Titelbild veröffentlicht wurde. Aber auch unzählige Meter Schmalfilm, die durch meine Kameras ratterten waren Kodachrome; so war ich einer der letzten Kunden, bevor Kodak 2006 die Filmentwicklung in der Schweiz schloss.

2006: Meine letzten Kodachrome 40 Super-8-Filmkassetten im Entwicklungsbeutel.
2006: Meine letzten Kodachrome 40 Super-8-Filmkassetten im Entwicklungsbeutel.
Photo © Martin Frech, Berlin

Steve McCurry wird im Kodak-Auftrag die letzten Rollen Kodachrome-KB-Film für das Firmenmuseum belichten. Welch ein Auftrag! Stellen Sie sich vor, Sie haben die letzte Rolle Kodachrome in Ihrer Kamera — was würden Sie aufnehmen?
Ich jedenfalls würde — mit meiner Nikon-Kamera (s.o.) — meine Familie porträtieren und abschließend Paul Simon zu einer Sitzung bitten.
Hallo Kodak …?
Ich kenne diese Situation. Eine kleine Auswahl gefällig? 127er-Diafilm (gab’s sogar mal als Kodachrome), Plus-X-110er-Kassetten, 4×5-Agfa-Scala, Kodak-Disc (ja, die Kamerabatterie funktioniert noch), Agfachrome 50S, Kodak HIE usw. usf.

Herbst 2006: Die entwickelten Kodachrome 40 Super-8-Filme sind zurück.
Herbst 2006: Die entwickelten Kodachrome 40 Super-8-Filme sind zurück.
Photo © Martin Frech, Berlin

Die Kodachrome-Technik

Die Schichten des Kodachrome-Films enthalten im Gegensatz zu anderen Farbfilmen keine Farbkuppler.(3)(4) Mit der Belichtung werden tatsächlich RGB-Farbauszüge in drei s/w-Bildern aufgenommen. Erst durch die Entwicklung wird daraus ein Farb-Dia.
Durch die fehlenden Farbkuppler ist die Schicht des Kodachrome deutlich dünner als die anderer Farbfilme und der Kodachrome daher prinzipiell schärfer. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass auch lange überlagertes Material meist noch gute Ergebnisse liefert.

    Im Grundaufbau besteht der Kodachrome-Film aus vier Schichten:
  1. blauempfindliche Schicht
  2. Gelbfilter
  3. blau-grün empfindliche Schicht — Wegen des Gelbfilters wird jedoch nur grün aufgenommen.
  4. rotempfindliche Schicht

Kodachrome-Filme werden im Prozess K-14 entwickelt. Wer schon sw-Negative zu Dias umentwickelt hat, kennt das Prinzip. Wegen der drei Schichten, benötigt man hier drei Zwischenbelichtungen, an die sich jeweils die entsprechende Farbentwicklung anschließt.

    Ablauf:

  1. Entfernen der Lichthofschutzschicht
  2. sw-Erstentwickler (Die spektrale Empfindlichkeit jeder Schicht bleibt erhalten!)
  3. Blichtung mit rotem Licht durch die Trägerseite
  4. Farbentwicklung der Rot-Schicht zum Cyan-Bild
  5. Belichtung mit blauem Licht von oben (Der Gelbfilter ist noch vorhanden und schützt die blau-grün-empfindliche Schicht.)
  6. Farbentwicklung der Blau-Schicht zum Gelb-Bild
  7. Die Grün-Schicht wird chemisch „belichtet“ und zum Magenta-Bild farbentwickelt.
  8. bleichen, fixieren, wässern usw.

Die Entwicklungsanlagen sind entsprechend kompliziert und aufwendig in der Handhabung. Lange Zeit hat Kodak die Entwicklung daher exklusiv angeboten — die Filme wurden üblicherweise nur mit Entwicklungsgutschein verkauft. Zuletzt wurde dieses Geschäft jedoch an Dwayne’s Photo in Kansas/USA abgegeben, die nunmehr das weltweit einzige K-14-Entwicklungslabor betreiben. Dwayne’s wird die K-14-Entwicklung jedoch schon Ende 2010 einstellen.(5)

Soweit dazu. Nun werde ich zur Entspannung die Vinyl-Single mit Paul Simons Lied auflegen, ein altes Rundmagazin aus dem Schrank nehmen und in Ruhe ein paar Dias gucken.

(1) KODACHROME Discontinuation Notice: http://www.kodak.com/eknec/PageQuerier.jhtml?pq-path=15359&pq-locale=en_US (2009-06-24)
(2) „Ein Pionier der Farbe.“ In: Die Farbe. Time-Life Int., 1978 (= Life Die Photographie) S. 129-166
(3) Processing Steps. Processing Kodachrome Film. http://www.kodak.com/global/plugins/acrobat/en/service/Zmanuals/z50_03.pdf (2009-06-24)
(4) Marchesi, Jost J.: Handbuch der Fotografie. Band 3. 2. überarb. Aufl. Gilching, Verlag Photographie, 2005. S. 129 ff.
(5) http://www.dwaynesphoto.com/ (2009-06-24)

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TMZ in Kaffee 4. Oktober 2007

Posted by Martin Frech in Randgebiete-Projekt, Technik.
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Caffenol
Die Zutaten für Caffenol: löslicher Kaffee und Soda
Photo © Martin Frech (Lomo-FA/TMZ/Caffenol)

In meinem kürzlich hier erschienenen Text (Filmentwicklung in Kaffee) habe ich beschrieben, wie Kaffee als Entwickler für Schwarzweißfilme verwendet wird. Das Thema beschäftigt mich weiterhin.

Lomo fisheye So habe ich gestern einen deutlich abgelaufenen Kodak TMZ (Tmax p3200) mit dieser Lomo-Fischaugen-Kamera(1) belichtet, zur Entwicklung in Caffenol.

Die aufgedruckten 36° DIN (3200 ASA) erreicht dieser Film — wenn überhaupt — bekanntermaßen nur mit einer forcierten Entwicklung. Da Caffenol zudem die Filmempfindlichkeit schlecht ausnutzt, sind real für die Kombination TMZ/Caffenol nur etwa 27° DIN zu erwarten. Das ist bei der Arbeit mit dieser Kamera aber auch zweitrangig (weil 1. „Die zehn goldenen Lomo-Regeln“ und 2. fix f/8; 1/100 s).

Kraken-Lounge
Kraken-Lounge, Berlin (Detail)
Photo © Martin Frech (Lomo-FA/TMZ/Caffenol)

Im Vergleich zum ersten Versuch habe ich nun zuerst die Soda komplett aufgelöst und dann den Kaffee eingerührt, diesmal zwei EßlöffelTeelöffel mehr und etwas weniger Soda, entwickelt habe ich auch etwas länger (30 Minuten).

Ergebnis: Die Färbung des Negativs ist jetzt sehr gleichmäßig und das Korn kann sich wirklich sehen lassen!

Zum Vergleich: weitere Aufnahmen mit dieser Kamera

(1) Einen Erfahrungsbericht zur Arbeit mit dieser Kamera: Frech, Martin: Lomo-Fisheye. In: Randgebiete 3 2(2005)2, S. 7 ff. Online verfügbar: http://www.medienfrech.de/randgebiete/archiv/R3-2005.pdf

Filmentwicklung in Kaffee 30. September 2007

Posted by Martin Frech in Randgebiete-Projekt, Technik.
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© 2007 Martin Frech, randgebiete.de (Kontakt)
Nachdruck oder Nutzung im Internet (vollständig oder teilweise) bitte nur nach vorheriger Rücksprache

Spätestens seit 1995 ist bekannt, dass Kaffee silberhalogenidhaltige Schichten entwickeln kann(1). In einschlägigen Diskussionsforen finden sich seither diverse lange Threads zu diesem Thema, vereinzelt mit Bildbeispielen.

Immer an kuriosen Randgebieten interessiert, habe nun auch ich meinen ersten Film mit Kaffee entwickelt — und um es vorwegzunehmen: es wird nicht der letzte gewesen sein.

Für den Versuch habe ich zwei Rollen Ilford FP4 plus belichtet (Belichtungsreihen mit und ohne Testtafeln): Eine zur Entwicklung in Kaffe, die andere zum Vergleich in Agfa Rodinal.

Vorbereitung der Filmentwicklung mit Kaffee (Caffenol)
Vorbereitung der Filmentwicklung mit Kaffee (Caffenol)
Photo © Martin Frech

Das Rezept für den Kaffee-Entwickler — Einmalentwickler nach den Angaben für Caffenol bei digitaltruth(2) — ist simpel:

  • 500 ml Wasser
  • 8 Teelöffel löslicher Kaffee
  • 4 Teelöffel Natriumkarbonat (Soda)

Wirksam für die Entwicklung ist im Kaffee nicht das Koffein, sondern die Kaffeesäure. Ein Blick auf deren Strukturformel offenbart sofort Ähnlichkeiten mit Brenzcatechin, einer altbekannten Entwicklersubstanz(3) (Pyro).
Die Soda wird benötigt zur Herstellung und Pufferung der alkalischen Lösung.

Ich habe das Kaffee- und das Sodapulver vermischt und mit etwa 27 °C warmem Wasser angesetzt, es jedoch versäumt, die Brühe auf die üblichen 20 °C runterzukühlen.
Den Film habe ich direkt anschließend 25 Minuten lang entwickelt; dabei in der ersten Minute ständig und dann alle 30 Sekunden zweimal gekippt. Gestoppt habe ich wie üblich mit Wasser, fixiert in einem alkalischen Fixierbad.

FP4 in Rodinal und Caffenol
Vergleich der in Rodinal (li.) und Caffenol (re.) entwickelten Negative
Photo © Martin Frech

Ergebnisse:

  • Der Filmstreifen ist stark braun gefärbt; Caffenol ist ein färbender Entwickler (staining developer).
  • Die Färbung ist deutlich ungleichmäßig.
  • Die Empfindlichkeitsausnutzung ist — wie so oft — nicht sehr gut; etwa die Hälfte der Nennempfindlichkeit.
  • Die Negative lassen sich sehr gut scannen (die Beispielbilder habe ich als Dias/48-Bit-Farbe gescannt und mit Photoshop in schwarz-weiß gewandelt); ich habe sie noch nicht konventionell ausgearbeitet.
  • Für den Bildeindruck siehe Bildausschnitte:

FP4 entwickelt in Caffenol (klick ins Bild für große Ansicht)

FP4 in Caffenol (Detail)
Testbild auf FP4 plus, entwickelt in Caffenol (Detail)
Photo © Martin Frech

FP4 in Rodinal (klick ins Bild für große Ansicht)

FP4 in Rodinal (Detail)
Testbild auf FP4 plus, entwickelt in Rodinal 1+50 (Detail)
Photo © Martin Frech

Beim nächsten Mal werde ich zuerst die Soda komplett auflösen bevor ich den Kaffee einrühre.
Wie groß der Einfluß der Temperatur bei der Entwicklung mit Caffenol ist, weiß ich nicht. Verschiedene Quellen geben unterschiedliche Empfehlungen; ich werde mit den klassischen 20 °C weiterarbeiten.
Der Grad der Färbung soll von der Kaffeesorte und der Entwicklungszeit abhängig sein. Den Kaffee werde ich nicht wechseln — die Entwicklungszeit kann jedoch durch Zugabe von 2 g Vitamin C zu obigem Rezept (das gibt dann Caffenol C) deutlich auf etwa 12 Minuten verkürzt werden. Die Färbung soll dann fast verschwinden.

Den Fixierer ebenfalls durch etwas haushaltsübliches zu ersetzen, ist kaum möglich. Man könnte den Film zwar, wie weiland William Talbot seine Kalotypien, in Salzwasser baden. Das wäre jedoch keine dauerhafte Fixage, da die Silbersalze dabei nur in Silberchloride umgewandelt werden würden, die schwer löslich sind und daher in der Schlußwässerung kaum auswaschbar wären; die Schicht würde mit der Zeit schwarz werden. Schon Talbot hat daher bald (auf John Herschels Rat) mit Thiosulfat fixiert.

Für Caffenol gibt es neben Caffenol C noch Varianten zur bildmäßigen Entwicklung von Mikrofilmen (Caffenol LC und Caffenol LC+C). Die Zugabe von Salz zu Caffenol ergibt Caffenol Plus; die sichtbare Körnigkeit und der Schleier sollen damit reduziert werden.

Neben Kaffe gibt es noch andere mehr oder weniger haushaltsübliche Substanzen, die zur Filmentwicklung genutzt werden können, beispielsweise der schmerzlindernde und fiebersenkende Arzneistoff Acetaminophen/Paracetamol. Dessen Strukturformel hat Ähnlichkeiten mit p-Aminophenol, der entwicklungswirksamen Zutat in Agfa Rodinal. Der Entsprechende alternative Entwickler ist unter dem Namen Parodinal bekannt; ein Rezept findet sich auf den Seiten von Donald Qualls(4), die Entwicklungszeiten entsprechen denen von Rodinal. Bei flickr gibt es eine Gruppe zu diesem Thema(5). Eine allgemeinere Gruppe, die alle alternativen Entwickler umfasst, ist die homemade soup-Gruppe(6).

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Literatur:
(1) Williams, Scott: A Use for that Last Cup of Coffee: Film and Paper Development. Online im Internet. URL: http://www.rit.edu/˜andpph/text-coffee.html (Das ist die online-Version ohne Bilder eines Textes, der 1995 in der Zeitschrift Darkroom & Creative Camera Techniques erschienen ist.)
(2) http://www.digitaltruth.com/techdata/caffenol.php
(3) Junge, Karl-Wilhelm und Hübner, Günter: Fotografische Chemie. Aus Theorie uns Praxis. 5. verb. Aufl. Leipzig: VEB Fotokinoverlag, 1989.
(4) http://silent1.home.netcom.com/Photography/Dilutions%20and%20Times.html#Parodinal
(5) http://www.flickr.com/groups/parodinal/
(6) http://www.flickr.com/groups/53495661@N00/

Planfilmentwicklung 17. September 2007

Posted by Martin Frech in Technik.
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Planfilme trocknen
Photo: © Martin Frech

Bislang habe ich meine Planfilme nach alter Väter Sitte in der offenen Schale entwickelt. Das geht auch ganz gut — solange man in einem lichtdichten Raum arbeiten kann. Auf Reisen ist das jedoch nicht immer möglich. Daher habe ich mich nach einem anderen System umgesehen und bin auf den Combi-Plan-Tank aufmerksam geworden, einen Tageslichtentwicklungstank für Filmformate bis 4×5″.

Combi-Plan Tanksystem zur Filmentwicklung
Photo: © Martin Frech

Der Combi-Plan-Tank wird seit mehr als einem halben Jahrhundert unverändert produziert — für mich ein deutlicher Hinweis auf ein bewährtes Produkt. Und tatsächlich: es funktioniert bestens.

Der Filmträger nimmt bis zu sechs Planfilme auf (oder 12, wenn man jeweils zwei Rückseite an Rückseite einlegt). Oben gibt es einen lichtdichten Einlaß zum Befüllen (ein kleiner Trichter wird mitgeliefert), unten einen Abfluß. Der Gummideckel wird nur aufgedrückt, es gibt keine Klammern o.ä. zum Sichern.

Da ich mit dem Tank auch außerhalb der Dunkelkammer arbeiten möchte, nutze ich einen Dunkelsack, um die Filme aus den Kassetten in den Träger umzulegen. Ich wollte mich nicht lange mit Testen aufhalten, sondern gleich richtig loslegen. Also habe ich vier „richtige“ 4×5″-Planfilme (Ilford FP4+) entwickelt.

Das Befüllen und Entleeren des Tanks dauert jeweils ungefähr 30 Sekunden. Um keine ungleichmäßige Entwicklung zu riskieren, habe ich zehn Minuten lang entwickelt (Agfa Rodinal), mit Wasser gestoppt und wie gewohnt Fixiert. Gewöhnungsbedürftig ist für mich die große Flüssigkeitsmenge (1,2 Liter). Sonst unterscheidet sich die Handhabung kaum von der Arbeit mit einer Entwicklungsdose.

Für mich hat das System schon im ersten Einsatz prima funktioniert. Mein Tank ist lichtdicht und tropft nur wenig — und das wichtigste: ich sehe keine Unregelmäßigkeiten auf dem Negativ:
Wohnanlage von Rudolf Maté
Photo: © Martin Frech

Wie man mit mehreren Combi-Plan-Tanks eine klassische Tankentwicklung im kleinen praktiziert, beschreibt Eugene Singer in seinem Text Developing 4X5 Sheet Film: An Alternative Method.

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alte Filme entwickeln 3. September 2007

Posted by Martin Frech in Geschichte, Technik.
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Kürzlich habe ich mein altes Photolabor aufgeräumt. Dabei fand ich neben allerlei historischen Chemikalien drei belichtete Rollfilme: je eine Rolle Ilford HP5, Ilford Pan F sowie Kodak Technical Pan.
Die Umstände des Auffindens deuten drauf hin, daß ich die Filme vor etwa 20 Jahren belichtet habe — ich kann mich jedoch nicht mehr daran erinnern.

HP5, PAN F, TP 120
Photo © Martin Frech

Nun habe ich die Filme entwickelt. Ich wusste weder, was ich damals unter welchen (Licht-)Bedingungen aufgenommen, noch wie ich die Filme belichtet habe. Daher habe ich mich für Diafine als Entwickler entschieden — dessen ausgleichende Wirkung konnte wohl ebensowenig schaden wie die deutlich erhöhte Empfindlichkeitsausnutzung.

Ergebnisse:
Wie erwartet, sind die Aufnahmen nutzbar, die Filme jedoch deutlich wolkig verschleiert.

Dichte (= log O) unbelichteter Filmstellen bei einer Entwicklung nach etwa 20 Jahren (in Diafine):

Ilford HP5 (120) Ilford PAN F (120) Kodak TP 120
D = 0.4 D = 0.16 D = 0.16

Zum Vergleich habe ich zeitnah entwickelte Negative aus dieser Zeit aus meinem Archiv ausgemessen (gleiches Filmmaterial, andere Entwickler):

Ilford HP5 (120) Ilford PAN F (120) Kodak TP 120
D = 0.2 0.07 D = 0.12

Interessant ist, dass sich Kodaks Technical Pan am besten gehalten hat; vorherzusehen war, daß sich Ilfords HP5 aufgrund seiner Empfindlichkeit unbelichtet am deutlichsten verändert (ein Dichteunterschied von 0.3 entspricht der Durchlässigkeit der doppelten/halben Lichtmenge).

Aber selbst die HP5-Negative lassen sich gut scannen, die Ergebnisse sind nutzbar:

Saegebock
Photo © Martin Frech

Apropos Informationsspeicher: meine 5,25″-Disketten von damals kann ich heute nur noch an die Wand nageln.